Aktualisiert 16.01.2020 17:43

Gerissene Schafe«Ein bedrohter Wolf greift auch Menschen an»

In Thundorf TG hat ein Wolf mehrere Schafe gerissen. Die Behörden warnen: Solche Ereignisse können sich in Zukunft häufen.

von
mig
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Ein Wolf hat in Thundorf bei Frauenfeld zwei Schafe gerissen und zwei verletzt. Ein weiteres Schaf ist unauffindbar.

Ein Wolf hat in Thundorf bei Frauenfeld zwei Schafe gerissen und zwei verletzt. Ein weiteres Schaf ist unauffindbar.

Google Streetview
Die Wölfe nähern sich immer mehr der Zivilisation.

Die Wölfe nähern sich immer mehr der Zivilisation.

Keystone/Alexandra Wey
In letzter Zeit häuften sich die Meldungen über Wölfe. In der Nacht auf den 1. Januar ist bei Bonaduz GR eine Wöflin von einem Zug erfasst und getötet worden.

In letzter Zeit häuften sich die Meldungen über Wölfe. In der Nacht auf den 1. Januar ist bei Bonaduz GR eine Wöflin von einem Zug erfasst und getötet worden.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Am Dienstag wurden auf einem Hof am Rande von Thundorf bei Frauenfeld zwei Schafe gerissen, zwei weitere wurden verletzt und ein Schaf ist seither unauffindbar. «Ich bin in den Stall gegangen und habe ein totes Tier gesehen», sagt der Bruder des betroffenen Bauern. Man sei zuerst von einem natürlichen Tod ausgegangen und habe nicht an einen Wolf gedacht. Erst später, als man die gesamte Herde genauer anschaute, habe man gemerkt, dass die Schafe von einem Wolf angegriffen worden seien.

«Gerade noch am Nachmittag, bevor ich in den Stall ging, habe ich mit einem Kollegen darüber gesprochen, dass es in der Region einen Wolf geben soll», erzählt der der Mann. «Ich habe aber nicht daran geglaubt.» Für das noch vermisste Schaf hat er kaum Hoffnung. «Das hat der Wolf mitgenommen», ist er überzeugt. Erstaunt ist der Mann darüber, dass der Wolf offenbar in den Stall gekommen ist. «Das zeigt mir, dass es nie eine Garantie gibt für die Sicherheit der Tiere.»

Sorgen bei der Bevölkerung

In der Bevölkerung macht sich nach dem Vorfall eine gewisse Unsicherheit breit. Eine Frau, die von einem Landwirt davon erfahren hat, sagt: «Das muss ein grausames Gemetzel gewesen sein.» Sie habe selbst zwei Hunde und passe nun auf den Spaziergängen im Wald besser auf. Gott sei dank habe sie bisher noch nie einen Wolf gesehen.

Sorgen macht ihr vor allem der Aufenthaltsort des Wolfes. «Diese Tiere kommen der Zivilisation immer näher. Das ist beunruhigend.»

Mehr Rudel – mehr Wölfe

Im Kanton Thurgau wurde 2017 nach über 200 Jahren Abwesenheit erstmals wieder ein Wolf nachgewiesen. Der aktuelle ist nun die dritte Präsenz. Roman Kistler, Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, sagt: «Wir rechnen in Zukunft mit mehr Wölfen in unserem Kanton. Wahrscheinlich werden sie aber jeweils nur kurz hier durch die Gegend streifen.»

Die Annahme basiert darauf, dass es in der Schweiz immer mehr Wolfsrudel gibt. Folglich gibt es auch mehr Jungtiere, die nach gut zwei Jahren das Rudel verlassen und sich einen eigenen Platz suchen. Es würde ihn aber überraschen, wenn ein Wolf im Kanton Thurgau heimisch würde, sagt Kistler.

Nicht in Raum einengen

«Eine Gefahr ist der Wolf für den Menschen grundsätzlich nicht», sagt Kistler. Das habe die Historie gezeigt. Wölfe würden Menschen fast nur angreifen, wenn sie Tollwut hätten. Eine Ausnahme gibt es aber. Kistler sagt: «Ein bedrohter Wolf greift auch Menschen an. Oder besser gesagt, er wehrt sich. Dies passiert, wenn Wölfe in die Enge getrieben werden.»

Woher der aktuelle Wolf im Kanton Thurgau stammt, ist bisher nicht bekannt. Die Behörden haben eine DNA-Probe genommen und analysieren diese nun.

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