Katzensee: Ehefrau in Moor versenkt – 15 Jahre Haft

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KatzenseeEhefrau in Moor versenkt – 15 Jahre Haft

Das Zürcher Obergericht ist überzeugt, dass ein Mann seine Frau getötet und in einem Moor beim Katzensee versenkt hat. Die Beweismittel sprachen eindeutig gegen ihn.

von
Attila Szenogrady
Beim Zürcher Katzensee hatte sich die grausige Tat ereignet.

Beim Zürcher Katzensee hatte sich die grausige Tat ereignet.

Der Gerichtsvorsitzende Rolf Naef sprach von einem klassischen Indizienprozess, der den heute 55-jährigen Beschuldigten überführt habe. Der nicht geständige bosnisch-schweizerische Doppelbürger aus Zürich-Nord wurde wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Damit haben die Oberrichter am Montag ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich umfassend bestätigt.

Das Obergericht vertrat die Auffassung, dass der Zürcher Taxichauffeur und Hausbesitzer im April 2010 seine Ehefrau nach einem heftigen Streit umgebracht und in einem Moorloch beim nahe gelegenen Katzensee versenkt hatte. Dabei hatte er die Leiche mit Steinplatten aus seinem Garten, einem Autoersatzteil sowie einem Baumstumpf beschwert.

Zu seinem Pech tauchte die getötete Frau am 1. Mai 2010 wieder auf und wurde von einem Spaziergänger entdeckt.

Zu viele belastende Indizien

Der Ehemann hatte zwar schnell eine Vermisstenanzeige bei der Polizei erstattet, geriet aber bald ebenfalls ins Visier der Untersuchungsbehörden. Vor allem als diese herausfanden, dass der ehemalige VBZ-Chauffeur nach dem Verschwinden seiner Frau niemals versuchte hatte, sie telefonisch auf ihrem Handy zu kontaktieren. Zudem kam heraus, dass sich das Paar massiv zerstritten hatte und eine Scheidung vor der Türe stand.

Der Mann wurde im Dezember 2010 verhaftet und sitzt seither im Gefängnis. Die Polizei hatte unterdessen festgestellt, dass die Steinplatten, mit denen die Leiche versenkt wurde, vom Haus des Beschuldigten stammten. Entscheidend war dabei eine Ausgabe des «Tagblatts» der Stadt Zürich vom 2. Februar 1939. So waren sämtliche Platten – auch jene in seinem Garten – bei ihrer Herstellung mit jener Zeitung unterlegt worden. Laut Gerichtspräsident Naef stellen sie eine direkte Verbindung vom Angeschuldigten zum Leichenfundort her.

Hypothesen der Verteidigung «abwegig»

Die Verteidigung hatte auch vor Obergericht vergebens einen Freispruch gefordert und auf eine mögliche Dritttäterschaft hingewiesen. Erneut ohne Erfolg. So stuften die Oberrichter diese Version als abwegige Hypothesen ein. So hätte sich eine Täterschaft nach der Tötung der Frau ausgerechnet zum Haus des Beschuldigten begeben und dort die fraglichen Gegenstände als Ballast entwendet, was nahezu absurd sei.

Die Oberrichter fanden es auch verräterisch, dass der Beschuldigte nur wenige Tage nach dem Verschwinden seiner Frau versucht hatte, die Zahlungen für ihre Krankenkassenprämien zu sistieren.

15 Jahre bestätigt

Zum Schluss sahen die Oberrichter keinen Grund, vom erstinstanzlichen Urteil des Bezirksgerichts Zürich abzuweichen. Sie bestätigten auch die hohe Freiheitsstrafe von 15 Jahren, in erster Linie wegen der hohen kriminellen Energie des Beschuldigten, die sich in einer aufwendigen Beseitigung des Leichnams seiner Frau in einem Moor-Tümpel offenbart habe. Der Beschuldigte hat bereits knapp dreieinhalb Jahre der Strafe abgesessen.

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