Kloten: Eigenen Sohn gewürgt - Strafentscheid vertagt
Aktualisiert

KlotenEigenen Sohn gewürgt - Strafentscheid vertagt

Eine Mutter hat ihren eineinhalb-jährigen Sohn gewürgt. Laut Geschworenengericht eine versuchte vorsätzliche Tötung. Wegen eines mangelhaften psychiatrischen Gutachtens wird über die Strafe und eine allfällige Verwahrung der Täterin aber erst im kommenden Sommer entschieden.

von
Attila Szenogrady

Über den Schuldspruch gegen die 31-jährige Mutter waren sich die Geschworenen einig. Demnach hatte die Angeklagte während eines heftigen Streites mit ihrem Lebenspartner in Kloten plötzlich ihren eineinhalb-jährigen Sohn mit beiden Händen am Hals gepackt und gewürgt. Bis das Kind rot anlief und der Vater seine Freundin gerade noch wegstossen konnte.

Nach dem Vorfall vom 25. Oktober 2005 hatte die Mutter zunächst den Vater zu Unrecht beschuldigt, den glücklicherweise nur leicht verletzten Geschädigten attackiert zu haben.

Vor Geschworenengericht gab sie ihre Tat schliesslich zu. Auch ihre Tötungsabsicht. So habe sie ihr Kind lieber tot gesehen, als in der Obhut des Vaters, sagte sie. Allerdings bestritt sie, mit beiden Händen gewürgt zu haben. Zudem habe sie ihren Griff schon vor dem Eingreifen ihres Partners gelockert, behauptete sie.

Ein Tötungsversuch nahe zum Mord

Die Geschworenen folgten jedoch den konstanten und glaubhaften Belastungen des Vaters und sahen damit den eingeklagten Sachverhalt als erstellt an. Die Darstellungen der Angeklagten stuften die Juroren dagegen als widersprüchlich ein. Die einzige Konstante im Aussageverhalten der Mutter sei das Lügen gewesen, erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti. Das Gericht stufte den Angriff der Angeschuldigten als vollendeten vorsätzlichen Tötungsversuch ein. Der aufgrund des skrupellosen und egoistischen Vorgehens der Täterin näher zum Mord als zum Totschlag liege, führte Marti aus.

Die Angeklagte wurde zudem wegen falscher Anschuldigung und falschen Zeugnisses verurteilt.

Strafe oder Verwahrung noch offen

Im Gegensatz zur rechtlichen Würdigung sah sich das Geschworenengericht noch nicht in der Lage, auch über die Strafe zu entscheiden. Während die Staatsanwältin Bettina Groth neben einer hohen Freiheitsstrafe von elf Jahren auch die Verwahrung der Mutter gefordert hatte, setzte sich die Verteidigung für eine vierjährige Bestrafung ein. Anstelle einer Verwahrung verlangte die Rechtsanwältin eine ambulante Psychotherapie während des Strafvollzugs. Präsident Marti erklärte dazu, dass zum heutigen Zeitpunkt weder die Schuldfähigkeit der psychisch angeschlagenen Mutter noch eine allfällige Therapierbarkeit restlos geklärt sei.

Zweigutachten soll Klarheit bringen

Dabei kritisierten die Geschworenen das erste Gutachten der Gerichtspsychiaterin. Sie stuften den Bericht als mangelhaft ein. So hatte die Ärztin die Angeklagte zwar als voll schuldfähig und als nicht therapierbare Person bezeichnet. Jedoch nicht auf in allen Teilen überzeugende Art und Weise, wie das Gericht befand. So habe sich die Gutachterin widersprochen, als sie laut den Geschworenen sinngemäss geltend machte, dass die Angeklagte mindestens ansatzweise erfolgsversprechend therapierbar sei. Es fehle nur die geeignete Institution dafür. Marti verwies dabei auf das Bundesgericht, wonach eine Verwahrung nur mit äusserster Zurückhaltung anzuwenden sei. Nur schon eine hinreichende Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Therapie genüge, um eine stationäre Massnahme vorzuziehen, erklärte er.

Die Geschworenen ordneten deshalb ein Zweitgutachten an. Danach erst soll über die Sanktion entschieden werden. Voraussichtlich im Juli 2009. So lange bleibt die seit dem Juni 2007 inhaftierte Mutter weiter im Gefängnis.

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