Aktualisiert 14.06.2011 18:59

Mordprozess gegen MonteurEhefrau abgeschlachtet

Weil er seine Frau mit 30 Messerstichen entstellt und zu Tode gewürgt hat, soll ein Heizungsmonteur aus Zürich-Wiedikon für 15 Jahre ins Gefängnis. Die Verteidigung sprach dagegen von einem Notwehrexzess.

von
Attila Szenogrady

Der ansonsten eher zurückhaltende Zürcher Staatsanwalt Markus Imholz nahm am Dienstag vor Gericht kein Blatt vor den Mund: Er sprach von einer kaum zu überbietenden Grausamkeit des gefühlskalten Heizungsmonteurs. Er habe seine wehrlos am Boden liegende Ehefrau aus Wut und Hass regelrecht abgeschlachtet, sagte Imholz und verlangte wegen Mordes eine hohe Freiheitsstrafe von 15 Jahren.

Das blutige Ehedrama spielte sich am 29. November 2008 in einer Wohnung an der Bertastrasse im Kreis 3 ab.

Blutiges Ende einer zerrütteten Ehe

Der heute 36-jährige Angeklagte gab seine 30 Messerstiche und das brutale Erwürgen seiner Frau vor den Schranken zu, machte aber Notwehr geltend. So habe seine Partnerin verwirrt ausgesehen und habe in der Küche ein Messer behändigt, sagte er aus. Darauf habe er sich in Todesangst zur Wehr gesetzt, sie auf den Boden gezogen und ihr das Messer entwunden. Dann habe er zugestochen. Immer wieder und immer wieder.

Der Beschuldigte beschrieb seine aus Santo Domingo stammende Frau als herzlich und sympathisch. Allerdings sei sie auch dominant, rechthaberisch und impulsiv gewesen, erinnerte er sich zurück. Fest steht, dass der in Kolumbien aufgewachsene Schweizer und das 1969 geborene Opfer im Jahre 2002 heirateten und danach in Zürich eine schon bald zerrüttete Ehe führten. Ein zentraler Streitpunkt waren dabei die drei eigenen Kinder der Geschädigten. Der Heizungsmonteur wollte von diesen nichts wissen und weigerte sich, diese nach Zürich zu holen. Andererseits beklagte sich die lebensfrohe Mutter über die passive Lebensweise ihres Gatten, der nach der Arbeit lieber vor dem Fernseher kiffte, als etwas zu unternehmen.

Viele Widersprüche

Die Befragung durch den Gerichtsvorsitzenden Roland Heimann brachte viele Widersprüche auf den Tisch. So blieb unter anderem unklar, wer der Eheleute die Beziehung beenden wollte. Der Angeklagte behauptete, dass er habe Schluss machen wollen. Dagegen sprachen jedoch mehrere Zeugenaussagen von Beteiligten. Demnach sei es die Frau gewesen, welche die Trennung verlangt und bereits einen baldigen Umzug zu ihrer Schwester geplant habe.

Verteidigung spricht von Notwehrexzess

Die Verteidigung wies den Mordvorwurf klar zurück und zeigte sich von der Unschuld ihres Klienten wegen einer Notwehrlage überzeugt. So habe die Frau zuerst zum Messer gegriffen. Worauf sich der Beschuldigte nur zur Wehr gesetzt habe. Im schlimmsten Fall liege ein Totschlag vor, da der Mann im Rahmen einer heftigen Gemütsbewegung gehandelt habe, plädierte der Verteidiger.

Das Gericht zog sich nach den Parteivorträgen zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird das Urteil voraussichtlich am Mittwoch um 16 Uhr eröffnen.

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