Nach Nein zum Bausparen: «Eigenheim-Besitzer sind nicht glücklicher»
Aktualisiert

Nach Nein zum Bausparen«Eigenheim-Besitzer sind nicht glücklicher»

Die Schweizer wollen vom Bausparen nichts wissen - obwohl der Wunsch nach einem Eigenheim eigentlich gross ist. Wohnungsmarkt-Spezialist Daniel Hornung kennt die Gründe.

von
Jessica Pfister
Es gibt keine Untersuchungen, dass Wohneigentümer zufriedener sind als Menschen, die zur Miete wohnen.

Es gibt keine Untersuchungen, dass Wohneigentümer zufriedener sind als Menschen, die zur Miete wohnen.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat das Schweizer Stimmvolk eine Initiative zum Bausparen abgelehnt. Ist das Interesse am Eigenheim in der Schweiz derart klein?

Daniel Hornung: Nein, viele Menschen hierzulande sehnen sich nach den eigenen vier Wänden. Die Produktion von Einfamilienhäusern läuft so gut wie selten zuvor. Die Nachfrage ist sehr gross.

Dennoch will offenbar niemand etwas vom steuerbegünstigten Sparen für Wohneigentum wissen. Wie erklären Sie sich das?

Das geringe Interesse am Bausparen liegt derzeit sicher auch daran, dass die Finanzierung eines Eigenheims momentan günstig ist. Man kommt günstig zu Hypotheken, die Zinsen sind tief. Ausserdem werden oft Gelder von Pensionskassen oder der dritten Säule vorbezogen. Es gibt also schon andere Möglichkeiten zur Finanzierung von Wohneigentum.

Erstaunlich ist, dass selbst der Kanton Basel-Landschaft, der das Bausparen seit 20 Jahren kennt und bei der ersten Initiative im März noch Ja gestimmt hat, sich nun gegen das Anliegen aussprach.

Womöglich hat man im Kanton Basel-Landschaft nach dem gesamtschweizerischen Nein vom März die zweite Initiative als zu hartnäckiges Beharren angesehen - wie wohl auch in der restlichen Schweiz. National spielte vermutlich auch das Argument eine Rolle, dass diese Art von Bausparen sozial nicht gerecht ist, weil vor allem höhere Einkommen davon profitieren würden, und das wegen der Steuerprogression erst noch überproportional.

Wie sähe denn eine gerechte Lösung aus?

Ein Beispiel ist Deutschland. Dort wird das Bausparen je nach Einkommen mit direkten Zuschüssen gefördert. Der Staat zahlt bis zu einer festgelegten Einkommenshöhe Bausparprämien aus. Mit einem solchen Modell wäre es gerade auch jungen Familien trotz kleinerem Einkommen früher möglich, Wohneigentum zu erwerben.

Trotz dem offensichtlichen Wunsch von Schweizern nach den eigenen vier Wänden - mit 40 Prozent ist der Anteil an Eigenheimen so tief wie nirgends in Europa. Weshalb?

Es gibt fünf wesentliche Gründe. Erstens ist die Schweiz relativ stark verstädtert. Der Boden in der Stadt und damit auch das Wohneigentum ist verhältnismässig teuer. Zweitens kommt hinzu, dass Mietwohnungen im Vergleich zum Ausland einen höheren Standard aufweisen. Drittens ist der Mieterschutz in der Schweiz weniger stark ausgebaut als in anderen Ländern. Dort ist er teilweise so restriktiv, dass kaum mehr in Mietwohnungen investiert wird. Ein vierter Grund für den tiefen Anteil an Wohneigentum hierzulande ist der im Vergleich zu anderen europäischen Staaten relativ hohe Anteil an Ausländern. Diese investieren kaum in ein Eigenheim in der Schweiz, sondern eher in ihrer Heimat, wohin sie nach dem Erwerbsleben häufig zurückkehren. Zu guter Letzt hatte sicher auch die späte Einführung des Stockwerkeigentums einen Einfluss. Vor dessen Einführung war es nur möglich, Einfamilienhäuser zu erwerben, jedoch nicht Eigentumswohnungen.

Ist es überhaupt sinnvoll, das Wohneigentum mit finanziellen Anreizen zu fördern?

Ökonomisch gesehen nicht. Menschen mit einem eigenen Haus oder einer einen eigenen Wohnung sind stärker an einen Ort gebunden und im Arbeitsmarkt tendenziell weniger flexibel.

Und wie sieht es mit raumplanerischen Vorteilen aus, wenn mehr Menschen ins Eigenheim investieren?

Ein raumplanerisches Anliegen ist das verdichtete Bauen. Aus dieser Sicht ist die Förderung von Wohneigentum ebenfalls eher kontraproduktiv. Denn die Wohnfläche pro Person von Eigentümern ist grösser als jene von Mietern.

Dafür seien die Eigenheimbesitzer die verantwortungsvolleren Staatsbürger - wie die Befürworter des Bausparens behaupten.

Ich habe schon gehört, dass die Eigenheimbesitzer Personen seien, die sich stärker am politischen Leben beteiligen. Allerdings ist mir keine Untersuchung bekannt, die Eigenheimbesitzer als bessere Staatsbürger, produktivere Arbeitskräfte, bessere Konsumenten oder gar glücklichere Menschen ausgewiesen hat.

Daniel Hornung hat im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen in- und ausländische Bausparmodelle untersucht. Der Projektleiter bei IC Infraconsult AG hat Volkswirtschaft- und Betriebswirtschaftlehre sowie Soziologie studiert und ist Experte für Wohnungsmarktfragen.

Deine Meinung