PERSONENFREIZÜGIGKEIT: «Ein Bild, das die Nazis von den Roma hatten»
Aktualisiert

PERSONENFREIZÜGIGKEIT«Ein Bild, das die Nazis von den Roma hatten»

Die SVP Schweiz betreibe im Kampf gegen die Ausweitung der Personenfreizügigkeit Brandstiftung, kritisiert der Schweizer Roma Kemal Sadulov. Die Partei kriminalisiere eine ganze Bevölkerungsgruppe, wenn sie vor einer Massenzuwanderung von Roma warne.

Das Vorgehen der SVP sei «bedenklich und gefährlich», sagte der in Zürich lebende Sadulov, Präsident des Vereins Romano Dialog, in einem am Freitag in der «Mittelland Zeitung» erschienenen Interview.

Als «gefährlichen Brandstifter» bezeichnete Sadulov den St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Er hatte in der Parlamentsdebatte zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien erklärt, selbst der rumänische Diktator Ceaucescu habe die Roma nicht in den Griff bekommen.

Ihn erinnere dies ein bisschen an das Bild, das die Nazis von den Roma gezeichnet hätten, sagte Sadulov. Dass sie Kriminelle seien, «und zwar unverbesserlich, so geboren und so bis zum Tod».

Dass es bei einer Ausweitung der Personenfreizügigkeit zu einer Masseneinwanderung von Roma komme, verneinte er vehement. In der Slowakei sowie in Tschechien, Ungarn oder Polen lebten viele zum Teil mausarme Roma. Trotzdem sei eine Einwanderungswelle in die Schweiz auch mit der Personenfreizügigkeit ausgeblieben.

Keine Bettler

Die 30 000 Roma in der Schweiz seien sesshaft und gut integriert. Es sei lächerlich, wenn sie mit Bettelei und Diebstahl in Verbindung gebracht würden, sagte Sadulov. Die Roma in der Schweiz arbeiteten in allen möglichen normalen Berufen.

Für Sadulov ist undenkbar, dass in der Schweiz illegale Roma-Siedlungen wie etwa am Stadtrand von Rom entstehen. Die Schweiz sei ganz anders organisiert als Italien.

Sadulov wehrte sich auch gegen die Feststellung, in den grossen Städten fielen immer mehr Bettler aus Osteuropa auf. Er reise oft mit dem öffentlichen Verkehr und habe eher das Gefühl, dass ihn immer mehr Schweizer um einen Franken für das Tram oder die Notschlafstelle bitten würden.

(sda)

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