Gemeinderat wider Willen: Ehepaar managt Schweizer Gemeinde

Aktualisiert

Gemeinderat wider WillenEhepaar managt Schweizer Gemeinde

Er stand gar nie zur als Kandidat zur Verfügung. Trotzdem ist René Hardmeier in den Gemeinderat im Baselbieter Duggingen gewählt worden - obwohl seine Frau bald die letzte Gemeinderätin ist, die noch in der Behörde verbleibt.

von
Aurel Stevens

Im ersten Wahlgang war René Hardmeier der Wahl zum Gemeinderat noch knapp entgangen. Der Gemeinde war beim Auszählen der Wahlzettel ein Lapsus unterlaufen und die Wahlergebnisse wurden annuliert. Sehr zur Freude von Hardmeier, der glaubte, dem Amt entronnen zu sein.

Mit 20 Stimmen gewählt

Im zweiten Wahlgang vom letzten Sonntag ist es dann trotzdem passiert: Hardmeier wurde im zweiten Wahlgang in die Behörde gewählt. Obwohl er das gar nie wollte. Der Baselbieter hatte nach dem knappen Ergebnis in der ersten Runde öffentlich kundgetan, dass er nicht als Kandidat zur Verfügung stehe.

Bei 919 Stimmberechtigten und einer Stimmbeteiligung von 5,1 Prozent (1. Wahlgang) dürften etwa 50 Wahlzettel abgegeben worden. 20 von ihnen schrieben Hardmeiers Namen auf die Wahlzettel - die mangels Wahlvorschlägen ohne Kandidatenvorschläge verschickt worden waren - und machten Hardmeier so zum Gemeinderat.

Gemeinde in der Hand eines Ehepaars

Der Baselbieter hat heute die Annahme der Wahl erklärt. Doch nur widerstrebend - denn der eigentlich fünfköpfige Gemeinderat wird im Sommer bis auf eine Frau verwaist sein. Hardmeiers Frau: Gitta Keller Hardmeier ist die einzige der bisherigen Gemeinderäte, die nicht demissioniert hat.

Ein Umstand, der dem Baselbieter im Gegensatz zu den Wahlberechtigten zu schaffen macht: «In allgemeiner Kenntnis dessen, dass meine Ehefrau bereits Mitglied des Gemeinderates ist, bin ich vergangenes Wochenende in diese Behörde gewählt worden», beklagt Hardmeier in einem offenen Brief an die Dugginger.

Aufruf an die Bevölkerung

Trotzdem will er jetzt anpacken. «Meine Ehefrau und ich stehen für eine transparente, kollegiale und nicht von persönlichen Interessen geleitete Mitarbeit im Gemeinderat ein», verspricht er. Gleichzeitig warnt er aber auch: «Sollte es nicht gelingen, den Gemeinderat bis spätestens im Herbst 2009 zu komplettieren, würde ich persönlich das Projekt "Neuanfang" als gescheitert betrachten» - und wohl wieder den Hut nehmen.

So wie Duggingen geht es aus der Nachbargemeinde Nenzlingen - sowie Hunderten weiteren Gemeinden. Laut Fachleuten haben inzwischen zwei Drittel der Schweizer Gemeinden Mühe, Kandidaten für politische Ämter zu finden (siehe Artikel im Kontext).

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