Ehret die Anfänger
Aktualisiert

Ehret die Anfänger

Die Ausstellung «Geniale Dilettanten» in Kriens gewährt Einblicke in die frühe Punkszene der Innerschweiz.

Aufnahmen von Punks in London gehörten in den späten Siebzigern in jede ordentliche Ferienföteli-Sammlung. In Luzern hingegen galt die Mischung aus zerrissenen Jeans, mit Parolen verschmierten Lederjacken und nachmittäglichem Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen als empörend; als Vorbote des Untergangs der Wohlanständigkeit — und Wohlanständigkeit ist in Luzern als Touristenkulisse ein Millionengeschäft. Neben Zürich gehörte Luzern jedoch zur helvetischen Speerspitze der Punk-Bewegung. Zürich brachte die bekannteren Bands hervor (Nasal Boys, Kleenex/Liliput, Mother's Ruin), doch die Luzerner Crazy veröffentlichten als erste Schweizer Band eine Platte komplett in Eigenregie. Mehr Punk geht nicht. Ausserdem weist die Ausstellung «Geniale Dilettanten» nach, dass die konservative Innerschweiz ein Experimentierfeld für die Zürcher Kreativen bot. Ausgerechnet im beschaulichen Wolfenschiessen ging während der Off-Saison im Hotel Eintracht der Punk ab. Unbelastet vom rigiden Kodex der Zürcher Szene experimentierten die Kreativen jeweils am Wochenende — in Konzerten, Lesungen und Performances. Mit dabei waren der Nukleus des Kabarett Götterspass, Fischli/Weiss und Stephan Eicher, der erste Versuche als Solokünstler unternahm. Eine kreative Umbruchstimmung, die sich nun noch einmal erleben lässt.

Sonntag, 14. Mai, bis Sonntag, 30. Juli, Museum im Bellpark, Kriens, www.kulturluzern.ch/bellpark; Eröffnungsabend mit Crazy-Reunion, Samstag, 13. Mai, ab 17 Uhr.

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