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«50 Shades of Grey»Ein Buch entfesselt die Lust der Schweiz

Erotische Lektüre: Schweizer verschlingen den internationalen Bestseller «50 Shades of Grey» nicht nur – sie stellen den
Sadomaso-Sex darin auch nach.

von
hal
Eine Frau in Handschellen: Sowohl Frauen als auch Männer haben solche Fantasien.

Eine Frau in Handschellen: Sowohl Frauen als auch Männer haben solche Fantasien.

Das Buch «50 Shades of Grey» der Britin E. L. James über eine Studentin, die sich einem älteren Industriellen sexuell unterwirft, sprengt alle Grenzen. Weltweit wurde die Trilogie 30 Millionen Mal verkauft – nicht trotz, sondern wegen der Sadomaso-Schilderungen mit Fesselspielen und Peitschenhieben. Auch die Schweizer sind auf den Hype aufgesprungen: Nach nur 14 Tagen ist die deutsche Version bei Ex Libris bereits ausverkauft.

Bei vielen Lesern bleibt es nicht bei der Lektüre: In den Sexshops sind Handschellen und Peitschen gefragt. Der Zürcher Erotikshop Special Moments wurde die letzten zwei Wochen fast überrannt.

Nicht nur Frauen «fesselt» das Thema

«Die Schweizer werden immer offener», sagt Erotikmarkt-Inhaber Patrik Stöckli. Das Potenzial ist riesig: Je nach Studie stehen zwischen 5 und 25 Prozent der Bevölkerung auf Sadomaso. Laut dem Bondage-Performer Dragonrope stehen wir erst am Anfang einer SM-Welle. «Allein durch den Hype um ‹50 Shades of Grey› sind aber viele Normalbürger neugierig auf Bondage-Techniken geworden.»

Dabei «fesselt» das Thema nicht nur Frauen. Im Internet suchen mehrere Schweizer explizit nach «hilflosen Gespielinnen», die das Buch gelesen haben und ihre erotischen Fantasien in die Tat umsetzen wollen. Und allein im Juli sind Hunderte neuer SM-Inserate aufgeschaltet worden.

Anfänger aufgepasst

«Einschlägige Foren erleben derzeit einen Boom», sagt ein Mitglied der BDSM-Szene anonym. Allerdings warnt Dragonrope vor unseriösen Angeboten und dass unsachgemässes Fesseln gefährlich werden kann. «Für Leute, die einfach mal Spass haben wollen, eignet sich auch ein Tuch oder Schal.»

Klaus Heer*, was finden Frauen an Sadomaso-Spielen sexy?

Das Gleiche wie Männer, entweder in der dominanten oder in der devoten Rolle. Beides sorgt für intensive Beziehungserlebnisse und Gefühle – vorausgesetzt natürlich, man mag den scharfen Charme des Quälens oder Gequältwerdens.

Feministinnen ist «50 Shades of Grey» aber ein Dorn im Auge.

In der Sexualität hat nur Unrecht, wer dem anderen gegen dessen Willen etwas antut. In dem SM-Wälzer ist das nicht der Fall. Dort ist ein heisses Spiel um glühende Anziehung im Gang. Also kein Grund zur Aufregung.

Kann die plötzliche BDSM-Lust eine Beziehung zerstören?

Nein. Nichts, was beiden Partnern Lust macht, gefährdet eine ­Beziehung – im Gegenteil. Allerdings ist nicht immer ganz ­sichergestellt, dass beide wirklich voll und ganz Ja sagen zu einem derben Sexspiel. Jeder Druck verdirbt die Liebe.

*Klaus Heer ist Paartherapeut.

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