Aktualisiert 13.07.2008 21:06

Beziehungen Schweiz-Kolumbien

EDA verteidigt Vermittlerrolle

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Vermittlerrolle in Kolumbien verteidigt. Die Zusammenarbeit des EDA mit Gontard sei vertraglich sauber geregelt.

Er habe vollstes Vertrauen in die Arbeit des Vermittlers Jean-Pierre Gontard, sagte der Leiter der politischen Abteilung IV im EDA, Thomas Greminger, am Sonntag auf Anfrage der AP. «Es gibt keinen Anlass daran zu zweifeln», sagte Greminger, der in seiner Funktion Gontards Vorgesetzter im EDA ist. Wer vermitteln wolle, werde ab und zu von beiden Seiten kritisiert. Dies, weil die so genannten Mediatoren ja auch mit beiden Seiten ein gutes Verhältnis haben müssten.

Die Schweiz ist bereits seit längerer Zeit - zusammen mit anderen Ländern, namentlich Frankreich und Spanien - am Friedensprozess in Kolumbien beteiligt. Gontard ist seit acht Jahren für das EDA tätig. Diese Bemühungen waren in den letzten Tagen Anlass zu heftiger Kritik von Medien und Vertretern der kolumbianischen Regierung. Grund dafür waren auch Dokumente, die auf dem Computer von FARC-Hauptsprecher Raul Reyes gefunden wurden. So wurde Gontard beschuldigt, Partei ergriffen zu haben.

Man habe diese Dokumente ausführlich analysiert und bereits vergangene Woche eine ausführliche Stellungnahme zu Handen der kolumbianischen Regierung abgegeben, sagte Greminger. Und: «Wir konnten alles erklären.» Man dürfe diese Informationen nicht zum Nennwert machen, da es sich dabei lediglich um Angaben der einen Seite - der FARC - handle. Auch die Kritik an der Rolle Gontards bei der Freilassung zweier Novartis -Angestellter entkräftete Greminger: So sei Gontard zwar in seiner Funktion als Mediator einbezogen gewesen, er habe aber nie Geld in die Hände genommen. «Auch dort war seine Rolle ohne Zweifel», sagte der Botschafter.

Greminger betonte, die Zusammenarbeit des EDA mit Gontard sei vertraglich sauber geregelt: «Er hatte ein klares Mandat.» Einem Vermittler müsse man aber immer einen gewissen Spielraum geben. Die Anstellung läuft via Institut für Entwicklungsstudien der Universität Genf. Gontard erhielt vom EDA rund 100.000 bis 150.000 Franken pro Jahr. Die Kritik an der Schweiz sei auch vor dem innenpolitischen Hintergrund in Kolumbien zu sehen, sagte Greminger, der betonte, dass die Schweiz ihre Dienste zur Lösung des Konflikts in Kolumbien weiter anbietet. Man werde nun abwarten und schauen, wie es weiter gehe. «Vermitteln kann man nur, wenn beide Parteien es wollen», sagte Greminger. Man werde sehen, ob die kolumbianische Regierung wieder auf die Schweiz zukomme.

Bereits am Samstag hatte sich Ingrid Betancourt telefonisch bei Bundesrätin Micheline Calmy-Rey für die Dienste der Schweiz im Konflikt zwischen den FARC-Rebellen und der kolumbianischen Regierung bedankt. Sie habe dabei namentlich die Arbeit des Schweizer Emissärs Jean-Pierre Gontard erwähnt, bestätigte der Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Jean-Philippe Jeannerat, zu Berichten des «Sonntagsblicks» und der «SonntagsZeitung». Es habe sich um das erste Gespräch der beiden gehandelt. Weitere Angaben über den Inhalt der rund 15-minütigen Unterhaltung machte Jeannerat nicht. (dapd)

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