Ehefrau soll Auftrags-Killer gesucht haben
Aktualisiert

Ehefrau soll Auftrags-Killer gesucht haben

Am zweiten Tag des Mordprozesses gegen die Ehefrau eines Bauunternehmers aus Neerach ZH hat der Staatsanwalt für Aufregung gesorgt.

Er kündigte Zeugenaussagen an, nach denen die Angeklagte nach einem Killer für ihren Ehemann gesucht haben soll.

Die heute 36 Jahre alt Angeklagte soll am 18. November 2002 zusammen mit ihrem italienischen Geliebten ihren Ehemann (51) im Wald bei Blumberg D, in der Region Waldshut, umgebracht haben. Die Staatsanwaltschaft nennt Habgier als Motiv: Sie habe gefürchtet, nach einer Scheidung ihren aufwändigen Lebensstil nicht mehr finanzieren zu können.

Sie streitet das ab und hat zu Prozessbeginn am Mittwoch ihren in Kalabrien (I) verhafteten Geliebten als Alleinschuldigen bezeichnet. Dieser wiederum hat bisher immer seine Freundin beschuldigt.

Annäherung zwischen den Ehepartnern?

Am Donnerstag sagte einer der Brüder der Angeklagten aus. Er bezeichnete seine Schwester als unschuldig. Es hätte für sie gar keinen Grund gegeben, ihren getrennt von ihr und den beiden Kindern lebenden Mann umzubringen. Schliesslich habe sie von dem Tiefbauunternehmer monatlich 30 000 bis 40 000 Franken bekommen.

Ausserdem habe es im Sommer 2002 wieder eine langsame Annäherung der beiden Ehepartner gegeben. Hingegen habe sich zur gleichen Zeit die Beziehung zwischen der Angeklagten und ihrem italienischen Freund verschlechtert.

Vor dessen Drohungen nach dem Mord habe sich die ganze Familie derart gefürchtet, dass niemand zur Polizei gegangen sei. Die Angeklagte hatte ihren Ehemann vermisst gemeldet. Die Leiche wurde elf Tage nach dem Mord gefunden.

Staatsanwalt: 50 000 Franken für einen Killer?

Vorhaltungen des Staatsanwalts bestritt der Bruder heftig. Der Staatsanwalt verwies auf die Aussage eines Zeugen, wonach der Bruder zwischen April und Juni 2002 erzählt habe, er solle für seine Schwester jemanden suchen, der bereit wäre für 50 000 Franken deren Ehemann umzubringen.

Vom Widerspruch des Bruders zeigte sich der Staatsanwalt unbeeidruckt: Es gebe noch einen weiteren Zeugen, der die gleiche Aussage gemacht habe. Beide Zeugen werden zu einem späteren Zeitpunkt vernommen.

Aussage verweigert, nicht erschienen

Eigentlich hätten am Donnerstag auch die Mutter und der ältere Sohn der Angeklagten aussagen sollen. Sie machten aber vom Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Ein weiterer Bruder war trotz Vorladung nicht erschienen.

Der nicht erschienene Bruder war der Geschäftführer (und frühere Eigentümer) der Galvanisierfirma, die der Ermordete in Villingen- Schwenningen (Schwarzwald) besass. Er hatte nach der Ermordung seines Schwagers kurzfristig selbst unter Verdacht gestanden.

Der Prozess beim Konstanzer Landgericht ist auf 15 bis 20 Verhandlungstage angesetzt. Es sind gegen 60 Zeugen geladen. Möglicherweise wird es März, bis ein Urteil fällt.

(sda)

Deine Meinung