Aktualisiert 01.01.2016 11:35

Hat-Hut RecordsEin Basler Jazzlabel ist nicht totzukriegen

Der Basler Produzent Werner X. Uehlinger bringt seit 40 Jahren Jazzalben heraus. Als «One Man Show» führt er trotz widriger Umstände ein eigenes Label.

von
jd

Das Motto von Musikproduzent Werner X. Uehlinger ist Programm: «Ein Ohr in die Zukunft». Dieser Leitspruch ist der rote Faden, der den Vater des Basler Labels Hat-Hut durch 40 Jahre Musikgeschichte geführt hat. Er hat geschafft, was viele Unternehmer in der Branche scheitern liess: Trotz spärlichen finanziellen Mitteln und dem Aufkommen von Downloadseiten und Musikstreams produziert er nach wie vor CDs, die weltweit in den Regalen von Jazz-Liebhabern stehen.

Zu seiner ersten selbst produzierten Platte sei er wie die Jungfrau zum Kind gekommen. «Ich hielt mich 1975 aus beruflichen Gründen in den USA auf und wollte einem befreundeten Saxophonisten helfen, eine weitere Scheibe auf den Markt zu bringen», sagt der 80-Jährige. Dieser Freundschaftsdienst war der Grundstein des Labels Hat-Hut und der Anfang von Uehlingers Karriere. Zehn Jahre später legte er seinen Job als Kaufmann in der Pharmabranche nieder, um sich voll und ganz auf sein Projekt zu fokussieren und die Tonträger international zu vertreiben.

CDs tragen regionale Note

«Heute habe ich ein wahnsinniges Netz an Kontakten. Musiker aus aller Welt kommen auf mich zu, weil sie wissen, dass ich ein Ohr für sie habe», sagt der Musik-Liebhaber, der von sich behauptet, nie still sein zu können und auch am Wochenende zehn Stunden täglich für seine Leidenschaft zu arbeiten. Das Erfolgsgeheimnis seines Labels sei eigentlich ganz simpel: Mit aktuellem Jazz und Neuer Musik bediene er eine Nische – von anderen Bereichen habe er stets die Finger gelassen. «Es hat keinen Wert, gegen die grossen Labels anzukämpfen», weiss er.

Bisher sind 500 Veröffentlichungen unter seinem Namen erschienen. Jedes Endprodukt sei ein sorgfältig gearbeitetes Kunstwerk und trage eine regionale Note. Die aufwändig gestalteten Covers würden in Birsfelden gedruckt, in der Missionsstrasse werden die CDs schliesslich gelagert, verpackt und in die Welt verschickt. Der Aufwand sei enorm. «Unter einem Jahr geht nichts. Manchmal dauert eine Produktion auch zwei Jahre», erzählt Uehlinger.

Die erste Schallplatte nach 30 Jahren

Arbeitsaufwand scheue er keinen. Was ihm Sorgen bereite, sei hingegen die Entwicklung der Musikindustrie. «Mit den Download- und Streaming-Diensten begann das grosse Sterben. Es hat eine ganze Branche kaputtgemacht», sagt er. «Niemand kauft eine CD, wenn ein Song für 90 Rappen heruntergeladen oder gratis gestreamt werden kann.»

Ans Aufhören denke er jedoch auch nach 40 Jahren nicht. Er werde die Musik-Szene stets beobachten, um dranzubleiben. Für das kommende Jahre stehe eine grosse Neuerung an: Nach rund 30 Jahren werde er wieder Vinyl produzieren. «Wer hätte das gedacht, aber Schallplatten sind wieder voll im Trend», freut er sich.

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