Yanis Varoufakis: Ein Bruce-Willis-Typ rockt Griechenlands Finanzen
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Yanis VaroufakisEin Bruce-Willis-Typ rockt Griechenlands Finanzen

Lederjacke und ein loses Mundwerk: So lehrt der neue griechische Finanzminister Europas Wirtschaftselite das Fürchten.

von
Kaspar Wolfensberger
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Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis läuft cool die Downing Street runter, die Strasse, wo der englische Premierminister seinen Sitz hat.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis läuft cool die Downing Street runter, die Strasse, wo der englische Premierminister seinen Sitz hat.

Keystone/Andy Rain
Vor der Tür trifft er den britischen Schatzkanzler David Osbourne, der ihm die Hand zum Gruss hinstreckt.

Vor der Tür trifft er den britischen Schatzkanzler David Osbourne, der ihm die Hand zum Gruss hinstreckt.

Keystone/Andy Rain
Schliesslich schüttelt der griechische Rock-Finanzminister die Hand seines britischen Amtskollegen.

Schliesslich schüttelt der griechische Rock-Finanzminister die Hand seines britischen Amtskollegen.

Keystone/Andy Rain

«Unser Finanzminister George Osborne spricht auf der Strasse mit einem Typen, der gerade aus der Disco kommt. Nein warte, das ist ja der griechische Finanzminister.» Der britische Journalist David Byers ist wohl nicht der Einzige, der sich verwundert die Augen rieb, als er Yanis Varoufakis zum ersten Mal sah. Kein Wunder: Vergleicht man den Griechen mit der üblichen Politikerkaste Europas, so sticht er sofort ins Auge.

Dabei hat der Mann durchaus die nötigen Qualifikationen für das Amt eines Finanzministers, das er seit dem Wahlsieg der Linken Ende Januar innehat. Er verfügt über Hochschulabschlüsse in Mathematik und Statistik, hat einen Doktortitel in Volkswirtschaftslehre, ist ausserdem Buchautor und arbeitete bis vor kurzem als Ökonom bei einem Computerspiele-Hersteller. Doch der grosse Unterschied zu seinen Berufskollegen: Er trägt ein knallblaues Hemd, verzichtet auf die beinahe obligatorische dunkle Krawatte und anstatt eines Jackets trägt er eine coole Lederjacke.

«Monumental idiotisch»

Nicht nur stilistisch, auch mit seinen Aussagen fällt Varoufakis derzeit auf. So sagte er vor kurzem: «Der Euro ist nicht zukunftsfähig. Die Art und Weise, wie die EU diese Krise anging, war monumental idiotisch.» Seine Hauptforderung ist: «Schluss mit dem EU-Spardiktat für Griechenland.» In einem bisher beispiellosen Akt kündigte er deshalb auch die Zusammenarbeit mit der Troika (EU-Kommission, EZB, IWF) auf, seinen Ministerkollegen in Griechenland liess er die Luxusautos wegnehmen.

Dafür forderte Varoufakis einen Schuldenschnitt für sein Land, moderatere Reformanstrengungen und ein Ende der humanitären Krise. Zuspruch erhielt er dafür vom Nobelpreisträger Paul Krugman und, eher überraschend, von Barack Obama. Der US-Präsident sagte dem Sender CNN: «Sie können Länder, die sich inmitten einer Depression befinden, nicht immer weiter ausquetschen.»

Ein pragmatischer Querdenker

Wie pragmatisch und vor allem überzeugend Varoufakis tatsächlich ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Der Besuch bei seinem britischen Amtskollegen Osborne in London war Teil einer Tour durch europäische Hauptstädte, bei der Varoufakis die Länder der Eurozone davon überzeugen will, die Auflagen für die insgesamt 240 Milliarden Euro umfassenden Hilfsprogramme für sein Land zu lockern.

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