Aktualisiert 08.03.2013 14:28

Für NominationenEcho-Kriterien werden überarbeitet

Wer soll nominiert werden, wer nicht? Nach dem Ausschluss der umstrittenen Rockband Frei.Wild aus dem Echo-Wettbewerb sollen die Regeln für den Musikpreis geändert werden.

von
hüt

Über die Nominierungen für den deutschen Musikpreis Echo entscheiden weder eine Jury noch die Zuschauer, sondern die Verkaufszahlen. Bisher wurde dieses Verfahren nicht weiter hinterfragt, doch aufgrund des Eklats rund um die Band Frei.Wild wollen die Echo-Verleiher die Nominierungskriterien überarbeiten. «Wir wollen mit solchen Fällen in Zukunft klarer umgehen können», erklärte Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Musikindustrie, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Die konkreten Veränderungen würden in den kommenden Wochen erörtert.

Die Diskussion habe aber schon im Vorfeld der jetzigen Debatte begonnen. Die deutsche Phono-Akademie, die zum Bundesverband der Musikindustrie gehört, hatte am Donnerstag nach Protesten und dem Boykott mehrerer anderer Bands die Gruppe Frei.Wild von der Liste der Echo-Nominierten gestrichen.

«Möglichst rasch ein Zeichen setzen»

Kritiker werfen den Deutsch-Rockern aus Brixen in Südtirol vor, in ihren Songs völkisches und nationalistisches Gedankengut zu verbreiten. Der Echo wird am 21. März in Berlin verliehen.

Die Nominierungen für den Musikpreis bestimmen sich nach den Verkaufszahlen der jeweiligen Gruppen. Mit dem Ausschluss von Frei.Wild hat die Phono-Akademie nach eigenen Angaben in dieses Reglement eingegriffen. «Das war eine besondere Situation und insofern ein Novum in der bisherigen Echo-Vergabe», sagte Drücke: «Uns war wichtig, möglichst rasch ein Zeichen zu setzen.»

Shitstorm gegen falsche Mia

Die Chemnitzer Band Kraftklub und die Berliner Elektro-Popgruppe MIA. hatten aus Protest gegen Frei.Wild ihre eigene Teilnahme am Echo-Rennen abgesagt. Auch Die Ärzte protestierten.

Wegen des Ausschlusses von Frei.Wild traten deren Fans auf Facebook einen regelrechten Shitstorm los. Dummerweise traf ihr Zorn jedoch die falsche Band. Statt der Popgruppe Mia. aus Deutschland beschimpften sie auf Facebook die englische Sängerin M.I.A., die sich nun wundern wird, wieso sie als «Zeckenband» bezeichnet wird oder Deutsche ihr «von ganzem Herzen alles Schlechte» wünschen. (hüt/sda)

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