«Sklavenzimmer»: Das sagt die Community über die Bedienstetenzimmer

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«Sklavenzimmer»«Ein anständiger Architekt würde sowas nicht planen!»

Die «Sklavenzimmer» im Luxus-Wohnhaus in Beirut sorgen für Diskussionen. Die 20-Minuten-Community ist sich uneins, wie viel Verantwortung tatsächlich bei Herzog & de Meuron liegt.

von
Meret Steiger
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In diesem Gebäude gibt es winzig kleine Bedienstetenzimmer ohne Fenster, kaum vier Quadratmeter gross.

In diesem Gebäude gibt es winzig kleine Bedienstetenzimmer ohne Fenster, kaum vier Quadratmeter gross.

beirutterraces.com
Die Architekten des Wohnhauses in Beirut, Herzog & de Meuron, stehen deswegen in der Kritik.

Die Architekten des Wohnhauses in Beirut, Herzog & de Meuron, stehen deswegen in der Kritik.

REUTERS
Die 20-Minuten-Community sieht den Fehler aber nicht nur bei den Architekten: «Es ist der Auftraggeber, der über das Projekt entscheidet und wie die Wohnungen auszusehen haben», sagt beispielsweise User Skepticus.

Die 20-Minuten-Community sieht den Fehler aber nicht nur bei den Architekten: «Es ist der Auftraggeber, der über das Projekt entscheidet und wie die Wohnungen auszusehen haben», sagt beispielsweise User Skepticus.

Herzog & de Meuron

Darum gehts

  • Die Basler Stararchitekten Herzog de Meuron gerieten wegen des Baus eines Luxus-Wohnhochhauses in Beirut in die Kritik.

  • Das Gebäude wurde mit kleinen Kammern ausgestattet, in denen jeweils die Hausangestellten der Mietenden leben.

  • Die sogenannten Maids werden teils wie Sklaven behandelt, kritisieren verschiedene Organisationen.

  • Die Schweizer Architekten agieren in diesem ausbeuterischen System und machen sich zu Mittätern, so Kritikerinnen und Kritiker.

  • Auch die 20-Minuten-Community hat diesbezüglich eine klare Meinung.

Ein Zimmer, kaum vier Quadratmeter gross und ohne Fenster: Das ist keine Gefängniszelle, sondern ein Zimmer von Hausangestellten in einem Luxus-Wohnturm in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Entworfen und realisiert wurde das Wohnhaus mit den sogenannten «Maid-Rooms» von den Basler Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Das Entsetzen ist nicht nur bei Aktivisten gross, sondern auch in der 20-Minuten-Community: So sagt zum Beispiel User arson: «Ein anständiger Architekt würde sowas nicht planen!». Auch chiaradg sieht das ähnlich: «Dass man so ein Projekt unterstützen und sich daran beteiligt, ist moralisch verwerflich.»

Aber: Nicht alle Leserinnen und Leser sehen den Fehler beim Architekturbüro. User Skepticus schreibt: «Es ist der Auftraggeber, der über das Projekt entscheidet und wie die Wohnungen auszusehen haben. Dies erfolgt logischerweise immer erst nach der Auftragsvergabe. Anstelle die Architekten anzuprangern, solltet ihr die Auftraggeber unter die Lupe nehmen!» Genauso sieht es auch User MaxHaar: «Bei 1000 Quadratmetern findet sich sicher auch ein menschenwürdiges Zimmer, nehme ich mal an. Das sind wohl auch die Eigentümer nicht besser. Moral und Ethik gibt es nicht mehr.»

Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es vonseiten Herzog-de-Meuron: «Beim Projekt Beirut Terraces hatten wir dem Kunden andere Konzepte projektiert und empfohlen. Was hier jedoch realisiert wurde, war der ausdrückliche Wunsch der Bauherrschaft, und wurde auf dessen Anordnung ausgeführt.»

«Wäre es besser, ein anderer Architekt hätte die Zimmer entworfen?»

Die Debatte in der Kommentarspalte dreht sich um die Frage, ob Herzog & de Meuron den Auftrag hätten ablehnen sollen. User DerFussgänger fragt sich aber: «Inwiefern hätte es den Bediensteten geholfen, wenn die Zimmer von anderen Architekten entworfen worden wären?» und samira29 ergänzt: «Wen verwundert so ein Bau, in einem Land wo Menschenrechte eh mit Füssen getreten werden? Hätte es dieses Bauunternehmen nicht gemacht, hätte es halt ein anderes Bauunternehmen gemacht.»

Herzog & de Meuron seien aber moralisch verpflichtet, einen solchen Auftrag abzulehnen, finden viele User. So schreibt All_in_All_out: «Auch H&DM steht hier in der Verantwortung betreffend Menschenwürde. Es ist moralisch und ethisch nicht vertretbar und man kann dann nicht einfach die Bauherrschaft vor den Wagen spannen! Es entscheidet immer noch der Architekt, ob er den Auftrag annimmt oder nicht …»

«Es ist ein kulturelles Problem, das angegangen werden muss»

Diverse Userinnen und User weisen darauf hin, dass dieses Problem nicht nur in diesem Hochhaus oder nur in Libanon existiert: «Ist in Brasilien leider genau so», schreibt User PeterKy und Userin VorstadtKäthi sagt: «Diese Zimmer sehen göttlich aus, verglichen mit den Maid-Rooms, die ich in Hongkong und Singapur gesehen habe..»

User Skepticus sieht das ähnlich: «Der Auftraggeber entscheidet und nicht der Architekt. Wie der Makler im Bericht sagt, sei das üblich und in anderen Gebäuden seien die Zimmer noch viel kleiner oder die Angestellten müssten auf einem verglasten Balkon übernachten. Es ist somit ein kulturelles Problem, das angegangen werden muss.»

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