Abstimmung vom 25. November: Eigener Verlag schwärzt Martin Suter bei Twitter an
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Abstimmung vom 25. NovemberEigener Verlag schwärzt Martin Suter bei Twitter an

Nachdem er sich auf Twitter mit einem Gedicht gegen Sozialdetektive ausgesprochen hatte, wurde der Erfolgsautor Martin Suter gesperrt.

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jk
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Mit einem Gedicht auf seinem neu eröffneten Twitter-Account hat der Erfolgsautor Martin Suter Stellung bezogen zur Sozialdetektiv-Vorlage.

Mit einem Gedicht auf seinem neu eröffneten Twitter-Account hat der Erfolgsautor Martin Suter Stellung bezogen zur Sozialdetektiv-Vorlage.

Henning Kaiser
Kurze Zeit später wurde sein Account gesperrt und ist bis heute nicht mehr aktiv.

Kurze Zeit später wurde sein Account gesperrt und ist bis heute nicht mehr aktiv.

Screenshot Twitter
Auf Twitter regten sich zahlreiche User über die Sperrung auf, darunter der Kabarettist Viktor Giaccobo. (Hier im Bild mit Schauspielerin Sabina Schneebeli)

Auf Twitter regten sich zahlreiche User über die Sperrung auf, darunter der Kabarettist Viktor Giaccobo. (Hier im Bild mit Schauspielerin Sabina Schneebeli)

Keystone/Steffen Schmidt

«Im Vestibül liegt unberührt. Mein Volksabstimmungsbrief. Vom Balkon filmt schon ungerührt. Mein Sozialdetektiv.» So lautet ein Gedicht, das der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter am Sonntag auf Twitter veröffentlicht hatte. Suter bezieht damit Stellung gegen die Vorlage zu Sozialversicherungsdetektiven, über die in zweieinhalb Wochen abgestimmt wird. Kurz darauf wurde der Account des Schriftstellers auf der Social-Media-Plattform gesperrt und ist bis heute nicht mehr zugänglich. Twitter-User zeigen sich entsetzt über diesen Schritt – darunter der Komiker Viktor Giaccobo.

Der Schweizer Kabarettist Viktor Giaccobo gibt sich auf Twitter genervt über die Sperrung von Suters Account:

Auch der Deutsche Schauspieler Moritz Bleibtreu regt sich über die Sperrung von Martin Suter auf:

Kampagnen-Experte Daniel Graf fragt nach dem Grund für die Sperrung:

«Auch wenn die Vorlage meiner Meinung nach der richtige Weg ist, um eine gute gesetzliche Grundlage zu schaffen, ist die Sperrung vollkommen fragwürdig. Es gibt viel grenzwertigere Posts auf Twitter», sagt auch Tino Schneider, Präsident der Jungen CVP Schweiz (JCVP). Seiner Meinung seien von Seiten der Sozialdetektiv-Gegner bereits viel problematischere Aussagen gemacht worden als das Gedicht von Suter. «Die Behauptung, dass Sozialdetektive bei einem Ja zur Vorlage freie Sicht auf sämtliche Schlafzimmer haben werden, ist reine Angstmacherei», so Schneider.

Suter bis anhin nicht auf Social Media vertreten

Wie sich nun zeigt, ist das Ganze ein Missverständnis: Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt man beim Diogenes Verlag, der Suters Bücher verlegt, selber hinter der Sperrung des Accounts zu stecken: «Der Diogenes Verlag hat Twitter versehentlich gemeldet, dass es sich beim entsprechenden Profil nicht um den Autoren Martin Suter persönlich handle, da dieser bislang nicht auf Social Media vertreten war. Ein Irrtum.»

Offenbar habe Martin Suter den Verlag mit seinem Twitter-Account überraschen wollen, so eine Mitarbeiterin der Pressestelle. Dies sei Suter auch gelungen. «Wir sind selber erstaunt, wie schnell die Sperrung vollzogen wurde, ohne dass Twitter bei Martin Suter nachgefragt hat.»

«Twitter als Herausforderung»

«Ich habe kürzlich einen Twitter-Account eröffnet, um dort Kurzgedichte zu veröffentlichen. Auf Sozialdetektive bezieht sich nur eines der 16 bereits verfassten Gedichte», sagt Martin Suter. Die Beschränkung auf 280 Zeichen, die Twitter vorgibt, zusammen mit der Bedingung, dass sich die Zeilen reimen müssen, sei für ihn eine neue Herausforderung. «Schon in meiner Arbeit als Kolumnist hat mich die Reduktion auf eine bestimmte Anzahl Zeichen fasziniert.» Sobald sein Account wieder freigegeben werde, plane er, weitere Gedichte hochzuladen – auch weil er vor der Sperrung sehr viele Reaktionen erhalten habe.

Das Thema Sozialdetektive sei für ihn persönlich ein wichtiges Anliegen, so Suter. Die geplanten Überwachungen riefen bei ihm negative Erinnerungen an die Fichen-Affäre hervor: «Ich frage mich, was das für Leute sind, die einen solchen Beruf wählen und andere Leute bespitzeln.» Damals sei den Behörden die Detektive aus dem Ruder gelaufen und die Überwachungsprotokolle seien voller hämischer persönlicher Kommentare gewesen. Das wolle man nicht noch einmal erleben. «Ich bin keinesfalls dafür, die Versicherungen zu bescheissen, aber es gibt ja schon bewährte Wege, um Betrug zu verhindern», sagt Suter.

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