Tiere in der Luft: Ein Äffchen fliegt nach Dublin
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Tiere in der LuftEin Äffchen fliegt nach Dublin

Wenn Tiere beim Reisen eine Pause brauchen, landen sie auf dem Zürcher Flughafen in den Tierräumen. Nebst Hunden und Katzen haben hier auch schon Löwen und Pinguine Halt gemacht.

von
D. Galka
A. Hirschberg

Zwischenhalt Tierraum Flughafen Zürich. (Video: D. Galka)

Es ist kurz vor 8 Uhr an einem Mittwochmorgen, als 20 Minuten Online in den Tierräumen am Flughafen Zürich eintrifft. Während die meisten noch auf dem Weg zur Arbeit sind, herrscht hier schon seit 6 Uhr morgens reger Betrieb. «Heute ist viel los», sagt Flughafen-Tierpfleger Marek Egyhazy. Fast alle Tierräume und –boxen sind bereits belegt. Das ist nicht immer so. «Jeder Tag ist anders, man weiss nie, was kommt», so Egyhazy.

In die Tierstation kommen nur Tiere, die innerhalb der EU verschickt werden, in die Schweiz einreisen oder aus ihr ausreisen: Letzteres trifft auf einen Schäfer und einen Border Collie zu, die an jenem Morgen in der Tierstation betreut werden und gerade ihr Futter bekommen haben. Zusammen mit zwei Katzen und einem Chinchilla machen sie einen Zwischenhalt in Zürich auf ihrer Reise nach San Francisco.

Die Box muss gross genug sein

Nebenan – gut getrennt von Hund und Katz - stehen Wagen mit stapelweise Kisten voller weisser Ratten, die wenige Minuten später abtransportiert werden. Es handelt sich um Labortiere, die hier kurz zwischengelandet sind und beim Abtransport aufgeregt hin- und herrennen. Bewegungsdrang haben auch zwei Katzen, die aus Bukarest nach Zürich geflogen sind. Laut miauend springen sie an der Tür ihres Tierraums hoch. «Die haben jetzt genug und wollen raus», so Egyhazy. Das dürfen sie auch bald. Sie bleiben in der Schweiz und werden bald abgeholt.

Trotz zappeliger Maunzer ist Tierpfleger Egyhazy zufrieden mit seinen Schützlingen. Alle wurden von ihren Besitzern gut versorgt und reisen in artgerechten Boxen. «Das ist nicht immer so. Öfter als mir lieb ist, müssen wir hier in Zürich die Boxen auswechseln, weil sie viel zu klein sind.» Als Faustregel gilt, dass der stehende Vierbeiner in der Box den Kopf nicht anschlagen und sich problemlos drehen und wenden kann.

Giftige Schlangen und bissige Hunde

In den meisten Fällen werden die Tiere in Plastikboxen aus dem Handel verschickt. «Aber auch eine selbstgezimmerte Kiste ist okay, so lange sie stabil ist, genug Atemschlitze hat und von der Grösse her stimmt», sagt Egyhazy.

Um die Katzen zu beruhigen, ist er in den Raum gegangen und streichelt sie. Nicht immer lassen sich die Vierbeiner problemlos anfassen. «Wir beurteilen die Tiere vor Ort. Wirkt ein Hund aggressiv, lassen wir ihn erst mal in der Box und versorgen ihn mit Wasser und Futter. Unsere Sicherheit hat immer Priorität.»

Manchmal besteht für Egyhazy nicht nur Biss-, sondern auch Giftgefahr. Vor kurzem brachte der Zoll hochgiftige Schlangen in die Tierräume. Ein Flupassagier hatte sie in Schuhschacheln in seinem Koffer transportiert. «Erst als die Zöllner die Schachteln öffnen wollten, sagte der Mann, dass sich giftige Schlangen darin befinden», erzählt Egyhazy. Hinter dem Tierpfleger ruckeln derweil drei Wagen vorbei: eine Ladung Falken aus Wien, auf dem Weg nach Madrid.

Nur 11 Prozent der tierischen Passagiere sind Hunde oder Katzen

Nebst Falken, Nagern, Hunden und Katzen hat sich ein exotischer Gast unter die fliegenden Tiere gemischt. Ein Tamarin auf dem Weg in den Zoo in Dublin. Das junge Zwergäffchen sitzt hinten in seiner Transportkiste und beobachtet leicht verängstigt die neugierigen Menschen, die sich um die Kiste scharen. «Wilde Tiere ohne lange Reise lassen wir in ihrer Box. Die brauchen von uns keine Betreuung, sondern Ruhe.» Nicht zum ersten Mal hat Marek Egyhazy Zootiere in der Tierstation. In Zürich haben schon Löwenbabys, Nasenbären, Gürteltiere oder ein Pinguin Halt gemacht.

Mehrheitlich werden aber Nager und Reptilien in den Tierräumen betreut. Sie machen auch mengenmässig den grössten Teil der lebendigen Fracht aus. Nur gerade 11 Prozent der per Flugzeug verschickten Tiere sind Hunde oder Katzen. Insgesamt 540 Tonnen Tiere durchliefen letztes Jahr den Frachtbereich im Flughafen Zürich.

Aus tierischer Sicht ist Zürich damit eher ein Winzling. Grosstiere wie Pferde, Giraffen oder Elefanten können von hier aus normalerweise nicht in die Luft. «Die müssen alle über die Strasse oder die Bahn nach Frankfurt gebracht werden», sagt Egyhazy. Dort werden täglich unzählige Tiere betreut - auch grosse Fische wie Filmwal Willy waren schon zu Gast.

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