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Uhrenindustrie-Austritt«Economiesuisse spricht nur für die Teppichetage»

Dicke Luft zwischen der Uhrenbranche und Economiesuisse: Für Swatch-Chef Nick Hayek ist der Wirtschaftsverband jene Lobbyorganisation, die die wahren Probleme des Werkplatzes nicht kennt.

von
Sandro Spaeth
Swatch-Group-CEO Nick ist ein Mann der klaren Worte: Economiesuisse habe die Probleme der Schweizer Industrie immer schlechter verstanden.

Swatch-Group-CEO Nick ist ein Mann der klaren Worte: Economiesuisse habe die Probleme der Schweizer Industrie immer schlechter verstanden.

Herr Hayek, der Austritt der Uhrenindustrie aus dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse kommt für uns überraschend.

Nick Hayek: Nein. Die Abgehobenheit der Economiesuisse-Funktionäre und die Distanz zu den echten Problemen des Werkplatzes Schweiz mit seinen vielen KMU ist in letzter Zeit immer offensichtlicher und grösser geworden.

Welche Art Wirtschaftsdachverband braucht es denn?

Was wir brauchen, sind glaubwürdige Vertreter, keine Funktionäre einer Lobbyorganisation, die nur die Teppichetagensprache sprechen. Zudem braucht es richtige Führungsstärke. Ausschlaggebend für den Austrittsentscheid des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) war aber die Haltung von Economiesuisse in der Swissness-Vorlage. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Warum ist diese Vorlage für die Uhrenindustrie so wichtig?

Unsere Kunden weltweit erwarten, dass wenn Swiss Made auf unseren Uhren steht, auch Swiss Made drin ist. Die Käufer haben Vertrauen in das Label Swiss Made, dieses Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen. Wenn wir es zulassen, Swiss Made weiter zu verwässern, sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen. Hier geht es wirklich um Industriepolitik für unser Land.

Hat es Mut gebraucht, mit dem Uhrenverband aus der Economiesuisse auszutreten?

Die FH ist ein starker Verband, der das tut, was wichtig und notwendig ist im Interesse des Werkplatzes Schweiz. Es ist ein Signal an die Economiesuisse, dass es jetzt eine starke Veränderung braucht in diesem Verband. Ich glaube, unser Austritt kann hier eine positive Bewegung bringen.

Was sollte Economiesuisse denn ändern?

Ihre Geisteshaltung. Economiesuisse muss weg von der Lobbymentalität hin zum Anpacken echter Probleme. Diese soll sie auch verständlich und glaubwürdig vertreten.

Ende Jahr ist Schluss

Ende Jahr aus dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse austreten. Der Vorstand ist mit den Leistungen und der Position von Economiesuisse im «Swissness«-Dossier nicht zufrieden.

60 Prozent aus der Schweiz stammen soll. Economiesuisse blockiere damit nicht nur die Stärkung des «Swiss Made«-Labels, sondern schwäche es sogar.

Economiesuisse nimmt die Austrittsankündigung des Uhrenverbands mit Bedauernd zur Kenntnis. Über die künftige Art und Weise der Zusammenarbeit nehmen die beiden Organisationen Gespräche auf. Geplant ist laut Economiesuisse, weitere Informationen dazu noch vor der Sommerpause bekanntzugeben. (sda)

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