Aktualisiert 06.11.2015 09:30

Rapper Romano

Ein bisschen Pippi und etwas Putin

Seine Haare sind so eigenwillig wie seine Texte: An Rapper Romano und seinem Loblied auf seine «Hood» Köpenick führt gerade kein Weg vorbei.

von
Catharina Steiner

Der Mann sieht aus wie eine Kreuzung aus Putin und Pippi Langstrumpf. Er rappt gegen den Kapitalismus und für Falten. Erst war er in einer Metalband, dann Schlagersänger und jetzt Rapper: Willkommen in der schrägen Welt von Romano.

Jetzt gehts los – Killernieten, Muskelshirt

Nordische Urgewalt, Kutte an, Patronengurt umgeschnallt

Ein Dutzend Wölfe wartet auf die Nacht

Tief im Wald hier in der Grossstadt.

– Romano, «Metalkutte»

Der Mittdreissiger macht schon lange Musik, doch erst jetzt kennt man ihn. Im März machte sein verstörender Song «Metalkutte» die Runde auf Youtube. Darin zieht er bezopft und mit goldener Bomberjacke vorbei an Plattenbauten und rappt über Metal. Im Internet noch mit Skurrilität aufzufallen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, aber wenn es einer schaffen musste, dann Romano: Über eine halbe Million Menschen hat sich das Video angeschaut.

Binnen weniger Monate hat er es vom Underground-Phänomen zum Künstler mit Plattenvertrag bei einem Major Label geschafft. Vor wenigen Wochen erschien sein Debütalbum «Jenseits von Köpenick». Darin verhandelt er alles, von Tinder über Geldgier bis hin zu «Botox-Fratzen». «Es ist langweilig, immer nur über fette Autos und dicke Titten zu rappen» erzählt er uns.

Zur besten Curry Köpenicks gibts erstma' 'n Magenbitter

Wie machst du das bloss? Das Haus voller Männer

Hier ist keiner nüchtern, jeder ein Gewinner

Hier gibts noch wahre Liebe, jeder hat hier Zeit

Man nimmt sich in den Arm, die Hand rutscht unters Kleid.

– Romano, «Köpenick»

Wir treffen den Musiker im Berliner Stadtteil Köpenick. 1977 kam er dort als Roman Geike zur Welt und lebt noch heute am östlichen Stadtrand. Im Kiez ist er bekannt wie ein bunter Hund. Natürlich kennt man ihn auch im Café. Neu ist, dass er sich hier mit Journalisten trifft, er wird gerade herumgereicht in der deutschen Medienlandschaft, aber Romano legt Wert darauf, jedem das Gefühl zu geben, wichtig zu sein. Aber erst mal geht er «für kleine Prinzen». Irgendwie hat er es mit Titeln: In seinen Songs nennt er sich «schöner General».

Er trägt Kajal, ein Blick aus Stahl

Phänomenal der schöne General

Schaut, wie er winkt, zu stark geschminkt

Was der wohl trinkt, der schöne General?

– Romano, «Der schöne General»

Letzere Frage ist rasch beantwortet: Sekt. Alle Journalisten, die ihn in Köpenick besuchen, bekommen erst mal ein Glas. Die zweite und weitaus wichtigere: Wer ist der schöne General? Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Romano eine Kunstfigur ist, was er im Gespräch vehement bestreitet. Sitzt man ihm gegenüber, wirkt er tatsächlich extrem authentisch. Sogar die Zöpfe sind echt. «Meine alten Nachbarinnen flechten mir immer die Haare», sagt er und streicht sie noch ein bisschen glatter.

Hast du kein Geld, hast du einfach nichts zu melden

Gross sind die Träume und klein ist die Welt

Wo keiner ist, dort helfen sie sich selbst

Stehst du vorne oder hinten?

Willst du dich lösen oder binden?

Was ist gut, was ist böse?

Wer das Problem, was die Lösung?

– Romano, «Brenn die Bank ab»

Romano scheut nicht die Kontroverse, nennt die Dinge beim Namen. «Brenn die Bank ab», diesen Songtitel kann man nicht falsch verstehen. Wie eine Art Robin verteilt Romano in seiner «Hood» Dollarnoten mit seinem Konterfei drauf. Auch wenn er keine Kunstfigur sein will – ein Gesamtkunstwerk ist er allemal. Inklusive seines alten BMW, mit dem er nach unserem Gespräch ins Herz von Köpenick davonbraust.

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