Aktualisiert 03.12.2008 11:57

Trotz Krise

Economiesuisse gegen Staatsinterventionismus

Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse ruft die Politik zu einer liberalen Haltung trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise auf. Präsident Gerold Bührer warnt vor einem ausgeprägten Staatsinterventionismus.

«Der rauhe Wind gegen die Marktwirtschaft ist durch die Finanzkrise und vor dem Hintergrund der Staatseingriffe stärker geworden», sagte Bührer am Mittwoch vor den Medien in Zürich. Economiesuisse wolle auf dem Boden der «bewährten marktwirtschaftlichen Ordnung» Hand bieten zu Verbesserungen und Lösungen.

Preisstabilität, Wachstum und Arbeitmarktdaten zeigten, dass eine liberale Wirtschaftspolitik in den letzten Jahren erfolgreich gewesen sei. Staatseingriffe auf der ganzen Breite führten im Endeffekt zu enttäuschten Erwartungen. «Gewisse Staaten in Westeuropa werden noch auf die Welt kommen», prophezeite Bührer.

Lob erteilt Bührer der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für ihre vehemente Zinssenkungspolitik. Gezielte Verbesserungen bei der Regulierung der Finanzindustrie finden ebenfalls die Zustimmung von economiesuisse, so Bührer.

Keine Konjunkturprogramme

Ein effektiver Beitrag des Bundes für die Konjunktur sei der Verzicht auf Steuererhöhungen und der Verzicht auf weitere Sparmassnahmen, sagte Chefökonom Rudolf Minsch. Dies sei ein besserer Schritt als Konjunkturprogramme.

Economiesuisse geht für die Schweiz von einem Nullwachstum für 2009 aus. «Technisch gesehen ist die Rezession da», sagte Gerold Bührer. «Durch die Entwicklung nach der Sommerpause werden wir aber insgesamt wohl einen Nuller landen», erklärte der economiesuisse- Präsident.

Durchschnittlich werde die Schweiz im nächsten Jahr 3,2 Prozent Arbeitslose haben. «Weil die Arbeitslosenzahl dem Konjunkturzyklus nachhinkt, wird sie gegen Jahresende höher liegen», sagte Chefökonom Minsch. Allerdings weise der Arbeitsmarkt nach wie vor viele offene Stellen aus.

Keine Kreditverknappung

Voraussetzung sei aber, dass der Franken nicht spürbar aufgewertet werde, sagte Chefökonom Minsch weiter. Mit Blick auf die Exportwirtschaft sagte Minsch, es dürfe sich in den USA und der EU trotz dortiger Rezession keine systematische Abwärtsspirale entwickeln.

Um das Minuswachstum zu verhindern, dürfe es auch keine erneute Verschärfung der Finanzkrise geben. Eine Kreditverknappung auf breiter Front erwartet Minsch für 2009 nicht: «Einzelne Hinweise sind zwar da, aber sie betreffen wenige KMU.» Im Laufe von 2009 sei eine Normalisierung zu erwarten.

Höhere Reallöhne stützen Konsum

Der private Konsum werde durch weitere Zinssenkungen und der versprochenen Reallohn-Erhöhungen für 2009 die Konjunktur stützen. «Die Achillesferse bleibt der Export», sagte Minsch. Dieser werde auch 2009 starken Herausforderungen gegenüberstehen.

Am meisten würden die Autozulieferer und die Textilbranche leiden. Besser schlagen sich gemäss Minschs Prognose Pharmaindustrie, Medizinaltechnik wie auch Hersteller von Präzisionsgeräten, Nahrungsmittelproduzenten und Energieunternehmen.

Für 2010 macht economiesuisse keine Prognose. Die Entwicklung in der EU und in den USA verzögere eine schnelle Erholung in der Schweiz. Allein die Immobilienkrise in Grossbritannien, Spanien und Italien werde die europäischen Volkswirtschaften bis 2010 stark beschäftigen.

(dapd)

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