Neuer ZSC-Sportchef: Edgar im Winterwunderland
Aktualisiert

Neuer ZSC-SportchefEdgar im Winterwunderland

Der neue Sportchef Edgar Salis hat am Montag seine Arbeit als Sportchef der ZSC Lions aufgenommen. Und bevor er den Bürostuhl wärmen konnte, ist er schon unterwegs mit der Mannschaft zum grossen Abenteuer Magnitogorsk.

von
Klaus Zaugg
Magnitogorsk

Was ist eigentlich Magnitogorsk? Eine der weltweit am stärksten umweltbelasteten Städte oder ein Flachland-Davos? Der frische Schnee ist wie eine Dekoration, die Kälte um die Minus zehn Grad tagsüber erträglich. Die Strassen sind breit und nicht stark befahren. Keine Staus. Die Infrastruktur der Arena ist gut. Die beiden Hotels in denen die Mannschaft, der Medientross und die Fans untergebracht sind auf gutem Standard. Für die von der vierstündigen Zeitverschiebung geplagten Gäste aus dem fernen Zürich wird das Frühstück nicht nur bis 9 Uhr sondern gleich bis 14 Uhr serviert.

Es gibt nichts zu reklamieren

Es ist, wer nur für eine Kurzvisite hier ist, eher Winterwunderland. Und hätte es Berge und nicht nur den Ural am fernen Horizont, dann wäre es - vom Hotel in die Arena und zurück - für den unkundigen Besucher eher wie am Spengler Cup.

Für einen ist es eine ganz spezielle Reise: Für Edgar Salis, den neuen Sportchef der ZSC Lions. Am Montag hat er offiziell seine Arbeit aufgenommen. Und nun begleitet er seine Mannschaft schon zum Final-Hinspiel der Champions Hockey League. «Jetzt kann es nur noch bergab gehen», scherzt der 38-jährige Bündner mit der Erfahrung aus 654 NLA-Partien für Chur, Bern, den ZSC und Ambri.

Er sieht eigentlich immer noch aus wie damals, als er im ZSC-Meisterteam von 2000 und 2001 ein Kultverteidiger war. Ruhig, bedächtig, hellwach und intelligent. Er könnte die Arbeit des Sportchefs revolutionieren. Denn als Sozialpädagoge hat er einen anderen beruflichen Hintergrund als alle seine Amtskollegen in der Liga, gegen die er noch gespielt hat oder mit denen er in einem Team war wie Roland Habisreutinger (Kloten), Peter Jaks (Ambri), Jörg Eberle (Lugano), René Müller (Davos) oder Sven Leuenberger (SC Bern).

Coach für schwierige Lebenssituationen

Als Sozialpädagoge hilft Salis Teenagern in Zürich aus schwierigen Lebenssituationen - misshandelt, von der Schule geflogen - auf der Suche nach Lösungen. Sie kommen zu Edgar ins Durchgangsheim, dort werden Lösungen gesucht. Seine Popularität gerade in Zürich hilft ihm, Türen bei kleineren und mittleren Unternehmen zu öffnen, Arbeitstellen zu vermitteln, Pflegefamilien zu finden. «Ich bin dabei fast wie ein Coach für schwierige Lebenssituationen», sagt Salis. Seine Ausbildung zum Sozialpädagogen schliesst er parallel zur Arbeit bei den ZSC Lions ab. Bald steht die Diplomarbeit an. «Vielleicht finde ich ein Thema, dass sich mit der Arbeit bei den ZSC Lions verknüpfen lässt.»

Die eine Arbeit ergänzt die andere: Mit seiner Ausbildung ist Salis nicht einfach einer, der sich umschaut, welchen Spieler man holen könnte und dann die entsprechenden Verhandlungen führt. Er hat, wie kein anderer Sportchef, eine hohe Sensibilität für Konfliktsituationen und für Lösungsmöglichkeiten. Er kann dem Coach besser helfen, Krisen zu meistern und Lösungen zu finden. Und mit einem Sportchef wie Salis dürfte in der landesweit grösste Nachwuchsorganisation (bei den GCK Lions) kein Talent verloren gehen. Oft sind ja die talentiertesten Spieler nicht die einfachsten. Ja, sagt Salis, er verstehe sich durchaus in diesen Rollen. Spricht ruhig und bedächtig. Er ist einer, der Vertrauen einflösst.

Anders als sein Vorgänger

Interessant ist der Unterschied zu seinem Vorgänger Peter Iten, der jetzt auch mit dabei ist in Magnitogorsk, aber im Flugzeug nicht neben Salis sass. Iten entspricht im Wesen und Wirken exakt der Art, wie sich Menschen westlich vom Bareggtunnel eine liebenswerte «Zürischnorre» vorstellen. Er hat das Selbstvertrauen zu sagen, die ZSC Lions, Ausgabe 2009, sei auch seine Mannschaft.

Salis arbeitet juristisch (noch) nicht zu hundert Prozent bei den ZSC Lions, weil er ja noch daran ist, seine Ausbildung zum Sozialpädagogen abzuschliessen. Salis: «Aber ich arbeite, wenn ich arbeite, zu hundert Prozent. Ich kann ja nicht eine Vertragsverhandlung nur zu 60 Prozent machen oder mich nur zu 80 Prozent um die Spieler kümmern.»

Den Spielern den Puls fühlen

Für den neuen Sportchef ist die Reise an den Ural die erste Gelegenheit, den Puls der Spieler zu fühlen. Die Frage liegt auf der Hand: Hätte er, als ausgebildeter Sozialpädagoge, vielleicht den «Fall Forster» lösen können? Hätte er womöglich rechtzeitig erkannt, gespürt, dass da etwas läuft mit Davos und diese Situation zu einem versöhnlichen Happy-End gecoacht? Salis lächelt: «Ein interessanter Fall wäre es tatsächlich.» Aber er kenne ja die ganzen Hintergründe nicht. Und masst sich kein Urteil in der Sache an.

Und zur Zeit ist bei den ZSC Lions weit und breit kein neuer «Fall Forster»" in Sicht. Die Mannschaft macht auf ihrer Reise hier nach Magnitogorsk den bestmöglichen Eindruck: Die Chemie könnte nicht besser sein.

Die ZSC Lions sind parat.

Metallurg - ZSC Lions im Live-Ticker

20 Minuten Online berichtet ab 17.30 Uhr live vom Final-Hinspiel zwischen den ZSC Lions und Metallurg Magnitogorsk.

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