Langlebige B-52: Ein Bomber für die Ewigkeit
Aktualisiert

Langlebige B-52Ein Bomber für die Ewigkeit

Vor genau 60 Jahren hob erstmals eine B-52 ab. Seither ist der Veteran vieler Kriege für die US-Luftwaffe unentbehrlich geworden – und wird es noch lange bleiben.

von
Jean-Claude Gerber
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Die achtstrahlige B-52 «Stratofortress» (Himmelsfestung) hob am 15. April 1952 erstmals ab und ist seit ihrer Indienststellung 1955 das Rückgrat der amerikanischen Bomberflotte.

Die achtstrahlige B-52 «Stratofortress» (Himmelsfestung) hob am 15. April 1952 erstmals ab und ist seit ihrer Indienststellung 1955 das Rückgrat der amerikanischen Bomberflotte.

Keystone/str
Der Flugzeughersteller Boeing baute bis 1963 in seinen Werken in Seattle und Wichita total 744 B-52-Bomber. Die dabei gesammelten Erfahrungen nutzte Boeing später erfolgreich für den Bau von Passagierjets.

Der Flugzeughersteller Boeing baute bis 1963 in seinen Werken in Seattle und Wichita total 744 B-52-Bomber. Die dabei gesammelten Erfahrungen nutzte Boeing später erfolgreich für den Bau von Passagierjets.

Keystone/AP
Die B-52-Bomber sind seit Ende der 1950er Jahre Teil der sogenannten nuklearen Triade der USA. So wird die Dreiteilung der nuklearen Abschreckung in landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und mit Kernwaffen bestückte Langstreckenbomber genannt.

Die B-52-Bomber sind seit Ende der 1950er Jahre Teil der sogenannten nuklearen Triade der USA. So wird die Dreiteilung der nuklearen Abschreckung in landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und mit Kernwaffen bestückte Langstreckenbomber genannt.

Keystone/AP/Jockel Finck

Es gab eine Zeit, da waren jahrein jahraus zu jedem Zeitpunkt zwölf B-52-Bomber in der Luft. Es war die Zeit des Kalten Kriegs und der Feind der freien Welt war der kommunistische Ostblock unter der Führung der Sowjetunion. Beide Blöcke waren bis an die Zähne mit Atombomben bewaffnet und zeigten es auch. Es herrschte ein Gleichgewicht des Schreckens. Diese Doktrin sah vor, dass bei einem atomaren Erstschlag der einen Seite die andere Seite den Angreifer mit einem Vergeltungsschlag garantiert auslöschen würde.

Damit die Abschreckung glaubwürdig blieb, musste die Zweitschlagsfähigkeit unter allen Umständen erhalten bleiben. Die USA setzten deshalb auf drei Liefersysteme für nukleare Sprengköpfe: landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und Langstreckenbomber. Das Rückgrat der US-Bomberflotte bildeten dabei von 1955 bis 1992 Hunderte B-52 des Strategic Air Command (SAC). Sie mussten mit Atombomben beladen im Alarmfall innert 15 Minuten in der Luft sein und ihre tödliche Last zum Gegner tragen. Und weil die US-Generäle ihren Raketen in den 1960er Jahren noch wenig vertrauten, gaben sie 1961 den Befehl aus, dass ständig bis zu zwölf – während der Kubakrise 1962 sogar 66 – B-52-Bomber mit Kernwaffen in der Luft sein mussten. Bis 1968, als der fliegende Bereitschaftsdienst eingestellt wurde, gab es somit keinen Moment, in dem nicht mindestens eine B-52 flog.

Einsatz in jedem grossen Krieg

Doch die B-52, die am 15. April 1952 ihren Jungfernflug hatte, spielte nicht nur in der nuklearen Abschreckung eine tragende Rolle. Der achtstrahlige Jet kommt immer dann zum Einsatz, wenn die US-Streitkräfte einen zuverlässigen Langstreckenbomber brauchen, der dank Luftbetankung praktisch ununterbrochen in der Luft sein kann und mit beinahe jeder Art von Waffe bestückt werden kann. So ist der Bomber, der von den Soldaten der Air Force «BUFF» (Big Ugly Fat Fucker) genannt wird, ein Veteran vieler Kriege. In Vietnam kam der Riesenvogel, der bis zu 31 Tonnen Bomben laden kann, unter anderem für die berüchtigten Flächenbombardements nordvietnamesischer Stellungen zum Einsatz.

Im Zweiten Golfkrieg 1991 warfen die B-52 40 Prozent aller Bomben auf irakische Truppen ab. Im Kosovokrieg nahmen die Bomber serbische Ziele mit Bomben und Marschflugkörpern ins Visier. In Afghanistan unterstützten hochfliegende B-52, die stundenlang über den Kampfzonen kreisten, die Bodentruppen im Kampf gegen die Taliban mit GPS-gesteuerten Präzisionsbomben. Auch am Sturz Saddam Husseins im Dritten Golfkrieg 2003 waren B-52-Bomber beteiligt, die jetzt erstmals auch lasergelenkte Waffen abfeuerten.

Die B-52 im Einsatz (Video: YouTube/cyberarmy007)

Viele «Nachfolger» überlebt

Das Geheimnis der Langlebigkeit der B-52 sind genau diese vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Obwohl er bereits Anfang der 1960er Jahre als konzeptionell veraltet galt, gelang es bisher keinem anderen US-Bomber, ihn zu ersetzen. So konnte die von 1955-1964 gebaute B-58 zwar ebenfalls Atomwaffen tragen, war aber anfällig für Unfälle und im Tiefflug trotz Überschallgeschwindigkeit weniger effektiv. Auch die F-111 erreichte Überschallgeschwindigkeit, konnte jedoch nur eine deutlich geringere Bombenlast tragen und wurde 1998 ausgemustert.

Die zwei anderen derzeit von der US-Luftwaffe eingesetzten Langstreckenbomber schafften es ebenfalls nicht, die B-52 in den Ruhestand zu befördern. Die B-1B aus den 1980er Jahren ist teurer im Betrieb und für weniger Waffentypen geeignet. Sie konnte lediglich die älteren B-52-Modelle verdrängen. Der Stealth-Bomber B-2 schliesslich ist neben anderen Defiziten mit einem Stückpreis von rund einer Milliarde Dollar schlicht zu teuer, um die B-52 zu ersetzen.

Und so werden die 94 verbleibenden Himmelsfestungen der bis 1963 gebauten Version B-52H nach heutigem Planungsstand noch mindestens bis 2040 im Einsatz bleiben. Sie werden dann rund 80 Jahre auf dem Buckel haben – was in der schnelllebigen Hightech-Welt moderner Kriegsmaschinen einzigartig ist.

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