EHC Biel: Ein Assistent und kein Sportchef mehr
Aktualisiert

EHC BielEin Assistent und kein Sportchef mehr

Biel hat endlich einen Trainer-Assistenten gefunden und verzichtet künftig auf einen Sportchef.

von
Klaus Zaugg
Biel-Trainer Kevin Schläpfer hat einen Assistenten gefunden.

Biel-Trainer Kevin Schläpfer hat einen Assistenten gefunden.

Die Verpflichtung des Trainer-Assistenten ist normalerweise nur eine Randnotiz wert. Bei Biel ist es diesmal ein wenig anders: Der neue Cheftrainer Kevin Schläpfer kann sich nur durchsetzen, wenn er einen Assistenten hat, der ein Gegengewicht zu seinen «Voodo-Methoden» bildet, die Mannschaft taktisch schulen kann und den Tagesbetrieb strukturiert. Schläpfer für die Emotionen, der Assistent für das nüchternde Handwerk.

Der ehemalige Verteidiger Daniel Naud (Ka, 48) wird nächste Saison Schläpfers Assistent sein. Naud ist so etwas wie eine Rolex vom Wühltisch des Trainermarktes. «Ich wollte unbedingt einen ehemaligen Verteidiger als Assistenten», sagt Schläpfer gegenüber 20 Minuten Online. «Naud passt vom Typ her zu uns und ich kenne ihn seit längerer Zeit. Als wir Heinz Ehlers als Trainer engagierten, war Naud unser zweiter Kandidat. Zudem kennt er das Schweizer Eishockey aus seiner Zeit mit Langnau.» Der Kanadier hatte von 1988 bis 1991 bei Langnau in der NLB verteidigt.

Imposanter Start in die Trainer-Karriere

Seine Trainerkarriere ist recht interessant. Er wurde am Freitag, den 20. Oktober 2000 in Augsburg nach 14 Runden und einer 0:10 Niederlage gegen München zum Cheftrainer für den gefeuerten Bob Manno befördert und in der darauf folgenden Saison führte er die Augsburger für 16 Tage sogar an die Tabellenspitze. Worauf die Fans ein riesiges Plakat entrollten: «Kniet nieder vorm Tabellenführer.» Und das mit einem Team, das wegen finanzieller Not auf elf Positionen umgebaut worden war und dem niemand eine Chance geben hatte.

Die Saison 2002/03 brachte bereits den jähen Absturz: Naud hatte mit den Höhepunkten der vorangegangenen Saison ein Motivations-Video zusammengestellt und mit Jubel, Trubel und Emotionen starteten die Augsburger im Herbst 2002. Mit sechs Siegen aus den ersten acht Spielen stürmten sie nochmals die Tabellenspitze, erneut wurde das legendäre Transparent entrollt - und dann ging nichts mehr. Nach zwölf Pleiten in Serie wurde Naud gefeuert. Er hat seither zwei Jahre in der zweithöchsten Spielklasse als Cheftrainer in Deutschland gearbeitet (Bietigheim-Bissingen) und eine Saison in der Quebec Major Junior Hockey League (eine der drei höchsten kanadischen Juniorenligen) als Assistent. Letzte Saison kehrte er als Assistent (Hamburg) in die DEL zurück und jetzt hat er die Aufgabe, Biels neuen Cheftrainer Kevin Schläpfer zu unterstützen.

Diese Biographie zeigt uns, dass Naud einer ist, der sehr genau weiss, wie ein Hockeyunternehmen funktioniert, das knapp bei Kasse ist und eine Mannschaft hat, die nominell am Limit läuft. Zudem hat er ja auch Erfahrung in der Übernahme eines Teams im Laufe der Saison durch Beförderung vom Assistenten zum Cheftrainer. Es wäre also kein Problem, wenn Schläpfer gefeuert werden müsste.

Schläpfer wird nicht ersetzt

Hockey-General bleibt in Biel jedoch Cheftrainer Kevin Schläpfer. Den Posten eines Sportchefs (wie ihn Schläpfer interpretiert hatte) gibt es nämlich nicht mehr, Biel, das ohnehin eine halbe Million sparen muss, verzichtet auf die Neubesetzung des Postens. Die sechsstellige Salärsumme für diesen Job wird nicht mehr ausgegeben. Schläpfer mag das zwar gegenüber 20 Minuten Online so nicht sagen - und liefert dennoch die Bestätigung: «Ja, es stimmt, voraussichtlich gibt es den Sportchef so wie bisher künftig nicht mehr. Ich bin nun mit Daniel Naud und unserem Berater Thomas Roost daran, den vierten Ausländer zu suchen.»

Der NHL-Scout Thomas Roost ist bei Biel als Berater unter Vertrag und soll helfen, Flops bei der Rekrutierung des ausländischen Personals künftig zu vermeiden.

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