Nach Tiger-Attacke in Zoo: «Ein Angriff ist nie ganz auszuschliessen»
Aktualisiert

Nach Tiger-Attacke in Zoo«Ein Angriff ist nie ganz auszuschliessen»

Am letzten Samstag hat ein Tiger im Kölner Zoo eine Pflegerin getötet. «Menschliches Versagen», sagt Alex Rübel. Dass die Katze angriff, erstaunt den Direktor des Zürcher Zoos nicht.

von
D. Wild

Als die erfahrene Tierpflegerin Ruth K. letzten Samstag das Tigergehege im Kölner Zoo reinigte, passierte ihr ein fataler Fehler: Sie übersah einen Tiger, wurde von ihm angegriffen – wenig später erlag sie dessen Biss. Auch der Schuss von Zoo-Direktor Theo Pagel auf das 300-Kilo-Tier kam zu spät. Das schockierende Ereignis rief die Tierschutzorganisation Endzoo auf den Plan. Sie forderte eine Überprüfung der Sicherheitsstandards in deutschen Tierparks. Alex Rübel, Direktor des Zoo Zürich, ist sicher, dass in seinem Tierpark die Sicherheit für Mensch und Tier gewährleistet ist. Ein Restrisiko aber bleibe bestehen.

Herr Rübel, was ist in Köln falsch gelaufen?

Alex Rübel: Das war menschliches Versagen. Sobald sich ein Pfleger in einem Gehege mit einem Tier befindet, weil er vergessen hat, es in den Stall zu schliessen, wird es schwierig, einen Zwischenfall zu verhindern. Da bleibt nur noch der Abschuss – in Köln kam er für die Pflegerin leider zu spät.

Erstaunt es Sie, dass Tiger Altai die Pflegerin angriff, die er kannte?

Nein, das erstaunt mich nicht. Wir achten ja darauf, dass die Tiere möglichst wild gehalten werden. Dringt ein Mensch in das Revier eines Tigers ein, ist das die natürliche Reaktion des Tiers. Genetisch ist der Antrieb, das eigene Gebiet zu verteidigen, noch voll da. Ein Angriff ist deshalb nie auszuschliessen.

Wie steht es um die Sicherheit im Zoo Zürich?

Technische Vorkehrungen, die ein Zusammentreffen von Mensch und Tier verhindern, gehören zur Grundausstattung jedes Geheges. Die Pfleger müssen einen Durchgang, der aus einer Schleuse, also zwei Türen, besteht, passieren, um ins Gehege zu gelangen. Ausserdem braucht man für jede Tür einen Schlüssel. Die Pfleger erhalten Instruktionen, wie die Schliessmechanismen funktionieren. Zu einem Zusammentreffen zwischen Mensch und Tier kommt es nicht.

Wie gehen die Pfleger beim Säubern eines Geheges vor?

Muss ein Gehege gesäubert werden, werden die Tiere im Stall zurückgehalten. Das macht immer nur eine Person, dann ist klar, wer die Türe hinter den Tieren schliesst, wer putzt und wer sie wieder öffnet. Bei mehreren beteiligten Personen könnte Verwirrung entstehen. Die Tierpfleger werden nach der Grundausbildung von drei Jahren ständig neu geschult, allerdings nicht spezifisch auf eine Tierart.

Werden Sie diese Sicherheitsstandards aufgrund des Ereignisses in Köln überprüfen?

Wir werden nichts ändern. Das Notfallkonzept ist durchgesprochen, die technischen Systeme funktionieren, die Pfleger sind geschult. Menschliches Versagen kann aber nie komplett ausgeschlossen werden.

Was passiert, wenn es zu einem Zusammentreffen zwischen Mensch und Tier kommt? Wird das Tier erschossen?

Wird ein Tier zu einer Gefahr im Zoo, müssen wir es erschiessen, passiert etwas ausserhalb des Zoos, erledigt das die Polizei. Ein Narkosegewehr ist in einem Notfall keine Option: Weil in die Muskeln geschossen wird, dauert es etwa zehn Minuten, bis die Wirkung eintritt. Ein Abschuss ist in einem solchen Fall wie in Köln die einzige Möglichkeit.

Wer schiesst?

Im Zoo Zürich haben wir eine Equipe im Kader, die speziell dafür geschult ist. Dieses Spezialisten, rund ein Dutzend, gehen zweimal im Jahr schiessen, verfügen über eine Lizenz und sind die einzigen, die Zugang zu den Waffen haben. Jeden Tag befindet sich eine dieser Personen auf dem Gelände. Im Notfall kann die Polizei oder eine Kaderperson des Zoos eine Abschusserlaubnis erteilen.

Könnte jemand in die Gehege eindringen?

Die Gehege sind so gesichert, dass niemand einfach so reinkommt. Wenn sich jemand aber mutwillig Zugang verschaffen will und über alle Zäune steigt, können wir nicht ausschliessen, dass er reinkommt. Aber auch auf solche Fälle sind wir vorbereitet.

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