Yookassa: «Ein absolutes No-Go» – H&M wickelt Zahlungen über Russland ab

Aktualisiert

Yookassa«Ein absolutes No-Go» – H&M wickelt Zahlungen über Russland ab

Ein Leser wollte bei H&M Kleider bestellen und stellte fest, dass die Firma sein Geld über Russland leiten wollte. Das sei sehr irritierend und moralisch fragwürdig, sagen zwei Experten.

von
Marcel Urech
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H&M arbeitet mit dem russischen Zahlungsdienstleister Yookassa zusammen, der zur Sberbank gehört.

H&M arbeitet mit dem russischen Zahlungsdienstleister Yookassa zusammen, der zur Sberbank gehört.

20min/Marco Zangger
Yookassa.ru ist einer der grössten Anbieter für Online-Zahlungen in Russland. Das Unternehmen steht auf der Sanktionsliste der USA. In der Schweiz ist die Nutzung von Yookassa allerdings weiter zulässig.

Yookassa.ru ist einer der grössten Anbieter für Online-Zahlungen in Russland. Das Unternehmen steht auf der Sanktionsliste der USA. In der Schweiz ist die Nutzung von Yookassa allerdings weiter zulässig.

REUTERS/Leonhard Foeger
Dass H&M für Zahlungen auf einen russischen Partner setzt, sei in der aktuellen Situation ein absolutes No-go, sagt ein 20-Minuten-Leser, dem die Kooperation mit Yookassa auffiel.

Dass H&M für Zahlungen auf einen russischen Partner setzt, sei in der aktuellen Situation ein absolutes No-go, sagt ein 20-Minuten-Leser, dem die Kooperation mit Yookassa auffiel.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • H&M verarbeitet Zahlungen in seinem Onlineshop über den russischen Partner Yookassa.

  • «Das ist ziemlich peinlich», sagt Public Eye dazu – H&M müsse sich nun erklären.

  • Die Russland-Sanktionen der Schweiz verletzt das Unternehmen damit allerdings nicht.

«Ich wollte bei H&M im Webshop etwas bestellen, als ich beim Bezahlen feststellte, dass sie einen russischen Zahlungsdienstleister verwenden» – mit diesen Worten hat sich Leser X.* bei der Redaktion gemeldet. Er brach den Kauf darauf ab. Denn H&M kooperiere mit Yookassa aus Russland, um Zahlungen zu verarbeiten.

«Zahlungen aus der Schweiz via Russland abzuwickeln, ist ja generell schon fragwürdig», sagt der Leser im Gespräch mit der Redaktion. «Aber in der aktuellen Situation ist das ein absolutes No-go!»

Russischer Code bei H&M

Der IT-Experte Marc Ruef, der Mitinhaber der IT-Sicherheitsfirma Scip ist, bestätigt diese Angaben: Ein Skript auf der H&M-Website rufe den Zahlungsdienstleister Yookassa.ru auf, sagt Ruef. Yookassa ist einer der grössten Anbieter für Onlinezahlungen in Russland. Das Unternehmen gehört zur russischen Sberbank.

Laut Ruef ruft die Website den in der Programmiersprache Javascript geschriebenen Code erst auf, wenn man im Warenkorb auf «Kasse» klickt und den Check-out startet. Die Kommunikation der Daten laufe über Sankt Petersburg. «Es macht nicht den Anschein, als könne man ohne diesen Zugriff den Einkauf abschliessen», sagt der IT-Experte.

Moralisch fragwürdig

Anbieter wie Yookassa gibt es viele. Weltweit bekannt ist die Firma Stripe, in der Schweiz gibt es zum Beispiel Datatrans. Sie unterscheiden sich vor allem bezüglich Zahlungsmöglichkeiten und Preisgestaltung. Warum H&M sich ausgerechnet für Yookassa entschieden habe, sei für ihn nicht ersichtlich, so Ruef.

Nervt es dich, dass eine russische Firma Geld verdient, wenn du in H&Ms Webshop etwas bestellst?

«Das Einbinden externer Skripte kollidiert immer mit dem Bedürfnis der Privatsphäre», warnt Ruef. Im Idealfall würden keine oder möglichst wenige Daten übermittelt. Auch wenn H&M so keine Sanktionen verletzte (siehe Box), stelle sich die Frage, ob sich die Wahl von Yookassa als Partner moralisch rechtfertigen lasse, sagt Ruef.

Keine Verletzung der Russland-Sanktionen

Verletzt H&M mit der Kooperation mit Yookassa die Sanktionen der Schweiz gegen Russland? Nein, sagt das Staatssekretariat für Wirtschaft auf Anfrage. Die Sberbank sei zwar auf der Sanktionsliste, es sei aber nicht jede Art der Zusammenarbeit mit der Bank und deren Tochterunternehmen verboten.

Nicht erlaubt seien die Ausgabe und der Handel von Effekten und Geldmarktinstrumenten, die Gewährung von Darlehen und die Bereitstellung spezialisierter Nachrichtenübermittlungsdienste für den Zahlungsverkehr mit Swift. Halte sich H&M an diese Vorgaben, verletze die Firma die Sanktionen nicht.

Weiss Putin also, was die Schweizer Kundschaft bei H&M kauft? «Wenn Putin das wissen will, findet er es raus», sagt Ruef. Die russischen Nachrichtendienste hätten wohl Zugriff auf diese Daten.

Russland könnte nun sogar Zahlungen bei H&M blockieren. Das Unternehmen müsste dann auf einen anderen Zahlungsdienstleister umsteigen. Das sei «technologisch gar nicht so einfach» und würde wohl «mindestens eine Woche» dauern, sagt Ruef.

«Das ist ziemlich peinlich»

Ein russischer Zahlungsdienstleister verdient also Geld mit Transaktionsgebühren, wenn Schweizerinnen und Schweizer bei H&M einkaufen. Das sei sehr irritierend, sagt Oliver Classen von der Organisation Public Eye, die sich für eine gerechte Globalisierung einsetzt.

H&M sei nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs zuerst positiv aufgefallen, weil das Unternehmen seine Filialen im Land schnell geschlossen habe. Darum sei es nun umso eigentümlicher zu erfahren, dass der Schweizer Webshop von H&M mit einem russischen Finanzdienstleister verknüpft ist.

Eine böse Absicht unterstelle er H&M zwar nicht. Das Unternehmen müsse nun aber erklären, warum es diese Wahl getroffen habe. Denn die Kundinnen und Kunden hätten wohl etwas anderes erwartet. «Das ist ziemlich peinlich», sagt Classen.

Die Redaktion bat H&M mehrmals um eine Stellungnahme. Die Firma reagierte nicht auf unsere Anfragen. 

*Name der Redaktion bekannt.

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