Aktualisiert 25.06.2009 16:30

Uni ZürichEin Blick ins Brieftaubenhirn

Mit einem selbst entwickelten Miniatur-Gerät haben Forscher der Universität Zürich erstmals untersucht, was im Gehirn von heimfliegenden Brieftauben vorgeht.

Sie entdeckten ein regelrechtes neuronales Gewitter, wenn die Vögel auffällige Geländemerkmale passierten.

Wie Brieftauben aus grossen Distanzen zuverlässig zurück in ihren Taubenschlag finden, ist bis heute ein Rätsel. Bekannt ist, dass sie sich unter anderem am Sonnenstand und mit Hilfe des Magnetfelds der Erde orientieren. Doch welche Prozesse im Hirn die punktgenaue Peilung ermöglichen, ist weitgehend unbekannt.

Ein internationales Forscherteam um Alexei Vyssotski von der Universität Zürich hat nun erstmals analysiert, was im Gehirn von frei fliegenden Brieftauben vorgeht, wie die Hochschule mitteilte. Vyssotski entwickelte und baute zu diesem Zweck einen speziellen, nur zwei Gramm schweren Neurologger, ein Gerät, das die Hirnaktivität aufzeichnet.

Auf dem Meer entlassen

Die Forscher führten ihre Versuche in Italien durch. Zum Teil entliessen sie die Tauben auf dem offenen Meer, bis zu 30 Kilometer von der Heimbasis entfernt. Dank eines zweiten Geräts, einem GPS- Logger, konnten sie genau messen, über welches Gelände die Tauben flogen, wenn im Gehirn etwas aussergewöhnliches vorging.

Wie die Forscher im Fachmagazin «Current Biology» berichten, zeigte sich, dass bei Tauben die hohen und mittleren Gehirnfrequenzen für die Orientierung wichtig sind, und nicht wie bislang angenommen die niedrigen. Die Hirnaktivität der Tauben stieg beispielsweise an, sobald sie vom Meer her festes Land erreichten.

Erkannten die Tauben auf ihrem Flug ein ihnen bereits bekanntes topografisch auffälliges Geländemerkmal wieder, massen die Forscher ebenfalls einen starken Anstieg der Hirnaktivität. Sie schliessen daraus, dass Brieftauben auch solche visuellen Merkmale für ihre Orientierung benutzen.

Von wilden Tauben abgelenkt

Flogen die Vögel im Schwarm, war die Hirnaktivität schwächer als im Alleinflug. Das deutet darauf hin, dass zwischen den Tauben eine Art «Arbeitsteilung» stattfinden könnte. Interessanterweise zeigten die Tauben auch ungewöhnliche Hirnaktivität über einigen Stellen, die für das Finden des Heimwegs unwichtig schienen.

An einer dieser Stellen stand ein Bauernhof, an einem anderen eine Scheune, wie der Fachverlag «Cell Press» in einer Mitteilung schreibt. Als die Forscher sich vor Ort begaben, löste sich das Rätsel: Beiderorts hausten Kolonien von wilden Tauben, welche die Aufmerksamkeit der Brieftauben auf sich gelenkt hatten. (sda)

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