Ruderin Jeannine Gmelin tritt nach Tod ihres Coachs zurück

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Jeannine Gmelin«Ein Albtraum» – Schweizer Top-Ruderin tritt nach Tod ihres Coachs zurück

Am Mittwoch gab Jeannine Gmelin ihren Rücktritt als Schweizer Top-Ruderin bekannt. Nach dem Tod ihres Trainers und Partners Robin Dowell wolle sie nicht mehr mit dem Leistungssport weitermachen. 

von
Nils Hänggi
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Der verstorbene Trainer Robin Dowell und Jeannine Gmelin.

Der verstorbene Trainer Robin Dowell und Jeannine Gmelin.

Urs Lindt/freshfocus
Gmelin gehörte im Skiff zu den besten Ruderinnen der Welt, sie gewann 2017 etwa den Weltmeister-Titel.

Gmelin gehörte im Skiff zu den besten Ruderinnen der Welt, sie gewann 2017 etwa den Weltmeister-Titel.

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Zu ihrem Rücktritt meint sie: «Manche Entscheidungen brechen einem das Herz, doch sie bringen der Seele Frieden. Die Entscheidung, meine aktive Ruderkarriere zu beenden, ist eine solche.»

Zu ihrem Rücktritt meint sie: «Manche Entscheidungen brechen einem das Herz, doch sie bringen der Seele Frieden. Die Entscheidung, meine aktive Ruderkarriere zu beenden, ist eine solche.»

Andy Mueller/freshfocus

Darum gehts

  • Mit Jeannine Gmelin hat eine Schweizer Top-Ruderin am Mittwoch ihren Rücktritt bekannt gegeben. 

  • Grund für diesen ist der Tod ihres Trainers. 

  • In einem emotionalen Brief beschreibt sie ihre Gefühle. 

Die Schweizer Spitzenruderin Jeannine Gmelin (32) hat am Mittwoch ihre Karriere beendet. Gmelin gehörte im Skiff zu den besten Ruderinnen der Welt, sie gewann 2017 etwa den Weltmeister-Titel, ebenso durfte sie sich 2018 über WM-Silber sowie den Triumph im Gesamtweltcup freuen. Ausserdem holte Gmelin an den Europameisterschaften einmal Gold (2018), zweimal Silber (2015, 2019) und einmal Bronze (2021). 

Eigentlich hatte sie geplant, mindestens bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris weiterzumachen. Doch dazu kommt es jetzt nicht. Die Schweizer Spitzenruderin zieht den Schlussstrich – endgültig. Der Grund ist ein trauriger. So starb vor rund anderthalb Monaten ihr Trainer und Partner Robin Dowell im Alter von 40 Jahren. Dieser begleitete am 16. Dezember mit dem Motorboot eine Trainingseinheit, als er unerwartet aus dem Leben schied. Die genaue Todesursache ist bis heute ungeklärt. 

«Ein Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt»

Gmelin schreibt in einem emotionalen Brief: «Der Tag hat mein Leben fundamental erschüttert. Alles verändert. Von der einen Sekunde auf die andere war mein Coach weg, mein Vertrauter nicht mehr da, meine Stütze unerreichbar fern. Ein Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.» Dowell, ein einzigartiger Mensch, ihr Coach und Vorbild sei nicht mehr und damit auch ihr aussergewöhnliches Teamwork.

Die Spitzenruderin beschreibt weiter ein Gefühl der Ohnmacht. «Dazugekommen ist ein Trauerprozess, der – so wie ich merke – unberechenbar ist und dem ich darum den notwendigen Raum geben will», so Gmelin. «Diese Kombination hat mich schliesslich schweren Herzens zu meiner Entscheidung geführt.»

Verfolgst du das Rudergeschehen?

Die 32-Jährige und ihr Coach begannen mit der Zusammenarbeit im Jahr 2017. Dowell wurde damals Cheftrainer des Schweizerischen Ruderbands (SRV). Ein Jahr später folgte jedoch die Degradierung des Verbands zum Trainer der Frauen-Teams, kurz darauf folgte die Entlassung. Gmelin nahm das nicht hin und bildete ein eigenes Team – trainiert von Dowell.

Gmelin strebte stets nach Exzellenz

Die Beziehung sei besonders gewesen, so die 32-Jährige. Dies, weil für beide nicht die Resultate der Antrieb gewesen seien, sondern «das pure Streben nach Exzellenz». Und Gmelin weiter: «Diese Perspektive war uns gemein, Robin und mir. Es war unser höchstes gemeinsames Gut und hat mich nicht nur als Athletin, sondern auch als Mensch geformt und geprägt.»

Was Gmelin nun tut, ist unklar. Tatsache ist: Weitere Rudererfolge werden nicht mehr hinzukommen. Zu ihrem Ende als Spitzenruderin meint sie: «Manche Entscheidungen brechen einem das Herz, doch sie bringen der Seele Frieden. Die Entscheidung, meine aktive Ruderkarriere zu beenden, ist eine solche.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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