Aktualisiert 14.07.2009 09:08

HirnforschungEhrlich ist man einfach so

Münzenwerfen bringts an den Tag: Für grundehrliche Menschen ist Ehrlichkeit nichts, um das sie sich aktiv bemühen müssen. Ganz anders bei Schummlern, deren Hirn aktiv wird ob sie sich um Ehrlichkeit bemühen oder nicht.

Die Wissenschaftler liessen in ihrer Studie die 35 Freiwilligen an einem Test teilnehmen, bei denen sie den Ausgang eines Münzwurfs vorherzusagen hatten. Lagen die Probanden mit ihrer Vorhersage richtig, erhielten sie einen kleinen Geldpreis. Die Freiwilligen hatten jedoch auch die Möglichkeit, zu schummeln und vorzugeben, den Ausgang des Wurfs richtig vorhergesagt zu haben. Während der Experimente überwachten die Forscher die Hirnaktivität der Probanden mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI).

Ziel der Untersuchung war, die sogenannte «Will»-Hypothese zu überprüfen, nach der Ehrlichkeit die Fähigkeit ist, der Versuchung zum Schummeln zu widerstehen und die im Gegensatz zur «Grace»-Hypothese steht. Diese geht davon aus, dass bei vielen ehrlichen Menschen überhaupt keine Versuchung zum Schummeln besteht und sie folglich auch gar nicht dagegen ankämpfen müssen.

Die Ergebnisse der Tests waren eindeutig: Bei ehrlichen Menschen gilt die «Grace»-Hypothese, fanden die Forscher heraus. So zeigte sich bei den Probanden, die immer die Wahrheit sagten, keinerlei Hirnaktivität, die auf einen inneren Zwiespalt hinwies oder auf ein aktives Ankämpfen gegen die Versuchung, einen Betrug zu begehen, hindeutete.

Hirne der Schummler aktiv

Anders fielen die Beobachtungen bei den Probanden aus, die in den Tests auch einmal schummelten: Hier beobachten die Forscher eine Hirnaktivität, die auf genau einen solchen Widerstreit schliessen liess. Sowohl wenn die Probanden die Wahrheit sagten, als auch wenn sie betrogen. Diese Hirnregion gilt als oberstes Kontrollzentrum für die Steuerung von Handlungen.

Dass das Schummeln in der Regel mit einer solchen Hirnaktivität verbunden war, könnte für Wissenschaftler interessant sein, die sich mit Konzepten für Lügendetektoren befassen, erklären die Forscher.

Ulrich Dewald, wissenschaft.de

Ihre Ergebnisse stellen Joshua Greene und Joseph Paxton von der Harvard-Universität in Cambridge im Fachmagazin «PNAS» vor (doi: 10.1073/pnas.0900152106).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.