Campino über ZH-Konzert: «Eigentlich wollten wir die Tour nüchtern spielen»
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Campino über ZH-Konzert«Eigentlich wollten wir die Tour nüchtern spielen»

Am Dienstagabend las Punkrocker Campino aus der Biografie der Toten Hosen. Ein Thema war auch das Konzert in Zürich 1990, welches abgebrochen werden musste.

von
ink

Für einen Abend kam Campino nicht als Punkrocker, sondern als Buchautor nach Zürich. Im Radiostudio von SRF 3 las der Sänger der Toten Hosen aus der druckfrischen Bandbiografie «Am Anfang war der Lärm» vor.

Behandelt werden darin nicht nur Erfolge und Highlights der letzten 32 Jahre Bandgeschichte. Auch die Abgründe lassen die Toten Hosen in ihrer Biografie nicht aus. Neben dem Schockmoment, als eine 16-Jährige 1997 bei einem Toten-Hosen-Konzert in Düsseldorf ums Leben kam, erzählt Campino auch von der Drogenvergangenheit der Band. In den Neunzigerjahren führte dies sogar dazu, dass ein Konzert in Zürich abgesagt werden musste.

«Eigentlich wollten wir die Tour nüchtern spielen», liest der Bandleader aus dem Buch vor. Nur noch zwei Konzerte in Zürich standen auf dem Programm und bisher hätten die Hosen ihre Vorsätze brav eingehalten. Doch eine zweitägige Pause vor den Schweiz-Gigs hätten die Jungs dazu genutzt, die bisher erfolgreiche Tour zum Album «Kreuzzug ins Glück» zu feiern.

Koks, Alkohol und ein abgebrochener Gig

Schon im Bus von Innsbruck nach Zürich hätten Campino und der damalige Drummer Wölli angefangen, Bier und Whisky zu trinken und Koks zu konsumieren. Geschlafen hätten die beiden bis zum ersten Konzert nicht mehr. Als die Band dann endlich auf die Bühne sollte, knallte Campino der Länge nach hin. «Schwankend hielt ich mich am Mikrofonständer fest», so der Sänger. Wölli erging es ähnlich: «Unser Schlagzeuger konnte seine Stöcke nicht mehr halten.» Der Roadie habe ihm daraufhin die Drumsticks mit Klebeband an den Händen befestigt.

«Nach fünfzehn Minuten, in denen wir kein einziges Lied richtig hingekriegt hatten, brachen wir den Gig ab», erinnert sich Campino. Sänger und Drummer hätten daraufhin im Backstage-Bereich geweint und gemerkt, dass das so nicht weitergeht. «Die Grenze zwischen charmantem Chaos und abgefucktem Rockstartum verlief offenbar auf einer hauchdünnen Linie», schreibt die Band im Buch.

Der Schockmoment in Zürich scheint die Jungs bekehrt zu haben. Heute würden sie jeden Gig geniessen, so Campino zu Radiomoderator Tom Gisler. Am 15. August spielen die Toten Hosen wieder mal ein Konzert im Zürcher Letzigrundstadion. Diesmal nüchtern, versteht sich.

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