Aktualisiert 26.04.2020 16:26

Zurückgeholter Schweizer

«EDA-Rechnung ist eine Zumutung»

Der Bund setzte alle Hebel in Bewegung, um gestrandete Schweizer Touristen in die Schweiz zurückzubringen. Sie erhalten bald die Rechnung. Nicht alle finden sie angemessen.

von
Daniel Waldmeier
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Am Flughafen in Bogota wurde die Körpertemperatur der Rückkehrer gemessen.

Am Flughafen in Bogota wurde die Körpertemperatur der Rückkehrer gemessen.

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Hier bringt eine Maschine Rückkehrer aus Costa Rica nach Hause.

Hier bringt eine Maschine Rückkehrer aus Costa Rica nach Hause.

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Schweizer Reisende auf dem Flug von Bogota nach Zürich.

Schweizer Reisende auf dem Flug von Bogota nach Zürich.

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In der «grössten Rückholaktion der Geschichte» hat der Bund rund 7000 im Ausland blockierte Personen in die Schweiz zurückgeholt. Sie werden sich an den Kosten beteiligen müssen und erhalten demnächst eine Rechnung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), wie dieses am Freitag bekanntgab. Die Beiträge der Passagiere liegen zwischen 400 Franken (Kurzstrecke bis 1500 Kilometer) und 1500 Franken (Flüge nach Ozeanien).

Rückkehrer ist sauer

Die Forderung kommt nicht bei allen Rückkehrern gut an. «Die Rechnung ist eine Zumutung», sagte etwa O. G.*, der am 31. März mit einem Rückholflug via Manila und Doha aus den Philippinen zurückkam und seither von seiner philippinischen Partnerin getrennt ist. Er sagt, man habe zwar Kosten von bis 1200 Franken in Aussicht gestellt, das EDA habe ihm am Telefon aber versichert, dass man einen symbolischen Betrag einfordern werde. Jetzt erhalte er eine Rechnung über 1100 Franken. Gleichzeitig seien die Tickets am Flughafen zu günstigeren Preisen direkt an andere Europäer verkauft worden.

Laut G. dauerte die Heimreise mit Qatar Airways aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände über zwei Tage. «Es war ein Trip mit vielen Pannen. Die Gruppe von 325 Passagieren war ungeschützt und unkontrolliert zusammen. Beim Aussteigen in Zürich wurden wir dann plötzlich aufgefordert, Abstand zu halten.» Angesichts der Umstände und üblicher Flugpreise zwischen Zürich und Manila seien die Preise des EDA deutlich zu hoch.

Keine Vollkostenrechnung

Hans-Peter Lenz, der Chef des Krisenmanagement-Zentrums des EDA, sagte am Freitag vor den Medien, man habe sich nach längerer Diskussion für die Rückforderung von Pauschalbeträgen entschieden. Diese würden sowohl von Schweizern als auch zurückgeführten Ausländern verlangt. Damit sollen die Passagiere rund 80 Prozent der Flugkosten von insgesamt rund zehn Millionen Franken tragen. Es handelt sich allerdings nicht um eine Vollkostenrechnung. Nicht berücksichtigt sind etwa die zahlreichen Arbeitsstunden durch EDA-Mitarbeiter für die Organisation der Rückholflüge oder der Transport der Passagiere an den Flughafen.

Johannes Matyassy, Direktor der konsularischen Dienste, sagte gegenüber 20 Minuten, dass die Rückflüge nicht leicht zu organisieren waren. «In vielen Ländern gibt es hohe Hürden, und die Rückführaktionen benötigen viel diplomatisches Geschick», sagt Matyassy. Er nennt Peru als Beispiel: «Erst als Bundesrat Cassis intervenierte, bekamen wir die Erlaubnis für den Flug von Zürich nach Lima und wieder zurück.»

Er erklärte, dass sich die Schweizer an der Rückholaktion beteiligen müssen: Der Anteil der Passagiere werde sich in einem fairen und marktüblichen Rahmen bewegen und sicher nicht ganz kostendeckend sein, doch: «Gratisflüge sind das nicht.»

Ticketpreise nicht mehr marktüblich

Laut EDA können die Ticketpreise in dieser aussenordentlichen Lage nicht mit den Preisen unter normalen Bedingungen verglichen werden. Die vom EDA eingekauften Leistungen für Charterflügen würden einer marktüblichen Preisspanne entsprechen. Diese Beiträge können im Vergleich zu den Nachbarländern der Schweiz etwas höher ausfallen, bewegen sich aber in einem vertretbaren Rahmen, so EDA-Sprecher Georg Farago. In Zusammenhang mit der Höhe der Pauschalbeträge soll es nur wenige ans EDA gerichtete Anrufe und Mails gegeben haben.

* Name der Redaktion bekannt

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