Aktualisiert 17.09.2007 17:39

Eddie Vedder - «Into the Wild»Eddie Vedder solo – ab in die Wildnis

Chris McCandless war 24 Jahre alt, als er irgendwo in der nordamerikanischen Pampa verhungerte. Mit «Into the Wild» bereitete Regisseur Sean Penn die Alaska-Odyssee des Aussteigers für die Kinoleinwand auf.

Die Songs dazu dichtete Eddie Vedder. Vedder ist 42 – und verhungern muss der Pearl-Jam-Sänger kaum, nach 60 Millionen verkauften Platten. Die Rolle des musikalischen Outlaws behagt ihm trotzdem. Umso mehr, als dass er hier die Affinität zu ruhigeren Klängen ausleben kann, die auch die letzten Outputs seiner Stamm-Band prägten. Zur gezupften Ukulele brummelt der Sänger verträumte Einsiedler-Hymnen, etwa «Society» aus der Feder des kalifornischen Songwriters Jerry Hannan. Bei «The Wolf» spürt der Hörer fast schon den Schnee auf die gefrorene Erde rieseln. Und Vedders langgestreckte «Aaahs» und «Ooohs» segeln wie Friedenstauben in den Sonnenuntergang. Nur Rock-Biester schlichen keine ins Solo-Debüt des Grunge-Veteranen, die Gitarre schnurrt höchstens, statt dass sie faucht und brüllt.

Nüchtern betrachtet bietet «Into the Wild» (respektive die Musik dazu) kaum mehr Spektakel als ein tropfender Wasserhahn. Doch von Nüchternheit kann keine Rede sein, denn Vedders Bariton wirkt stärker als eine Familienpackung Valium. Ausserdem regen die Songs das Vorstellungsvermögen an – gezwungenermassen: Der Film zur Musik läuft bei uns erst Anfang 2008.

Marco Rüegg

Eddie Vedder, «Into the Wild» (RCA/SonyBMG)

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