Aktualisiert 09.07.2006 15:46

Ehe als Teil eines «Liebesplans Gottes»

Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag in einer Messe vor Hunderttausenden Gläubigen die Ehe von Mann und Frau als Teil eines «Liebesplans Gottes» bezeichnet.

Die Messe in Valencia zum Abschluss des neuntägigen katholischen Weltfamilientreffens war der Höhepunkt eines Kurzbesuchs des Papstes in Spanien. Die Familie gründe auf der «unlösbaren Ehe zwischen einem Mann und einer Frau», betonte der Papst. «Am Ursprung jedes menschlichen Wesens ist nichts Zufälliges, sondern ein Liebesplan Gottes».

Seine Worte dürften nicht nur an die Besucher des Weltfamilientreffens, sondern auch an die spanische Regierung gerichtet gewesen sein. Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Madrid gelten als angespannt, nachdem die Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero gegen die deutliche Kritik der katholischen Kirche gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen und Scheidungen und Abtreibungen erleichtert hatte.

Zu Beginn seines 26-stündigen Aufenthalts in Spanien traf Benedikt am Samstagabend auch zu einem privaten Gespräch mit Zapatero zusammen. Das Treffen in der Residenz des Erzbischofs von Valencia sei herzlich gewesen, zitierte die Nachrichtenagentur EFE spanische Regierungsvertreter. Es sei um Themen wie Frieden, Familie, Einwanderung, die Zukunft Europas und die Lage in Afrika gegangen. Der Papst habe in dem 15-minütigen Gespräch keine Kritik an der Regierung in Madrid geübt, hiess es.

Der Vatikan zeigte sich aber befremdet darüber, dass Zapatero an der Messe am Sonntag nicht teilnehmen wollte. Zwar lade der Vatikan Politiker nicht zu Messen ein, sagte Papst-Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Er verwies aber darauf, dass selbst stramme Linke wie etwa der kubanische Staatschef Fidel Castro oder der frühere nicaraguanische Präsident Daniel Ortega an Papstmessen in ihrem Land teilgenommen hätten.

Die Angaben zur Zahl der Teilnehmer gingen weit auseinander. Während die Organisatoren von 1,5 Millionen Besuchern bei der Messe und weiteren 700.000 vor Leinwänden an mehreren Orten in der Stadt berichteten, sprach die Polizei von einer Million Teilnehmern. Augenzeugen und spanische Medien schätzten ihre Zahl auf weniger als die Hälfte. Das Weltfamilientreffen war noch von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. nach Valencia vergeben worden, bevor der Sozialist Zapatero an die Regierung kam. Das nächste Weltfamilientreffen findet 2009 in Mexiko statt, wie der Vatikan mitteilte.

Benedikt verteidigte schon zum Auftakt seines Besuchs in Valencia die traditionellen Familienwerte. Die Familie sei eine einzigartige Institution im Plan Gottes, und die Kirche müsse ihre fundamentale Bedeutung verkünden und fördern, sagte Benedikt unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem Flughafen. Er wurde dort von König Juan Carlos, Königin Sofia und Ministerpräsident Zapatero begrüsst. Das Königspaar und zwei Minister der Regierung verabschiedeten Benedikt auch am Sonntag bei seinem Abflug nach Rom.

Auf der Fahrt mit dem Papa-Mobil in die Innenstadt von Valencia hielt der Papst kurz an der U-Bahn-Station Jesus, um dort für die 42 Opfer des U-Bahn-Unglücks vom vergangenen Montag zu beten. Er legte ferner einen Kranz aus weissen Rosen nieder. Den Weg des Papstes ins Stadtzentrum säumten zehntausende Menschen. (dapd)

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