Liestal BL – «Eigentlich möchte ich diese Tiere lieber lebendig sehen als flach»
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Liestal BL«Eigentlich möchte ich diese Tiere lieber lebendig sehen als flach»

Bei seinen Spaziergängen trifft ein News-Scout immer wieder auf tote Feuersalamander. Die Tiere werden wohl überrollt, da die Strecke oft von E-Bikern befahren wird.

von
Seline Bietenhard
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Ein Liestaler fand auf einem Spaziergang zwei überfahrene Salamander. 

Ein Liestaler fand auf einem Spaziergang zwei überfahrene Salamander.

Privat
Er teilte die Bilder der überfahrenen Tiere in einer lokalen Facebook-Gruppe und löste damit eine Diskussion aus. 

Er teilte die Bilder der überfahrenen Tiere in einer lokalen Facebook-Gruppe und löste damit eine Diskussion aus.

Privat
Die Facebook-User tippen auf ein E-Bike als die Ursache für die toten Amphibien.

Die Facebook-User tippen auf ein E-Bike als die Ursache für die toten Amphibien.

Google Street View

Darum gehts

  • Ein Mann meldet in einer lokalen Facebook-Gruppe, dass in Liestal BL immer wieder Feuersalamander überfahren werden.

  • Er teilte die Bilder der überfahrenen Tiere in der Gruppe und löste damit eine Diskussion aus.

  • Die User tippen auf ein E-Bike als die Ursache für die toten Amphibien.

  • Auf der Strecke würden massenweise E-Bikerinnen und -Biker «wie gestört» durch den Wald rasen.

«Wer fährt denn immer über die Feuersalamander zwischen dem Liestaler Schiessplatz Sichtern und Nuglar?» Mit diesem Text teilte ein Mann in einer lokalen Facebook-Gruppe zwei Bilder von zerquetschten Feuersalamandern und löste eine Diskussion aus. «An dieser Stelle herrscht ja Fahrverbot für Autos und Velofahrer fahren sicher nicht über die armen Feuersalamander», schreibt der Anwohner weiter.

Die User in der Gruppe tippen auf E-Bikerinnen und -Biker, die für den Tod der Amphibien verantwortlich sein könnten. «Es ist auch so, dass massenweise E-Biker wie gestört durch den Wald rasen. Die blicken nicht nach vorn, egal was sich auf der Strasse befindet», so ein Liestaler. Der Verfasser des Originalposts tippt auch auf ein E-Bike als Ursache für die überfahrenen Salamander. «Man müsste gerade die E-Biker sensibilisieren, dass sie ein bisschen aufpassen, wenn sie mit 45 km/h durchrasen. Mein Hund wurde auch schon fast angefahren», so der Mann zu 20 Minuten.

«Fünf tote Salamander an einem Tag»

Laut dem Liestaler sei dies nicht das erste Mal gewesen, dass er im Gebiet auf dem Weg auf tote Feuersalamander stiess. «Letztes Jahr waren es mal fünf an einem nassen Tag. Es war zum Heulen», so der Mann. Er glaubt nicht, dass die Leute die Salamander extra überfahren würden. «Sie denken einfach nicht daran, dass sich so ein Tier bei Regen auf der Strasse befinden kann», sagte er. Er würde aber nicht nur einer Gruppe die Schuld geben wollen, sondern es müssten alle Leute aufpassen.

«Eigentlich möchte ich die Tiere lieber lebendig sehen als flach», sagte der Mann, der in seiner Freizeit gerne Tiere fotografiert. Es sei doch schade, wenn man mit 55 Jahren die ersten Salamander zu Gesicht bekommt und die seien «flach wie eine Flunder», schreibt der Liestaler auf Facebook.

Nachtaktive Amphibien

Gemäss der Biologin Petra Ramseier werden im ganzen Kanton Baselland Salamander auf der Strasse überfahren. Zu diesen Unfällen komme es, wenn sich eine Strasse genau zwischen dem Wald, dem Landlebensraum der Salamander und dem Laichgewässer, einem Waldbach, befinde. Die Tiere würden zum Absetzen der Larven über die Strasse zum Bach wandern, so Ramseier. «Weiter kann es zu Unfällen kommen, wenn sich die Feuersalamander auf der Futtersuche in ihrem Lebensraum bewegen und dabei die Strasse überqueren», sagt Ramseier zu 20 Minuten.

Fälle von überfahrenen Salamandern kämen häufig im Frühling oder Herbst vor. «Im Frühling bieten die Bewegungen ans Laichgewässer ein Risiko, im Herbst sind es eher Wanderungen ins Winterquartier oder die verstärkte Futteraufnahme vor der Winterstarre», so die Biologin. Feuersalamander seien nachtaktive Amphibien und immer in milden und feuchten Nächten, meistens bei Regen, unterwegs. «Es ist sehr schwierig, die Tiere vor dem Strassentod zu bewahren, da sie an den meisten Stellen sehr unregelmässig und in kleiner Zahl auftreten», sagt Ramseier. Es wäre effizient, eine ganze Strasse zu sperren, doch die Salamander würden so unregelmässig und wetterabhängig wandern, dass es schwierig sei, einen passenden Zeitraum für die Sperrung festzulegen, so die Biologin.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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