Aktualisiert 03.11.2009 18:11

«Die grössten Schweizer Hits»Ein äusserst «netter» Sonntagabend

Mit grossem Abstand gewann Stefan Roos die Auftaktsendung von «Die grössten Schweizer Hits». Kein Wunder: Seine Ode an die Mutter hat fast so wenig Ecken und Kanten, wie die Sonntagabendkiste auf SF 1.

von
Thom Nagy

36,64 Prozent der Zuschauer von «Die grössten Schweizer Hits» entschieden sich am Ende der Auftaktsendung vom Sonntagabend für Stefan Roos und seine SängerFREUNDe, die mit einem lieben Schunkelschlager das Herz einer jeden Mutter vor dem Fernseher erwärmten (Songtitel: «Das Herz einer Mutter») und so die meisten Stimmen sammeln konnten.

Playback schleift Musiker

Es war das überraschende, im Nachhinein aber bezeichnende Ende eines harmlosen Fernsehabends, der bis auf wenige Ausnahmen äusserst nett und «gmögig» blieb - was grundsätzlich völlig in Ordnung geht. Das einzige Problem dabei war, dass die junge Garde des Schweizer Musikmainstreams die Hauptrolle gespielt hatte, welche eigentlich genug Ecken und Kanten zu bieten hätte, um auch für ein Publikum unter 50 interessant zu sein. Es liegt wohl am Format einer grossen Unterhaltungsshow, dass diese fast gänzlich abgeschliffen wurden. Stress oder Bligg lieferten in der mehr als zwei Stunden langen Sendung zwar ebenso solide Performances ab, wie Sängerknabe Seven. Die Live-Qualitäten dieser Musiker kommen im Playback aber leider nur in begrenztem Masse rüber - die Auftritte erinnerten an kurze Theaterstückchen. Entscheidend für deren Wirkung war folgerichtig vor allem das schauspielerische Talent des jeweiligen Musikers.

Kalauer des Moderatorenteams

Nichts geändert wurde am bewährten Vierergespann aus Sven Epiney, Beni Thurnheer, Roman Kilchsperger und Francine Jordi, welche mit lockerem, meist sinnlosem Geplauder durch die Sendung führten. So erfuhr der geneigte Zuschauer zum Beispiel, dass Nino de Angelo für Francine Jordi der «weltbeste Sänger» ist, dass Beni Thurnheer singende Moderatoren für eine Todsünde hält, oder dass sich Roman Kilchsperger die Beine waxen (also die Haare entfernen) lässt. Letzterer gab immerhin zwei, drei seiner fiesen Sprüche zum Besten und sorgte damit beinahe im Alleingang für ein kleines bisschen Aufregung an der Moderatorenfront.

Mannsbilder?

Ach ja: Die Sendung stand unter dem Motto «Mannsbilder». Während der bärtige Bligg zum Beispiel durchaus als solcher durchgeht, definiert Stefan Roos das Wort, indem er das komplette Gegenteil verkörpert. Aber das spielte beim Zuschauervoting ohnehin keine Rolle, denn bis auf einen kleinen Einspieler und die Tatsache, dass nur männliche Performer nominiert waren, hätte man den Abend auch unter jedes andere Motto stellen können. Wie der Gewinner der Sendung wirkte eigentlich fast alles an diesem Abend: ein bisschen beLIEBig.

Wie bitte? Ein Schunkel-Schlager schlägt Stress und Co.? Und das noch in einer Sendung, die behauptet, «Mannsbilder» zu präsentieren? Wer hätte Ihrer Meinung nach die erste Folge gewinnen sollen?

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