Netz feiert Berner Schiessanlage - «Ein bemerkenswertes Zeugnis der Schweizer Gesellschaft»
Publiziert

Netz feiert Berner Schiessanlage«Ein bemerkenswertes Zeugnis der Schweizer Gesellschaft»

Tom Scotts Besuch in der Schiessanlage Brünnlisau stösst nicht nur bei 20-Minuten-Lesern, sondern auch auf Youtube auf grosses Interesse. Dort ist man des Lobes voll für den Umgang mit Waffen in der Schweiz.

So beginnt Tom Scotts Kurz-Doku über die Schützengesellschaft Erlenbach-Wimmis.

Youtube/Tom Scott

Darum gehts

  • Tom Scotts Kurzdoku über die Schiessanlage Brünnlisau wurde auf Youtube schon über 1,8 Millionen Mal aufgerufen.

  • Viele Userinnen und User sind fasziniert vom Schweizer Umgang mit Waffen.

  • Der Sekretär der Schützengesellschaft Erlenbach-Wimmis.

«Die Zielscheiben sind dort drüben, und dazwischen ist eine Hauptstrasse – und es ist sicher»: Tom Scotts Begeisterung über die Schiessanlage Brünnlisau, wo die Kugeln über eine viel befahrene Strasse peitschen, ist grenzenlos. Doch auch das Netz ist des Lobes voll für den Schweizer Schiesssport: Auf Youtube, wo der Brite seine Kurzdoku vor zwei Tagen veröffentlicht hat, gabs bislang über 7000 Kommentare.

Viele Userinnen und User zeigen sich zum einen fasziniert über den Umgang der Schweiz mit Schusswaffen. «Das ist erstaunlich», schreibt Zealan Tanner. «Allein der Gedanke, dass ein Schießstand über eine öffentliche Strasse führen könnte, würde in meiner Heimat als verrückt gelten – selbst wenn es absolut sicher wäre.» Eine solche Schiessanlage sei «ein bemerkenswertes Zeugnis der Schweizer Gesellschaft» und zeige das Vertrauen der Schweiz «in das verantwortungsvolle Handeln seiner Bürger und Bürgerinnen», findet sniper1. Dass es hierzulande trotz hoher Zahl an Waffenbesitzern und Waffenbesitzerinnen zu vergleichsweise wenig Zwischenfällen kommt, überrascht User DoS wiederum nicht: «Das Befolgen von Regeln ist in der Schweizer Kultur tief verwurzelt.» JJ Ortiz schliesslich wünschte sich, «mehr Länder würden die Sicherheit und die Ausbildung ernster nehmen. Nicht nur für Schusswaffen».

«Very cool»

Daneben kann auch die Technologie der Schiessanlage Brünnlisau viel Lob einheimsen. «Ich habe nicht erwartet, dass das Zielrückmeldesystem nur dieses lässige, super komplizierte Luftdrucksystem ist, das mit Mikrofonen gemessen wird», schreibt Dead Meat JB. Auch TimeBucks findet die elektronischen Zielscheiben «very cool». User Railgap Esoterica war 40 Jahre lang Waffenbesitzer und -liebhaber, wie er scheibt. Aber noch nie habe er von diesen elektronischen Zielsystemen gehört: «Ich bin sehr beeindruckt, dass die beschriebene akustische Methode mit solcher Präzision funktioniert.»

Solche Kommentare auf Youtube freuen Stefan Stucki, den Sekretär der Schützengesellschaft Erlenbach-Wimmis. Tom Scotts Kurzdoku zeige einmal mehr auf, dass der Schiesssport ein Sport wie jeder andere sei. «Es geht um Ehrgeiz und darum, besser zu sein als der Rest», so Stucki. Scotts Beitrag trage zudem das Bild einer Schweizer Gesellschaft in die Welt, deren Bürgerinnen und Bürger einen disziplinierten und verantwortungsvollen Umgang mit Schusswaffen pflegten – und das sei beste Werbung.

Schusswaffen in der Schweiz

Gemäss aktuellen Zahlen sind in der Schweiz derzeit zwischen 2,3 und 2,5 Millionen Gewehre und Pistolen in Privatbesitz. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, stand die Schweiz 2018 in Bezug auf privaten Waffenbesitz weltweit hinter den USA, Jemen und Serbien an vierter Stelle. Wie Zahlen der Uno und der Schweizer Stiftung «Small Arms Survey» zeigen, gab es in der Schweiz rund 7,7 Schusswaffentote pro Million Einwohnerinnen und Einwohner, wie der «Guardian» 2012 schrieb. Damit hatte die Schweiz im internationalen Vergleich Rang zwei hinter den USA (mit 29,7) inne und lag vor Belgien (6,8) und Luxemburg (6,2). Allerdings ist festzustellen, dass in der Schweiz die Mehrzahl (91,3 Prozent) auf Suizide entfallen. Seit Ende der 90er-Jahre ist die Anzahl der Schusswaffentoten in der Schweiz stark rückläufig. Auch die Politik beschäftigt sich immer wieder mit Schusswaffen. 2011 verwarf die Schweizer Stimmbevölkerung die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» mit 56,3 Prozent der Stimmen. 2019 wurde das Referendum gegen die Änderung des Waffengesetzes gemäss der EU-Waffenrichtlinie mit 63,7 Prozent abgelehnt.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(sul)

Deine Meinung

2 Kommentare