Aktualisiert 07.08.2018 06:03

Warnung vor Street ParadeEcstasy-Tabletten werden immer gefährlicher

Ecstasy-Tabletten sind im Schnitt mehr als doppelt so stark wie noch vor zehn Jahren. Für Konsumenten birgt das grosse Gesundheitsrisiken.

von
daw
1 / 5
Vor der Street Parade warnen Experten, dass Ecstasy-Tabletten immer stärker wirken.

Vor der Street Parade warnen Experten, dass Ecstasy-Tabletten immer stärker wirken.

Erstmals ist eine Tablette aufgetaucht, die eine Warnung vor der hohen Dosierung auf dem Rücken trägt. Im Test zeigte sich, dass die Angabe ziemlich genau dem tatsächlichen MDMA-Gehalt entspricht.

Erstmals ist eine Tablette aufgetaucht, die eine Warnung vor der hohen Dosierung auf dem Rücken trägt. Im Test zeigte sich, dass die Angabe ziemlich genau dem tatsächlichen MDMA-Gehalt entspricht.

Angaben auf Pillen sind jedoch nicht verlässlich. Diese Tablette sieht zwar ähnlich aus ...

Angaben auf Pillen sind jedoch nicht verlässlich. Diese Tablette sieht zwar ähnlich aus ...

Die Tablette ist neongelb und zeigt auf der Vorderseite das Antlitz eines Pharao. Auf der Rückseite ist eine Warnung eingeprägt: Die Pille enthalte 240 Milligramm MDMA. Ein Konsument der beliebten Partydroge brachte die Pille kürzlich zum Checking ins Labor.

«Prägungen mit dem Wirkstoffgehalt sind ein neues Phänomen. Die Angabe kann stimmen, muss aber nicht», sagt Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich. Offenbar reagierten die Hersteller mit der Warnung darauf, dass die Pillen immer stärker werden – und für Konsumenten damit immer riskanter.

Doppelt so stark wie vor zehn Jahren

Aktuelle Zahlen der Drug-Checkings zeigen, dass sich der Wirkstoffgehalt der Tabletten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat. In einer Pille waren im ersten Halbjahr des laufenden Jahres durchschnittlich 173,4 Milligramm MDMA enthalten. Laut Kobel wird es ab 120 Milligramm gefährlich: «Die Körpertemperatur steigt an. Bewegt man sich und trinkt man dazu Alkohol, droht der Kreislaufkollaps.» Neben Krampfanfällen können hohe Dosen auch zu schweren Organschädigungen und gar zum Tod führen.

Im Drogenforum Eve & Rave berichten User von den Nebenwirkungen der starken Pillen. Nachdem seine Freundin an zwei Tagen hintereinander Tabletten von 170 Milligramm geschluckt habe, sei sie «komplett kraftlos» gewesen, schreibt einer. Sie habe sich sehr oft übergeben müssen, bis ein Arztbesuch nötig geworden sei.

Beunruhigend sei, dass seit etwa zwei Jahren vermehrt hochdosierte Tabletten mit mehr als 200 Milligramm auftauchten, sagt Kobel. Eine Ecstasy-Tablette enthielt im laufenden Jahr gar 290 Milligramm MDMA – sie reicht also für drei junge Männer mit 75 Kilo Körpergewicht. «Wir raten den Konsumenten daher, wenn, dann nur noch einen Teil der Tablette zu nehmen.»

Street Parade steht vor der Tür

Die Partydroge – laut Kobel wird sie vor allem in Clubs, an Anlässen wie der Street Parade oder zunehmend auch an Festivals eingenommen – wird grösstenteils in den Niederlanden oder Belgien produziert und dann in die Schweiz geschmuggelt. «Nachdem Safrol, aus dem MDMA gewonnen wird, streng kontrolliert wurde, haben die Produzenten offenbar neue Herstellungswege gefunden.» Überhaupt habe in der Produktion eine Professionalisierung Einzug gehalten. «Die Tabletten haben immer ausgefallenere Formen, und die Prägungen sind besser sichtbar.»

Wegen des höheren MDMA-Gehalts ruft Kobel vor der Street Parade vom kommenden Wochenende zur Vorsicht auf. Von Spontankäufen an der Street Parade rät er dringend ab, zumal wegen der vielen ausländischen Gäste auch hierzulande wenig verbreitete Substanzen wie Crystal Meth ins Land gelangten: «Im besten Fall ist es nur Aspirin, es könnte aber etwas anderes sein. Was in einer Pille ist, weiss man nur mit Gewissheit, wenn man sie testen lässt.» Das sei im mobilen Drug-Checking möglich (siehe Box).

Gemäss dem Suchtmonitoring Schweiz haben knapp 4 Prozent der Schweizer schon Ecstasy konsumiert. Am Zoll wurden 2017 genau 36'339 Designerdrogen-Pillen beschlagnahmt. Die Spezialisten des Tox-Zentrums beraten regelmässig die Notfallstationen der Spitäler bei Fällen, in denen Ecstasy eine Rolle spielt. Laut Direktor Hugo Kupferschmidt steigt mit der Tablettenstärke auch das Risiko einer Überdosierung. «Das ist problematisch, wenn ein Konsument die Bezugsquelle nicht kennt.» Ihm seien aber nur wenige akute Vergiftungsfälle bekannt. «Alkoholvergiftungen stehen an der Street Parade klar im Vordergrund.»

Haben Sie Fragen zum Thema Party-Drogen? Im Formular unten können Sie diese stellen. Ein Experte von Streetwork Zürich wird sie demnächst im Live-Chat beantworten.

Gefährliche Cannabinoide

In der Schweiz ist kürzlich dieser Haschklumpen, eine schwarze, harzige Substanz aufgetaucht. Es handelt sich dabei um das synthetische Cannabinoid 5F-ADB – eine noch kaum bekannte psychoaktive Substanz. Im Ausland steht es im Zusammenhang mit zahlreichen Todesfällen. Laut Saferparty.ch ist das Cannabinoid wesentlich potenter als herkömmliches Cannabis. Es bewirkt einen starken Anstieg des Blutdrucks und kann Krampfanfälle auslösen. Die Wirkungen sind nicht erforscht.

Drug-Checking an der Street Parade

Die Jugendberatung Streetwork führt mit saferparty.ch als Teil des Sozialdepartementes der Stadt Zürich Drug-Checking mit Beratung durch. Dabei geht es darum, illegal erworbene psychoaktive Substanzen auf ihren tatsächlichen Inhaltsstoff hin zu analysieren und Konsumenten zu den Risiken des Konsums zu informieren. Dies ermöglicht, gefährlichere und unerwartete Stoffe, hohe Dosierungen sowie neue Substanzen aufzudecken und die Konsumierenden entsprechend zu warnen.

Drug-Checking- und Beratungsangebot an der Street Parade

Bürkliplatz: 13–18 Uhr

Lethargy-Party, Rote Fabrik: 22–7 Uhr

Mehr Informationen unter www.saferparty.ch

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.