MGB GT V8: Ein britischer Hot Rod ab Werk

Aktualisiert

MGB GT V8Ein britischer Hot Rod ab Werk

Er mag weniger bekannt sein als der Daimler Dart oder der Triumph Stag, doch auch den MGB gab es als V8-Sportwagen.

von
jcg
Kompakt und für heutige Begriffe leicht - MGB GT V8 von 1974.

Kompakt und für heutige Begriffe leicht - MGB GT V8 von 1974.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Rund 150 PS machen die Fahrt im MGB GT zum reinen Vergnügen, vor allem, wenn noch das Faltschiebedach offen ist.

Rund 150 PS machen die Fahrt im MGB GT zum reinen Vergnügen, vor allem, wenn noch das Faltschiebedach offen ist.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Mit rund 200 km/h wurde der MGB GT V8 damals gestoppt.

Mit rund 200 km/h wurde der MGB GT V8 damals gestoppt.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com

Wenn man Autokenner britische Sportwagen mit acht Zylindern aufzählen lässt, die in den 1960- oder 1970er-Jahren verkauft wurden, dann werden vermutlich der Daimler Dart oder der Triumph Stag, vielleicht auch die TVR-Coupés Tuscan und Griffith genannt. Aber es gab auch einen MGB mit Achtzylindermotor, nur wurde der kaum exportiert und nur in kleinen Stückzahlen gebaut.

Die Geschichte des MGB begann 1962, als er den MGA ablöste. Der moderne Roadster mit selbsttragender Karosserie und braver 4-Zylinder-Motorisierung erfreute sich bald grosser Popularität. Mit Pininfarina-Hilfe entstand auch ein praktisches Heckklappen-Coupé, das an der Earls Court Motor Show in London im Oktober 1965 dem Publikum schmackhaft gemacht wurde.

Zwei Jahre später lancierte die BMC den MGC mit Sechszylindermotor, im Prinzip ein MGB, angeboten als Coupé und als Cabriolet. Er besass einen Reihensechszylindermotor von drei Litern Hubraum, wie er auch im Austin 3 Litre verbaut wurde. Der schwere Motor überzeugte zwar durch deutlich mehr Fahrkultur als der Vierzylinder, das massiv höhere Gewicht aber führte trotz Mehrleistung nicht zu rasant sportlicheren Fahrleistungen.

Der Über-B mit V8

Die V8-Nische überliess man zunächst dem Tuner Costello Engineering, der mit einem Umbausatz für den MGB aufwarten konnte. Statt des Reihenvierzylinders wurde der Rover-V8-Motor mit 3,5 Liter Hubraum eingebaut. Selbst den Leyland-Oberen gefiel das Ergebnis und sie liessen sich einen Prototyp bauen.

Es dauerte dann noch über ein Jahr, bis die Leyland-Version des nun MGB GT V8 genannten Coupés erschien. In der Werksversion leistete der Achtzylinder 139 PS bei 5000 Umdrehungen, genug, um das rund 1,1 Tonnen schwere Coupé in knapp über acht Sekunden von 0 auf 100 km zu beschleunigen.

Leider blieb das Coupé eine rein britische Angelegenheit, es wurde in kleinen Stückzahlen und nur mit Rechtslenkung gebaut. 40 Prozent kostete die V8-Version mehr als der Vierzylinder-GT, ein happiger Aufpreis, der die Nachfrage weiter schmälerte. So entstanden bis 1976 nur gerade 2591 dieser MGB-GT-V8-Coupés.

Sportlich und klanglich grösser

Fast ein wenig wie ein Hot Rod fühlt sich der achtzylindrige MGB an. Im Innern erscheint er irgendwie grösser, was primär auf die Motorakustik zurückzuführen ist. Leichtfüssig setzt er sich in Bewegung und schüttelt Fahrleistungen aus dem Ärmel, die auch heute noch durchaus zeitgemäss sind. Man darf sicherlich ein wenig daran zweifeln, ob hier nur 139 PS am Arbeiten sein sollen. Schliesslich bietet der Rover-V8 ein grosses Tuning-Potenzial.

An das rechtsseitig montierte Lenkrad muss man sich natürlich gewöhnen, geschaltet wird entsprechend mit der linken Hand. Für Briten-Fans kein Problem, solange man nicht gerade – ohne Beifahrerhilfe – im Parkhaus ein Ticket ziehen soll. Gut zu wissen auch, wo sich die Motorhauben-Verriegelung versteckt. Genau, links, wie beim Linkslenker. Warum auch nicht.

Heute ist der MGB GT V8 das teuerste der drei Coupés, der Unterschied zum Sechszylindermotor ist allerdings nicht riesig. Wer es gern sportlich und dynamisch hat, der sollte sich den V8 sicherlich genauer anschauen, wenn die Rechtslenkung kein Hindernis ist. Wer am liebsten gemütlich dahinzockelt, der ist auch mit dem deutlich günstigeren Vierzylinder-Coupé gut bedient. Wir aber haben die Fahrt im britischen Hot Rod sehr genossen!

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Klangmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

Deine Meinung