Aktualisiert 25.06.2009 14:48

Ende einer ÄraEcclestone lässt Kumpel Mosley fallen

Einst erkämpften sie gemeinsam die Macht über die Formel 1. Jetzt hat Bernie Ecclestone seinen alten Freund Max Mosley abserviert. Es ging um die Rettung seines Lebenswerks.

von
Peter Blunschi

Das Ende des Streits mit der Teamvereinigung FOTA bedeutet auch das Ende von Max Mosleys Karriere als Präsident des Automobil-Weltverbands FIA. Der 69-jährige Brite wird sich im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Die Londoner «Times» ist überzeugt: Mosley wurde gestürzt «durch einen von seinem alten Freund Bernie Ecclestone angeführten Coup». In einer «dramatischen Konfrontation» im Pariser FIA-Hauptquartier habe Formel-1-Vermarkter Ecclestone Mosley klargemacht, dass seine Zeit um sei.

Damit wiederholt sich die Geschichte, denn schon vor 30 Jahren «bekriegten» sich Teams und Verband. Damals kämpften Bernie Ecclestone und Max Mosley gemeinsam. Die beiden waren seit den 60er Jahren befreundet, als sie sich mit mässigem Erfolg als Rennfahrer versucht hatten. Ende der 70er Jahre war Ecclestone Inhaber des Brabham-Rennstalls und Präsident der Konstrukteursvereinigung FOCA, Mosley war sein Anwalt. Auf der Gegenseite stand der Automobilsportverband FISA mit Präsident Jean Marie Balestre.

Der Franzose wollte die Macht über die Formel 1 nicht mit den Teams teilen, diese wollten einen grösseren Anteil am finanziellen Kuchen. Der Kleinkrieg gipfelte im Boykott des Grand Prix von San Marino 1982 durch die FOCA-Teams. Danach soll der greise Patriarch Enzo Ferrari – sein Rennstall war nicht Mitglied der FOCA – den Streithähnen ins Gewissen geredet haben. Der erzielte Kompromiss war faktisch ein Sieg für Ecclestone und Mosley, denn die FOCA erhielt die Exklusivrechte für die Fernsehübertragungen.

«Max geht» oder «die Formel 1 zerbricht»

Es war der Anfang von Bernie Ecclestones Herrschaft über die Formel 1, die ihn zu einem der reichsten Briten machte. Besiegelt wurde sie, als Max Mosley 1991 in einer Kampfabstimmung Jean Marie Balestre erst als Präsident der FISA und zwei Jahre später auch als Vorsitzender der FIA ablöste. Nun endet diese Ära. Was der Skandal um die Sadomaso-Spielchen im letzten Jahr nicht vermochte, hat die drohende Abspaltung der FOTA bewirkt: Mosley hat keine Macht mehr über die Formel 1.

Bislang war der 78-jährige Bernie Ecclestone seinem einstigen Anwalt noch in jeder Krise beigestanden. Er tolerierte auch das zunehmend autokratische Gebahren von Mosley. Nun aber ging es um sein Lebenswerk. Für ihn und den Finanzinvestor CVC Capital Partners, der 2007 die Mehrheit an der Formel 1 übernommen hatte, hiess es «Max geht» oder «die Formel 1 zerbricht», so die «Times»: «Am Ende war für Ecclestone die Rettung des Sports wichtiger als die Loyalität zu seinem alten Kumpel.»

Hier gehts zur Chronologie des Formel-1-Streits.

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