Aktualisiert 30.11.2011 08:43

Natascha Kampusch

Ein Baby, ein toter Ermittler und viele Fragen

Österreichische Oppositions-Politiker machen diverse Ungereimtheiten im Fall Kampusch publik: Das Internetportal «Oe24» hat eine Liste davon erstellt, die einem die Haare zu Berge stehen lässt.

von
tog

Die Liste von «Oe24» beruft sich auf voneinander unabhängige Untersuchungen österreichischer Oppositionspolitiker der Parteien FPÖ, Grüne und BZÖ. Diese fordern aufgrund diverser Pannen einen Untersuchungsausschuss – tatsächlich scheinen im Zusammenhang mit der Kampusch-Affäre grobe Fehler, mindestens aber Nachlässigkeiten begangen worden zu sein. Eine Zusammenstellung.

Offene Fragen zu mutmasslichem Mittäter

Eine Zeugin und ein Polizeihundeführer erwähnten bei Befragungen einen zweiten Täter. Diesen Hinweisen wurde nicht weiter nachgegangen.

Das Verlies, in welchem Natascha Kampusch danach Jahre verbrachte, war zum Zeitpunkt ihrer Entführung nicht abschliessbar. Deshalb geht die FPÖ davon aus, dass Haupttäter Wolfgang Priklopil einen Komplizen gehabt haben muss. Zahlungen von Priklopil an seinen Freund Ernst H. und ein Safe mit Belegen für ein Giro-Konto erhärten diesen Verdacht.

Des Weiteren soll ein Sex-Video existieren, das zwei Männer und ein Mädchen zeigt, bei dem es sich um Natascha Kampusch handeln könnte. Die Aufnahmen wurden beschlagnahmt und von der Justiz versiegelt. Ein BZÖ-Politiker wirft die Frage auf, weshalb das Opfer nie damit konfrontiert wurde.

Auch die Beziehung zwischen Ernst H. und einer Sexshop-Besitzerin und angebliche Telefonate zwischen Ernst H. und Natascha Kampusch bleiben ein Rätsel. Beamte liessen diesen gewähren, als er Dinge aus Priklopils Haus schaffte, als bereits die Spurensicherung vor Ort war.

Die Babyfrage

Im Verlies wurden eine Haarlocke sowie ein Buch über Säuglingspflege gefunden. Ausserdem ist die Staatsanwaltschaft im Besitz von Aussagen des Selbstanzeigers Arthur K., welche die Baby-Theorie untermauern. Hatte der Täter ein Kind mit Natascha Kampusch? Wo lebt es heute, wenn überhaupt noch?

Leichenspürhunde haben im Garten von Priklopil angeschlagen – angeblich wegen modrigem Holz. Dies könne nicht sein, moniert die Opposition: Hunde dieser Art können sogar den Leichengeruch von Tieren und Menschen unterscheiden.

Der tote Ermittler

Gegenüber einem Journalisten sprach SOKO-Ermittler Franz Kröll von einem Fall «mit Dimensionen wie Lucona». Die Lucona-Affäre hielt Österreich zwischen den späten 60er- und den frühen 90er Jahren in Atem. Es ging um sechsfachen Mord, Mordversuche und Versicherungsbetrug in Millionenhöhe.

Der Fall wurde durch die Beteiligung diverser Behörden zum grössten Politskandal Österreichs. SOKO-Ermittler Kröll sagte gegenüber dem Journalisten weiter, er sei kurz davor, den Fall Kampusch zu lösen. Wochen später war er tot – Selbstmord, so die offizielle Version.

Weitere Fragen folgen

Heute will der grüne Politiker Peter Pilz weitere Ungereimtheiten ans Licht bringen. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die Staatsanwaltschaft. Sie soll im Zentrum von Vertuschungen stehen.

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