Geschlechterunterschied: Eifersucht ist eine Frage der Erziehung
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GeschlechterunterschiedEifersucht ist eine Frage der Erziehung

Untreue tut den Betrogenen immer weh. Allerdings reagieren Männer und Frauen unterschiedlich darauf. Homosexuelle spielen nochmals in einer anderen Liga.

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Frauen und Männer bewerten Untreue unterschiedlich: Frauen kränkt emotionales Fremdgehen mehr.

Frauen und Männer bewerten Untreue unterschiedlich: Frauen kränkt emotionales Fremdgehen mehr.

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Männer hingegen stört der sexuelle Akt an sich mehr.

Männer hingegen stört der sexuelle Akt an sich mehr.

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Die Forscher schätzen, dass das mit der Erziehung zusammenhängt. So werde Mädchen beigebracht, dass sie die emotionale Versorgerin sei. Verliebe sich der Partner aber in eine andere Frau, bedrohe das ihren Selbstwert.

Die Forscher schätzen, dass das mit der Erziehung zusammenhängt. So werde Mädchen beigebracht, dass sie die emotionale Versorgerin sei. Verliebe sich der Partner aber in eine andere Frau, bedrohe das ihren Selbstwert.

Keystone/Alessandro Della Valle

Ein Flirt, ein Kuss oder wenn der Partner gleich mit einem anderen ins Bett springt – all das kann als Untreue gewertet werden. Während Männer eher der körperliche Akt kränkt, trifft Frauen vor allem emotionale Untreue, so das Ergebnis verschiedener Studien. Eine neue Arbeit von Forschern der kalifornischen Chapman University bestätigt die Erkenntnisse und zeigt zudem: Das gilt nur für heterosexuelle Menschen.

Für die Studie befragte das Team um David A. Frederick knapp 64'000 Amerikaner zwischen 18 und 65 Jahren. Die Probanden sollten sich zwei Szenarien vorstellen und sagen, welches davon sie mehr kränken würde. Zur Auswahl standen: Ihr Partner hat Sex mit einer anderen Person, in die er nicht verliebt ist. Und: Der Partner verliebt sich in jemand anderen, ohne Sex mit ihm gehabt zu haben.

Erstmals wurde dabei nicht nur Unterschiede zwischen den Geschlechtern untersucht, sondern auch, ob die sexuelle Orientierung einen Einfluss auf die Reaktion hat.

Homosexuelle Liebe ist weiblicher

Wie auch in früheren Arbeiten bestätigte sich bei heterosexuellen Personen erneut der klassische Unterschied: Männer stört der sexuelle Akt an sich eher als das emotionale Fremdgehen, bei Frauen ist es umgekehrt.

Anders lautete das Ergebnis hingegen bei den bi- oder homosexuellen Probanden. Bei ihnen war der Unterschied nicht so deutlich ausgeprägt. Rund 70 Prozent der bisexuellen Männer und Frauen machte die emotionale Untreue mehr zu schaffen als der körperliche Akt, und zwar unabhängig davon, ob sie mit einem Mann oder einer Frau zusammen waren. Bei Schwulen und Lesben war es ähnlich.

Neuer Erklärungsansatz

Diese Erkenntnis sei neu und könnte die bisherigen Erklärungsansätze über den Haufen werfen, schreiben Frederick und Fales im Fachjournal «Archives of Sexual Behavior». Denn bisher hätten viele Forscher den Unterschied damit zu erklären versucht, dass Männer anders als Frauen stets das Problem hätten, nie genau zu wissen, ob ein Kind wirklich von ihnen sei. Frauen hingegen drohe der Verlust des Versorgers, wenn ihr Partner sich von ihnen abwende.

Die Ergebnisse der neuen Studie deuteten eher darauf hin, dass die unterschiedliche Reaktion auf Untreue eine Frage der Sozialisation sei, teilt die Hochschule mit. Männer würden sehr maskulin erzogen. Die körperliche Untreue einer Partnerin stelle ihre sexuelle Leistungsfähigkeit infrage und bedrohe damit ihre Männlichkeit. Deshalb setze ihnen körperliche Untreue stärker zu. Einer Frau hingegen werde beigebracht, dass sie die emotionale Versorgerin sei. Verliebe sich der Partner in eine andere Frau, könne das ihren Selbstwert daher mehr bedrohen, als wenn er «nur» in fremde Betten steigt.

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