Aktualisiert 15.12.2010 17:34

Prozess geplatztEhestreit artet in Massaker aus

Ein Heizungsmonteur aus Zürich hat seine Ehefrau mit 30 Messerstichen verletzt und brutal erwürgt. Da er von Notwehr sprach, ist der erste Anlauf zu einem Mordprozess gescheitert.

von
Attila Szenogrady

Das blutige Ehedrama vom 29. November 2008 war grundsätzlich nicht bestritten. Damals kam es in einer Wohnung an der Bertastrasse in Zürich Wiedikon zwischen einem langjährigen Ehepaar zu einem heftigen Streit. Unbestritten war, dass die aus Santo Domingo stammende Schweizerin plötzlich zu einem Fleischmesser griff. Worauf der heute 36-jährige Heizungsmonteur seine um fünf Jahre ältere Frau zu Boden stiess.

Ehefrau zu Tode gewürgt

Dann nahm der Angeklagte das Messer an sich und ging zum Angriff über. Laut Staatsanwaltschaft stach er mit einer Hand zehn Minuten lang über 30 Mal auf Bauch, Brust, Hals und Gesicht seiner Partnerin ein. Gleichzeitig würgte er sie mit der anderen Hand mit aller Kraft am Kehlkopf. Bis sie erstickte. Wenige Stunden später informierte der Täter die Polizei und liess sich festnehmen.

Laut Anklage ein Mord

Am Mittwoch musste sich der Schweizer Staatsangehörige wegen Mordes vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Der zuständige Staatsanwalt Markus Imholz lastete dem Angeklagten ein besonders skrupelloses Vorgehen an. So habe dieser mit extremer Gefühlskälte und Brutalität seine Frau gleichsam massakriert. Imholz verlangte eine Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren und gestand dem Ehemann für die Tatzeit eine Verminderung der Schuldfähigkeit zu.

Laut Verteidigung ein Notwehrexzess

Völlig anders sah es die Verteidigung, die von einem Notwehrexzess seines Mandanten und einem Totschlag ausging. So habe die dominante Frau zuerst zum Messer gegriffen, plädierte der Rechtsanwalt und sah eine Freiheitsstrafe von lediglich fünf Jahren als angemessen an. Auch der Angeklagte gab zu Protokoll, dass er sich von seiner Frau bedroht gefühlt habe.

Er machte eine Notwehrlage geltend, womit er früheren Geständnissen widersprach. Was dazu führte, dass die Oberrichter den Prozess unterbrechen mussten. So entsprachen die neuen Darstellungen des Angeschuldigten nicht mehr dem eingeklagten Sachverhalt.

Nun das Bezirksgericht statt den Geschworenen

Früher hätte das Obergericht den nicht mehr geständigen Angeklagten dem Geschworenengericht überwiesen. Da dieses ab Januar 2011 nicht mehr existiert, wird sich das Bezirksgericht Zürich mit dem Mordprozess zu befassen haben. Voraussichtlich im kommenden Frühling.

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