Aktualisiert 05.03.2008 13:26

Eigernordwand in weniger als 3 Minuten

Das Tempo ist atemberaubend, die Skier streifen spitze Felsklippen, touchieren Schneefelder und schweben plötzlich über dem Nichts. Ein wahrer Höllenritt, den der französische Speed-Flying-Profi François Bon mit einer Helmkamera festgehalten hat.

von
Tina Fassbind

Auf Skiern über die Eigernordwand - nur was für Profi François Bon (Quelle: acro-base.com)

«In einem solchen Moment ist man total fokussiert und konzentriert. Man erlebt diesen Augenblick mit maximaler Intensität. Das ist das faszinierende an diesem Sport, das macht den Reiz aus», schwärmt Bon. Nach zwei Minuten und 40 Sekunden ist er wieder heil am Fuss des Eigers angekommen. Er habe eine ganze Weile gebraucht, um wieder ruhiger zu werden, «der Adrenalin-Kick im Körper ist heftig.»

«Ich bin nicht suizidal»

Bon und sein Team sind die Ersten und bisher Einzigen, die es gewagt haben, auf Skiern die Eigernordwand zu bezwingen. Ziel beim Speed-Flying ist es, das Relief eines Berges mit den Skiern nachzufahren, es zu umspielen. Angst darf dabei nicht im Spiel sein. «Man muss diesen Sport und seinen Körper beherrschen. Es ist eine Frage der Konzentration und der Geistesgegenwart», betont Bon, «ich bin nicht suizidal und suche nicht das Risiko. Man muss beim Speed-Flying mit allem Unvorhergesehenen rechnen und sofort reagieren können. Im Notfall kann ich mich mit dem Gleitschirm weiter vom Berg wegbewegen.»

Eiger, Mount Cook, Aconcagua

Seit 2003 fährt Françcois Bon mit Skiern und Gleitschirm steilste Berghänge in der Schweiz, Frankreich und der Türkei hinunter. Er gehört zu den Pionieren im Speed-Flying und kann mittlerweile von dieser Sportart leben. «Ich will die Möglichkeiten des Sports weiter voranbringen. Ich gebe Unterricht und entwickle gemeinsam mit Konstrukteuren neue Produkte und Materialien», so Bon.

Dazwischen werden immer wieder grössere Speed-Flying-Projekte angegangen. Vergangenen August hat er den Mount Cook in Neuseeland befahren, als nächstes geht es nach Südamerika: «Am 1. März reise ich ab. Ich will auf den Aconcagua.» Mit rund 7000 Metern ist der Aconcagua der höchste Berg des amerikanischen Kontinents und der höchste Berg ausserhalb Asiens. 3000 Höhenmeter will er auf Skiern hinabfahren. «Das braucht ein Maximum an Vorbereitung. Man muss körperlich fit sein und sich im Alpinismus auskennen», erklärt er.

25 Tage für die nächste Herausforderung

Für dieses Projekt hat er sich 25 Tage Zeit genommen.«Das ist die nötige Zeitspanne, um am Base-Camp anzukommen, den Körper an die Höhe zu gewöhnen und schliesslich den optimalen Zeitpunkt – vor allem auch meteorologisch gesehen - für den Aufstieg in die einzelnen Camps zu erwischen.» Schon hier in der Schweiz hat er sich mit Hilfe von Karten und Dokumenten auf das Projekt vorbereitet, denn «wenn man mal dort ist, müssen die besten Konditionen herrschen. Sonst könnte das Vorhaben scheitern.»

François Bon ist die Vorfreude anzumerken: «Es ist das erste Mal, dass ich so hoch steige. Für mich ist das eine Challenge.» Und es wird wohl nicht die letzte Herausforderung sein, der sich Bon stellen wird. «Speed-Flying ist eine Möglichkeit, die schönsten Berge der Welt zu entdecken. Und es gibt viele Berge, die es zu besteigen lohnt.»

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François Bon auf dem Mount Cook in Neuseeland (Quelle: acro-base.com)

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