Afrika Cup für Anfänger: «Ein Bett habe ich, Internet nicht»
Aktualisiert

Afrika Cup für Anfänger«Ein Bett habe ich, Internet nicht»

Der Aufenthalt in Angola soll möglichst hotelfrei sein. Zum einen sind die touristischen Unterkünfte Luandas teuer und selten, zum anderen möchte ich das Leben in Afrika näher erleben. Doch ob ich meine arrangierte Privatunterkunft wirklich beziehen kann, weiss ich selbst bei der Landung in Angola noch nicht ganz sicher.

von
Reto Fehr
Luanda: Irgendwo hier ist meine Unterkunft.

Luanda: Irgendwo hier ist meine Unterkunft.

Kurz vor der Abreise kommt sie doch noch, die Hotelliste der Afrika-Cup-Organisatoren. Zudem sei der neue Touristenkomplex mit 200 Zimmern fertig und eröffnet worden. Gut, dass ich meine Unterkunft schon länger habe. Glaube ich zumindest.

Via «couchsurfing» schrieb ich einige der wenigen in Luanda lebenden Couchsurfer an. Drei haben geantwortet. Einer hat Platz für mich: Bertrand, ein Franzose, der in Luanda arbeitet. Bei ihm werden während dem Afrika Cup auch noch zwei TV-Journalisten aus Frankreich wohnen. «Ein Bett habe ich, falls es dich nicht stört, wenn noch andere Leute bei mir wohnen.» Nein, kein Problem für mich. Wichtiger ist mir ein Internetanschluss: «Den habe ich nicht», schreibt er. Das ist nicht optimal, aber ja, wählerisch kann ich nicht sein. «Vielleicht installiere ich eine Leitung, bis du kommst», schreibt Bertrand im November. Ich glaube nicht wirklich daran. Hat es denn wenigstens in der Nachbarschaft ein Cyber-Café? «Ich glaube nicht», so die Antwort.

«Hier gibt es keine wirklichen Adressen»

In den nächsten Wochen bauen wir einen Mailkontakt auf. Allerdings kommen seine Antworten auf meine Fragenbombardements spärlich. Ich bin nicht immer ganz sicher, ob ich die Unterkunft wirklich bekomme. Bertrand verspricht einiges, bleibt aber immer schwammig. Da ist nicht nur das mit der Internetleitung. «Ich hole dich am Flughafen ab - oder ich schaue, dass jemand anderes kommt», meint er. Und dann fragt er zweimal nach meinen Flugdaten, weil er sie irgendwo verlegt hat. Eine genaue Adresse kann er mir auf Anfrage auch nicht geben: «Meine Adresse ist Samba, Luanda. Aber das nützt dir nichts, denn in Angola gibt es keine wirklichen Adressen.»

Hoffen, dass er wirklich an den Flughafen kommt

Richtig Zweifel bekomme ich fünf Tage vor dem Abflug. Für mein Visum brauche ich dringend eine Bestätigung meiner Unterkunft. Bertrand antwortet mir zwei Tage lang nicht, obwohl die Zeit drängt. Ich besorge mir das gewünschte Schreiben auf einem anderen Weg. Dann meldet er sich doch noch: Es sei sehr stressig bei ihm mit seinem Job – und er fragt nochmals nach meiner genauen Ankunft.

Auf jeden Fall besitze ich jetzt neben seiner E-Mail-Adresse auch die Handynummer und weiss, dank Facebook, wie er aussieht. Wenn er am 10. Januar wirklich am Flughafen steht, werde ich ihn wohl erkennen, rede ich mir ein. Doch mein Visum habe ich immer noch nicht.

Afrika Cup für Anfänger

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

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