Behörden schreiten ein - Echinaforce-Hersteller verspricht zu viel und muss Werbung ändern
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Behörden schreiten einEchinaforce-Hersteller verspricht zu viel und muss Werbung ändern

In der Pandemie boomen alternative Arzneimittel. Deswegen hat Swissmedic nun genauer hingeschaut – und lässt nun die Werbung der grössten Schweizer Hersteller verbieten.

von
Dominic Benz
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Die Echinaforce-Herstellerin A. Vogel AG ist von Swissmedic zurückgepfiffen worden. 

Die Echinaforce-Herstellerin A. Vogel AG ist von Swissmedic zurückgepfiffen worden.

imago images/Geisser
Wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt, haben die Behörden die Werbeaussage «Eine Antwort der Natur» beanstandet.

Wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt, haben die Behörden die Werbeaussage «Eine Antwort der Natur» beanstandet.

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Diese beziehe sich auf das Medikament und verletzte damit die Vorschriften für Arzneimittelwerbung.  

Diese beziehe sich auf das Medikament und verletzte damit die Vorschriften für Arzneimittelwerbung.

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Darum gehts

  • Die A. Vogel AG muss alle ihre Werbemittel ändern.

  • Das ist das Resultat einer aussergerichtlichen Einigung zwischen dem Echinaforce-Hersteller und Swissmedic.

  • Laut den Behörden haben die Werbeaussagen die Vorschriften für Arzneimittelwerbung verletzt.

  • Die Behörden verdonnern zudem die Homöopharm AG zu einer Busse von 7000 Franken.

Der Naturheilmittel-Hersteller A. Vogel AG hat seine Echinaforce-Produkte illegal beworben. Zu diesem Schluss kam Swissmedic, die Schweizer Kontroll- und Zulassungsbehörde für Arzneimittel. Die Thurgauer Firma muss nun alle ihre Werbemittel neu gestalten.

Wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt, haben die Behörden die Werbeaussage «Eine Antwort der Natur» beanstandet. Diese beziehe sich auf das Medikament und verletzte damit die Vorschriften für Arzneimittelwerbung. Die sind hierzulande streng ausgelegt und gelten für Schul- und Komplementärmedizin.

Verbotenes Wirkversprechen

Der Echinaforce-Hersteller verkleinert nun den Slogan und integriert ihn ins Firmenlogo. Somit bezieht er sich nicht mehr auf das Heilmittel. Zuvor wehrte sich die A. Vogel AG gegen Beanstandung der Behörden vor Gericht. Letztlich einigte man sich aussergerichtlich mit einem Kompromiss, der nun die Werbe-Anpassungen regelt.

Laut dem Bericht wollte Swissmedic auch die Werbeaussage «Ich stärke mein Immunsystem» verbieten. Dieses Wirkversprechen sei nicht erlaubt. Weil der Satz sich aber nicht aufs Medikament bezieht, darf der Echinaforce-Hersteller ihn nun weiter verwenden.

7000 Franken Busse

Nicht nur bei der A. Vogel AG griffen die Behörden durch. So ging Swissmedic bei der Solothurner Firma Homöopharm AG noch strenger vor und hat gleich alle Werbeaussagen verboten. Der Satz «Stärkt und wehrt ab» ist laut den Kontrolleuren ein unzulässiges Wirkversprechen. Und «Natürliche Wirkungsweise» gebe vor, ein Naturprodukt zu sein, was aber nicht der Fall ist.

Anders als die A. Vogel AG ging der Homöopharm-Chef André Ackermann nicht vor die Richter. Stattdessen schrieb er dem Swissmedic-Chef in einem Brief, die Behörde «möge doch die grossen Fische jagen». Doch das nützte nichts. Ackermann muss eine Busse von 7000 Franken zahlen und erhält einen Eintrag im Strafregister.

Pandemie löst Run aus

Die Echinaforce-Produkte der A. Vogel AG sowie die Immuntherapie-Fläschchen der Homöopharm AG gehören zu den meistverkauften Mitteln im Bereich Alternativmedizin. Die ganze Branche hat von der Pandemie profitiert.

So kam es wegen des Coronavirus zu einem Ansturm auf alternative Arzneimittel. Egal, ob Vitaminpillen, Globuli-Kügelchen oder Kräuter-Tropfen – Hauptsache, die Mittel stärken das Immunsystem für den Kampf gegen die zirkulierenden Viren. Die Wirkung ist allerdings umstritten und nicht nachgewiesen. Daher sind Werbeversprechen in diese Richtung verboten.

Verbotener Zusammenhang

Im vergangenen September löste eine Studie aus dem Labor Spiez einen Run auf Echinaforce-Produkte aus. Das Naturheilmittel habe eine heilende Wirkung bei einer Infektion mit dem Coronavirus, so die Studie. Nach grosser Kritik krebsten die Forscher zurück und stellten klar, dass die Wirkung nur im Labor und nicht am Menschen getestet worden sei. Auch Swissmedic schaltete sich ein und stellte klar, dass das Naturheilmittel ausdrücklich nicht als «Corona-Medikament» zugelassen ist. Einen solchen Schluss zu machen oder zu suggerieren, ist verboten und entspricht nicht den Schweizer Vorschriften für Arzneimittelwerbung. Swissmedic darf bei Missachtung wie ein Gericht Strafbescheide ausstellen.

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