Benzinpreis: Economiesuisse-Boss spricht von 5 Fr. pro Liter
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BenzinpreisEconomiesuisse-Boss spricht von 5 Fr. pro Liter

Die Mobilität ist in der Schweiz zu billig: Dies sagt Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli. Für den Spitzenvertreter der Schweizer Wirtschaft sind 5 Franken pro Liter Benzin eine Überlegung wert.

von
lüs
Die Mobilität - und damit auch das Benzin - ist zu billig. Das sagt auserechnet der Economiesuisse-Präsident.

Die Mobilität - und damit auch das Benzin - ist zu billig. Das sagt auserechnet der Economiesuisse-Präsident.

Die Erhöhung des Benzinpreises erhält Fürsprache von ungewöhnlicher Seite: Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli sagte gegenüber der Zeitschrift «Schweizer Monat», die Mobilität in der Schweiz sei zu billig: «Wir verhalten uns unökologisch, weil es uns nichts kostet. Damit sich die Einstellung ändert, müsste der Benzinpreis auf fünf Franken pro Liter erhöht werden», so Wehrli. Aktuell liegt der Benzinpreis in der Schweiz bei 1,66 bis 1,86 Franken pro Liter.

Die Erhöhung auf fünf Franken hätte laut Wehrli folgenden Effekt: «Endlich hätten jene Autos Konjunktur, die tatsächlich weniger Kraftstoffe verbrauchen.» Vom ganzen technologischen Fortschritt der letzten 50 Jahre seien

80 Prozent in unnütze Leistungssteigerung geflossen und nur 20 Prozent in die Verbrauchssenkung, gibt der Präsident des Wirtschaftsdachverbands zu bedenken.

Dass nun auch Wehrli von einer massiven Erhöhung des Benzinpreises spricht, sorgt bei anderen Wirtschaftsvertretern für Empörung. Transportunternehmer und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sagt: «Ein Benzinpreis von fünf Franken würde unsere Volkswirtschaft massiv schädigen.» Durch die Verteuerung des Benzins in diesem Masse würde laut Giezendanner eine Zweiklassengesellschaft geschaffen: «Der kleine Mann könnte sich das Autofahren nicht mehr leisten.»

Girod: «Konstruktive Überlegungen» von Wehrli

Auch beim Schweizer Gewerbeverband ist man über Wehrlis Aussagen alles andere als erfreut. Direktor Hans-Ulrich Bigler sagte zur «Neuen Luzerner Zeitung»: «Ob Bauzulieferer, Detailhandel oder die Gastronomie: Für diese und viele andere Branchen würde ein Benzinpreis von fünf Franken pro Liter einen massiven Kostenschub bedeuten, den letztlich der Kunde zu spüren bekäme.» Wehrli sei einer «grünen Logik» erlegen.

Von den Grünen gibts tatsächlich Lob für Wehrli. Nationalrat Bastien Giroud: «Ich bin erfreut, dass die Economiesuisse sich für einmal mit so konstruktiven Überlegungen in die Debatte einbringt.» Doch selbst für die Grünen sei ein Benzinpreis von fünf Franken noch Zukunftsmusik. «Hilfreicher wäre, wenn uns die Economiesuisse bei Forderungen unterstützen würde, die jetzt im Parlament aktuell sind, etwa bei der Einführung von Road Pricing oder einer CO2-Abgabe von 50 Rappen pro Liter Benzin.»

Economiesuisse: Benzinpreiserhöhung müsste global erfolgen

Wehrli war heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Kurt Lanz, Economiesuisse-Geschäftsleitungsmitglied und Bereichsleiter Infrastruktur, Energie und Umwelt, sagt jedoch: «Herrn Wehrlis theoretische Überlegungen über den Benzinpreis stehen im Zusammenhang mit unserer Forderung, im Verkehr mehr Kostenwahrheit zu schaffen.» Die Economiesuisse fordere aber keine Erhöhung des Benzinpreises auf fünf Franken.

Eine Verteuerung des Benzins dürfte aus Sicht von Economiesuisse nicht im Alleingang erfolgen. Lanz: «Würden wir den Preis isoliert in der Schweiz erhöhen, würde dies dem Standort schaden und hätte unerwünschte Auswirkungen.» Viele Schweizer Autofahrer würden dann ins umliegende Ausland fahren, um zu tanken, so Lanz - «was noch mehr Verkehr zur Folge hätte».

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