Klares Zeichen: Ein Charaktersieg – nicht nur für Urschweizer
Aktualisiert

Klares ZeichenEin Charaktersieg – nicht nur für Urschweizer

Nicht nur Haris Seferovic spricht nach dem 2:1-Sieg gegen Österreich Klartext. Bereits während der Partie demonstriert die Nati Geschlossenheit.

von
Eva Tedesco
Wien

Doppeltorschütze Haris Seferovic nach dem Sieg gegen Österreich (Video: 20 Minuten)

Nach einer deutlichen Leistungssteigerung und dem 2:1-Erfolg gegen Österreich zeigten die Nationalspieler und der Schweizerische Fussballverband demonstrativ Geschlossenheit. Offenbar war bei den Protagonisten die Irritation nach einer Mutmassung der «Schweiz am Sonntag», dass die Nati durch einen «Balkan-Graben» gespalten sei, zu heftig. In einer Mitteilung nahm der SFV dazu am Dienstag Stellung.

Wie stark die Einheit ist, zeigte auch der Torjubel nach dem 1:0 durch Haris Seferovic (9.), als alle Spieler zum Trainer und den Ersatzspielern liefen. «Das Zeichen war klar für den, der das geschrieben hat: Wir sind eine Mannschaft, egal wer spielt. Es ist viel geschrieben worden und die Medien können sich das Geschriebene hinter die Ohren schmieren oder sonstwohin», sagte Doppeltorschütze Haris Seferovic, der gegen Österreich seine Länderspiel-Tore sechs und sieben markierte.

Seferovic bewies einmal mehr, dass er unter den Angreifern die Nummer 1 ist. Athletisch, fleissig, effizient. «Der versöhnliche Jahresabschluss tut jedem Einzelnen gut und wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, können wir es locker mit grossen Gegnern aufnehmen und müssen vor niemandem Angst haben.»

Der solidarische Jubel

Für Österreich war es die erste Niederlage im Kalenderjahr 2015. Letztmals hatte die Nummer 10 der Weltrangliste mit dem Schweizer Trainer Marcel Koller im November 2014 zu Hause gegen Brasilien (1:2) verloren. «Das war ein Charaktersieg, aber sicher nicht der feinste Fussball, den wir gespielt haben», sagte Admir Mehmedi, der sich für die butterweiche Flanke für Seferovics zweiten Treffer des Abends einen Assist gutschreiben lassen kann. «Österreich ist nicht umsonst Zehnter in der Weltrangliste. Sie haben eine tolle Qualifikation gespielt, wurden mit 28 Punkten souverän Erster in der Gruppe, deshalb war es auch nicht einfach zu gewinnen. Das ist uns gelungen und das tut gut.»

Und dann spricht auch Mehmedi über das Mannschaftsgefüge. «Wir haben eine sehr gute Stimmung innerhalb der Mannschaft, jeder kommt mit dem anderen gut aus, das hat man beim solidarischen Jubel gesehen. So muss es sein», widersprach der Leverkusen-Angreifer allem, was kolportiert worden war.

Leidenschaft forderte Nati-Coach Vladimir Petkovic, und Liebe zum Fussball. Ein bisschen Liebe erhielt der 52-jährige Tessiner zurück. In Form einer geschlossenen Mannschaftsleistung mit viel Kampf und Entschlossenheit – auch wenn das Gezeigte alles andere als brillant war. Zumindest war eine deutliche Steigerung gegenüber dem schwachen Auftritt beim 2:3 in der Slowakei erkennbar.

Enger zusammengerückt

«Es wurde viel geschrieben. Es ist immer wieder interessant, wie so etwas entsteht, und darum ist es umso geiler, wenn man auf dem Platz eine Reaktion zeigen kann», so Verteidiger Timm Klose, einer von der anderen Seite des «Balkan-Grabens». «Wir wissen, dass gegen die Slowakei nicht alles perfekt gelaufen ist, auch gegen Österreich nicht, aber man hat eine kämpferische Schweiz gesehen, die im letzten Spiel des Jahres unbedingt den Sieg haben wollte.»

Klose mit seinem Jahresrückblick zur Nati: «Ich glaube, dass wir als Team noch ein Stück enger zusammengerückt sind. Manchmal gibt es Momente im Fussball, wo es nicht so läuft, wie in der Slowakei. Man muss aber auch einsehen, dass etwas schiefgehen kann, wenn man etwas ausprobiert. Das kann passieren und gehört auch zum Fussball. Man muss aber immer aufpassen, dass man nicht zu schnell an den Pranger gestellt wird.»

«Unser Ziel ist, dass wir alle, wirklich die ganze Schweiz hinter uns haben und nicht, dass die Urschweizer sagen: Wir wollen die Nati nicht mehr sehen, weil es einen Balkan-Graben und einen Schweiz-Graben gibt. Das ist nicht so! Wir gehen füreinander, kämpfen füreinander, das hat man heute wirklich gut gesehen. Es ist schön, dass die Mannschaft zeigen konnte, dass sie sehr nah zusammengerückt ist.»

Auch in den sozialen Netzwerken wurde der Zusammenhalt demonstriert. Diverse Nationalspieler posteten nach dem Sieg im Ernst-Happel-Stadion Bilder. So auch Captain Gökhan Inler, dessen Tweet die Überschrift «All together... Till the End» trug und ein dickes CH zeigte.

Die «Schweiz am Sonntag» und die aus dem gleichen Verlagshaus stammende «Aargauer Zeitung» behaupten seit Tagen, das Schweizer A-Nationalteam sei durch einen «Balkan-Graben» getrennt. Die Redaktion beruft sich zum einen auf Informationen von Insidern, die anonym bleiben wollen, zum anderen greift sie den Nationalteam-Delegierten Peter Stadelmann auf Grund seiner Darlegung der thematisierten Sachverhalte scharf an. Auch der Schweizerische Fussballverband distanziert sich in aller Form von den diffamierenden Behauptungen und Angriffen der erwähnten Zeitungen.

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