Aktualisiert 17.04.2018 00:17

VerlassenEin Blick auf Zyperns Geister-Flughafen

Staub, Stacheldraht, kaputte Möbel: Der Nicosia International Airport in Zypern zerfällt seit 44 Jahren.

von
Meret Steiger
17.4.2018
Stacheldraht, verlassene Flugzeuge und Verfall: So sieht es auf dem Nicosia International Airport auf Zypern aus.

Stacheldraht, verlassene Flugzeuge und Verfall: So sieht es auf dem Nicosia International Airport auf Zypern aus.

AP/Petros Karadjias
Erbaut wurde der Flughafen in den Dreissigerjahren.

Erbaut wurde der Flughafen in den Dreissigerjahren.

epa/Katia Christodoulou
Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence.

Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence.

epa/Katia Christodoulou

Der Nicosia International Airport (Griechisch: , Türkisch: Lefkoa Uluslararas Havaalan) ist ein fast gänzlich verlassener Flughafen einige Kilometer von Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, entfernt.

In Kriegen genutzt

Erbaut wurde der Nicosia International Airport in den Dreissigerjahren. Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence, dem Verteidigungsministerium der Briten. Ursprünglich sollte der Flughafen nur für militärische Zwecke genutzt werden, ab 1948 flogen ihn aber auch kommerzielle Airlines an.

Davor, in den Jahren 1943/44, wurde die Infrastruktur auch von amerikanischen Bombern genutzt, die von den Luftangriffen auf Ploieti, eine Stadt unter damals deutscher Herrschaft, zurückkehrten. Mit den Bomben sollten Erdölförderanlagen zerstört werden, damit den Deutschen Treibstoff fehlt.

Nicht für kommerzielle Nutzung ausgelegt

Dass vom Nicosia International Airport eigentlich keine normalen Passagierflüge starten oder landen sollten, zeigte sich damals vor allem in der Ausstattung: Es gab nur drei Hangars, die als Zollamt, Einwanderungsbehörde und Sitz der Luftfahrtbehörde gleichzeitig dienten. Ein Restaurant wurde zudem von NAAFI geführt, einer Organisation, die die britischen Streitkräfte und ihre Familien versorgt.

1949 wurde das erste Terminal gebaut, 1959 erweitert. 1968 wurde ein zweites Terminal gebaut und das alte danach von Flugschulen genutzt. Im neuen Terminal gab es Platz für bis zu 800 Passagiere und 11 Flugzeuge. 1974 sollte das Terminal ausgebaut werden und Platz für 16 Flugzeuge schaffen – so weit sollte es allerdings nie kommen.

Ein Blick ins Zyperns Geisterflughafen

Staub, Stacheldraht, kaputte Möbel: Der Nicosia International Airport in Zypern zerfällt seit 44 Jahren.

Zwischen den Fronten

Im Sommer 1974 begann der Zypernkonflikt zwischen den griechisch-zyprischen und den türkisch-zyprischen Gebieten. Ein Drittel von Zypern wurde von türkischen Streitkräften besetzt, nachdem der griechische Teil Zypern sich an Griechenland anschliessen wollte. 1983 wurde die bis heute nicht anerkannte türkische Republik Nordzypern gegründet.

Während dieses Konflikts, am 20. Juni 1974, zerstörten türkische Flugzeuge zwei der drei Jets von Cyprus Airways und Teile des Flughafens. Die UNO erklärte den Nicosia International Airport kurz darauf zur Pufferzone zwischen den beiden Gebieten. Für den Tourismus auf Zypern war das eine kleine Katastrophe: Es gab nicht nur bloss noch ein Flugzeug, es musste auch auf einen kleineren Militärflughafen ausgewichen werden.

Pufferzone und Militärstandort

Seit die UNO den Flughafen zur Pufferzone erklärt hatte, mussten beide Parteien mindestens 500 Meter Abstand halten. Das machte den Flughafen faktisch unbenutzbar. Heute stehen dort zwar aktive Helikopter der UNO, der kommerzielle Flugbetrieb wurde aber nicht mehr aufgenommen.

Living-Push

Ihnen gefällt dieser Text und Sie würden gerne mehr solche Artikel lesen? Dann aktivieren Sie den Living-Push: In diesem Kanal lesen Sie Geschichten über aussergewöhnliche Häuser und verlassene Orte, träumen mit uns von Schlössern und alternativen Lebensweisen. Täglich zeigen wir Ihnen faszinierende Bilder aus der ganzen Welt und geben gleichzeitig praktische Tipps für Ihre Wohnung und den Umgang mit Vermietern.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Living-Kanal aktivieren.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.