Aktualisiert 17.08.2016 10:40

Beton-Haus in ZürichEdle Stil-Ikone der Sixties sucht neuen Besitzer

Viel Beton und Fenster auf sieben Halbetagen, mit Räumen, die ineinanderfliessen: Das Wohnhaus Demarmels ist in Zürich einzigartig – und erst noch zu haben.

von
rom
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Das Wohnhaus Demarmels liegt versteckt zwischen zwei Häuserreihen am steilen Hönggerberg, ganz in der Nähe des Stadtspitals Waid. Es wurde vom Architekten Hans Demarmels für seine Familie entworfen und von 1963 bis 1965 erstellt.

Das Wohnhaus Demarmels liegt versteckt zwischen zwei Häuserreihen am steilen Hönggerberg, ganz in der Nähe des Stadtspitals Waid. Es wurde vom Architekten Hans Demarmels für seine Familie entworfen und von 1963 bis 1965 erstellt.

© Nobilis Estate AG, Zug
Die Aussicht über die Stadt ist nicht von schlechten Eltern.

Die Aussicht über die Stadt ist nicht von schlechten Eltern.

© Nobilis Estate AG, Zug
Am Boden liegt roter Tonklinker. Die Räume verteilen sich auf sieben Halbetagen...

Am Boden liegt roter Tonklinker. Die Räume verteilen sich auf sieben Halbetagen...

© Nobilis Estate AG, Zug

Selten ist man der architektonischen Nachkriegsmoderne in Zürich so nahe wie am Hönggerberg, unweit des Waid-Spitals. Versteckt zwischen zwei Häuserreihen stehen drei kubische Häuser am Steilhang. Ihr Aussehen ist geprägt von Sichtbeton, Waschbeton, Pergolen sowie Fassadenvor- und -rücksprüngen. Entworfen und gebaut hat sie der Zürcher Architekt Hans Dermamels von 1963 bis 1965.

Im mittleren Haus wohnte er einst selber mit seiner Familie. Heute gehört es einem Paar. Weil dieses die Stadt wechselt, sucht Makler David Hauptmann, CEO von Nobilis Estate AG, neue Eigentümer: «Das Haus ist architektonisch einzigartig und es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt.» Entsprechend habe er bereits über 20 Besichtigungen durchgeführt. «Die meisten Interessenten sind begeistert, nur wenigen war die Architektur zu dominant.»

Gänsehaut wegen der Aussicht

Tatsächlich gibt die Architektur auch im Innern den Ton an. Die sieben Halbetagen sind eine Abfolge von ineinanderfliessenden Räumen mit roten Tonklinkerböden. Verbunden ist alles durch eine skulpturale Treppe mit integriertem Cheminée und Sitzbänken, alles in Beton. Hinzu kommen zig Fenster – mal bloss Schlitze, dann wieder grosse Glasflächen. Kurz: Auf Schritt und Tritt eröffnen sich interessante Ein- und Ausblicke.

Überhaupt begeistert die Aussicht – nicht nur von der Dachterrasse aus blickt man über die ganze Innenstadt Richtung Glarner Alpen, Seesicht inklusive. Hauptmann: «Als ich das erste Mal hier stand, habe ich Gänsehaut bekommen.» Diese erhält manch einer womöglich auch wegen des Verkaufspreises. Eine Zahl will der Makler nur gegenüber ernsthaften Kaufinteressenten nennen – 20 Minuten verrät er so viel: «Es sind unter fünf Millionen Franken.»

Wer den Zuschlag erhält, braucht zumindest in nächster Zeit kein Geld in Renovationen zu stecken: Das Haus wurde respektvoll saniert mit Blick auf die ursprüngliche Architektur. Wobei der Respekt mittlerweile ein Muss ist, denn das ganze Ensemble ist im Inventar schützenswerter Bauten der Stadt Zürich eingetragen, «als beispielhafter Zeuge der Nachkriegsmoderne».

Le Corbusier als Vorbild

An den Häusern ist laut Architekturkritiker Caspar Schärer gut ablesbar, wer Demarmels Vorbild war: Le Corbusier, zumindest dessen Spätwerk. Demarmels habe die Sache aber noch weiterentwickelt und vor allem auch spannende Innenräume geschaffen: «Diese verschiedenen Nischen und Öffnungen entsprachen dem damaligen Zeitgeist», sagt Schärer.

Der sichtbare Beton wiederum war gemäss Schärer ein Statement: Das Material sollte nicht überkleistert werden, sondern in seiner rauen Nacktheit für sich sprechen. Gleichzeitig bildete man auf seiner Oberfläche die Struktur der Schalungshölzer ab. Darauf hätten die Architekten viel Wert gelegt. «Die waren damals echte Schalungskünstler.» Ein hartes Material also mit einer «weichen» Oberfläche plus eine abwechslungsreiche Raumfolge. Schärer: «Ja, die Sixties waren eben auch in der Architektur eine grossartige Zeit.»

Bauten im Libanon und Irak

Die drei Häuser am Hönggerberg sind das bekannteste Werk des Zürcher Architekten Hans Demarmels (1931 bis 2010). Der Sohn eines Bauunternehmers hatte laut der Zeitschrift Hochparterre Ausbildungen als Bauzeichner, Maurer und Schreiner ganz oder teilweise absolviert. Er war Zeit seines Lebens viel gereist, baute auch Häuser im Libanon und Irak. In der Schweiz entwarf er unter anderem eine Villa für die Industriellenfamilie Saurer.

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