Verschneites Europa: Edinburgh ruft Soldaten zum Schneeräumen
Aktualisiert

Verschneites EuropaEdinburgh ruft Soldaten zum Schneeräumen

Heftige Schneefälle haben vor allem in Deutschland den Land- und Luftverkehr in ein neuerliches Chaos gestürzt. Auch Schottland sah sich mit ungewöhnlich viel Schnee konfrontiert.

Die zivilen Dienste sind in Edinburgh am Anschlag (im Bild). Die Stadt hat die Armee um Hilfe gegen die Schneemassen gebeten.

Die zivilen Dienste sind in Edinburgh am Anschlag (im Bild). Die Stadt hat die Armee um Hilfe gegen die Schneemassen gebeten.

Der erneute Wintereinbruch in Deutschland hatte am Donnerstag Verspätungen bei der Bahn, Riesenstaus auf den Autobahnen, viele Unfälle und hunderte ausgefallene Flüge zur Folge.

Vor allem in einem Streifen vom Saarland über Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordbayern, Thüringen und Sachsen löste das Winterwetter am Donnerstag massive Probleme auf Strassen, Schienen und im Flugverkehr aus.

Salzknappheit könnte zu Chaos führen.

Starker Schneefall und Eisregen führte in rund 30 Orten im Bundesland Thüringen zu Stromausfall. Tausende Menschen mussten frieren.

Unter der Schneelast waren Bäume umgestürzt und hatten Leitungen zerrissen. Die Arbeiter kämen kaum an die Reparaturstellen heran, weil manche mitten im Wald lägen, erklärte ein Behördensprecher in Thüringen.

Wegen zu grosser Gefahr für die Monteure hätten die Arbeiten in der Nacht eingestellt werden müssen. Bei der Suche nach Schäden wurden sie von Helikoptern unterstützt.

Tausende Flugreisende gestrandet

Die heftigen Schneefälle in weiten Teilen Europas setzten dem Luftverkehr massiv zu. Allein am Frankfurter Flughafen wurde am Donnerstag rund jeder vierte Flug gestrichen, wie die Betreibergesellschaft Fraport mitteilte. Damit fallen etwa 340 von rund 1400 geplanten Starts und Landungen aus.

In der Nacht war Deutschlands grösster Airport vier Stunden lang geschlossen worden. Mehr als 2000 Passagiere verbrachten die Nacht in den Terminals.

Fast 1000 strandeten nach Umleitungen auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen, etwa 700 in München. Da nicht für alle Hotelzimmer organisiert werden konnten, mussten Feldbetten her. Auch die Berliner Flughäfen waren betroffen.

Clariant produziert nonstop

Das frostige Winterwetter der vergangenen Wochen brachte die Versorgung der Flughäfen mit Enteisungsmitteln ins Stocken. Bei Clariant im hessischen Sulzbach, einem der wenigen Hersteller der Spezialchemikalien, läuft die Produktion mittlerweile rund um die Uhr.

«Es gibt derzeit Engpässe», sagte Ulrich Nies, Sprecher des Schweizer Spezialchemieunternehmens. Das Problem bestehe nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, hiess es von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Bei der Bahn sorgte der Schnee ebenfalls für Probleme. Besonders betroffen war erneut die Strecke Nürnberg-Leipzig, die komplett gesperrt wurde, weil in Thüringen mehrere Bäume auf die Oberleitung zu stürzen drohten. Ausserdem kam es in ganz Deutschland zu teils grossen Verspätungen. Ein Ende des winterlichen Wetters ist nicht in Sicht.

Armee räumt Schnee

Auch Schottlands Hauptstadt Edinburgh versank im Schnee: Nach den schwersten Schneefällen seit fast 50 Jahren wurde die Armee zu Hilfe gerufen. Die Soldaten sollten unter anderem die Strassen rund um Arztpraxen, Spitäler und Pflegeheime von Schnee und Eis befreien. Mit Geländewagen brachten sie Ärzte zu Notfällen.

Zudem sollen die Soldaten Menschen helfen, die ihre Häuser nicht mehr alleine verlassen können. In Teilen der Stadt lagen bis zu 70 Zentimeter Schnee.

Schottland ist seit fast zwei Wochen fest im Griff von Schnee und Eis. Einige abgelegene Dörfer sind von der Aussenwelt abgeschnitten. Feuerwehren und die Küstenwache waren ebenfalls im Einsatz und brachten unter anderem Medikamente in abgelegene Dörfer. Am Mittwoch waren Tiefsttemperaturen von minus 18 Grad gemessen worden. (sda)

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