Aktualisiert 05.07.2012 22:47

Positive NebenwirkungEcstasy hilft, positive Gefühle zu erkennen

Die Partydroge Ecstasy verändert nicht nur die Gemütslage der Konsumenten, sondern auch ihr Vermögen, die Gefühle anderer einzuschätzen.

von
Martina Huber
Ecstasy verleiht Partygängern eine rosarote Brille.

Ecstasy verleiht Partygängern eine rosarote Brille.

Ecstasy macht euphorisch, weil es das Gehirn veranlasst, Glückshormone auszuschütten. Nun haben Forscher des Unispitals Basel nachgewiesen, dass man unter dem Einfluss des Ecstasy-Wirkstoffs MDMA auch die positiven Gefühle seiner Mitmenschen besser wahrnimmt.

In ihrem Experiment zeigten die Forscher den Probanden Fotos von Augenpartien und liessen sie einschätzen, was die abgebildete Person fühlt. Wenn die Versuchsteilnehmer MDMA eingenommen hatten, konnten sie positive Gefühle wie Freude oder Wohlwollen besser erkennen. Hingegen nahmen sie negative Gefühle wie Wut oder Angst schlechter wahr, als wenn sie nur ein Placebo erhalten hatten.

Party-Pillen sind verunreinigt

«Mit Ecstasy fühlt man sich wohl und sieht die Welt durch eine rosarote Brille», sagt Arzt und Studienleiter Matthias Liechti. Das mache die Droge für Partygänger interessant: «Wer mehr freundliche Gesichter sieht, knüpft schneller neue Kontakte.» Umgekehrt gehe man aber auch unnötige Risiken ein, wenn man feindselige Blicke nicht als solche erkenne.

Liechti betont, dass die Ecs­tasy-Pillen, die man an Partys kaufen kann, nicht nur MDMA, sondern bis zu 20 Prozent andere Substanzen enthalten. «Je nach Inhalt kann eine Pille auch zu einem Horrortrip führen.» Diese Gefahr habe bei ­seinen Probanden aber nicht bestanden, da sie nur eine kleine Menge reines MDMA bekommen hätten, unter kontrollierten Bedingungen.

Die Forscher vermuten, dass die festgestellte Wirkung mit dem körpereigenen Hormon Oxytocin zusammenhängt, das bei Einnahme von MDMA ausgeschüttet wird. Denn frühere Studien haben gezeigt, dass Oxytocin die Wahrnehmung von Gefühlen verbessert.

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